„Ansichten“ mit Sigrid Gassner-Roberts

Zu Gast in der Sendung „Ansichten“ ist diesmal Sigrid Gassner-Roberts. Die Hundesitterin, die die Kennedys kennenlernte, erzählt von ihren Erfahrungen in New York. Dort lebte sie vor rund 50 Jahren.

Die Sendung zum Nachhören:

Die ehemalige Pädagogin Sigrid Gassner–Roberts ist eine begeisterte Erzählerin. Sie kann ihre Zuhörer mitreißen, so als sei man mit dabei. Egal ob sie von ihrem Vater – dem „Schirmdächle-Macher“ - oder ihren Schwestern, die sich für ein geistliches Leben entschieden haben, erzählt. Wie die zweite Schwester der Familie ihr Streben nach einem klösterlichen Leben eröffnete, bleibt Sigrid Gassner-Roberts der väterliche Protest unvergessen: Er habe gemeint, ob es denn seine Berufung gewesen sei, gleich zwei Töchter für die Kirche gezeugt zu haben.

Sigrid Gassner-Roberts

Privat

Sigrid Gassner-Roberts

Nach ihren Jahren als Lehrerin in Außerbraz, Bludenz und Bregenz verschlägt es Sigrid Gassner-Roberts mit zwei Fulbright-Stipendien nach New York. Acht Jahre lebte sie dort und kommt dabei mit der Familie Kennedy in Berührung. Per Zufall wird sie beim Vermögens-Treuhänder der Kennedys „Hundesitterin mit Wohnmöglichkeit“ und so lernt sie diese besondere „Family“ kennen - mit dem Glamour, der sie umgibt, aber auch der Tragik, der auf ihr lastet.

Erschütterung hautnah miterlebt

Vor 50 Jahren - am 5. Juni 1968 - wird Robert F. Kennedy in Los Angeles ermordet, zwei Monate davor, am 4. April, fällt Martin Luther King in Memphis (Tennessee) einem Attentat zum Opfer. Sigrid Gassner-Roberts erlebt die Erschütterung, die die Welt ergreift, hautnah mit. Sie engagierte sich für Robert Kennedy im Präsidentschaftswahlkampf. Mit Martin Luther King verbindet sie 1963 ein Aufenthalt in Chicago, wo sie mehrere Tage bei einer afroamerikanischen Familie lebt. Die Kinder ihrer Gastgeber nehmen damals am von der Bürgerrechtsbewegung organisierten „Marsch auf Washington“ für Arbeit und Freiheit teil. „Am Abend ihrer Rückkehr war ich von ihnen und zahlreichen Freunden als einzige Weiße zu ihrem Erlebnisbericht eingeladen. Am Ende der Feier stand ich Hand in Hand mit ihnen im Kreis und sang mit ihnen „We shall overcome...“.

Seit 20 Jahren wieder in Bludenz

Seit 20 Jahren – 1998 - lebt Sigrid Gassner-Roberts wieder in ihrem Elternhaus in Bludenz. Sie kehrte damals mit ihrem schwerkranken Gatten aus Australien in die Heimat zurück, nachdem sie viele Jahre an der University of Adelaide gelehrt hatte. 2016 veröffentlichte sie ihre Memoiren in den USA unter dem Titel „Hello, My Sweetheart", und in einer etwas erweiterten Ausgabe unter dem Titel „Memoiren aus gesunden und kranken Tagen“, erhältlich beim Tyrolia Verlag. Die Verhandlungen für eine Verfilmung ihres Lebens auf drei Kontinenten laufen derzeit.