Zahl der Bluttaten nimmt in Vorarlberg zu

Gleich zwei Bluttaten haben Vorarlberg im September erschüttert. Der Eindruck, dass sich solche Vorfälle häufigen, sei nicht falsch, bestätigt Chefinspektor Norbert Schwendinger vom Landeskriminalamt im ORF Radio Vorarlberg Samstaginterview.

Es war ein blutiger September in Vorarlberg: Zunächst löschte ein Mann in Hohenems seine Familie aus und richtete sich dann selbst. Nur eine Woche später erstach ein 14-Jähriger laut Polizei seinen Vater im Schlaf. Der vorherrschende Eindruck, dass solche Bluttaten zunehmen, stimme, sagt Schwendinger: „Wir haben die Feststellung gemacht, bedauerlicherweise, dass diese Straftaten in den letzten Jahren größtenteils zugenommen haben.“

Norbert Schwendinger im Gespräch mit ORF-Redakteur Georg Fabjan

Immer wieder komme es zu Vorfällen im Familien- oder Bekanntenkreis, oft würden sie sich aber auch komplett außerhalb der eigene Familie abspielen, so Schwendinger. Als Beispiel nennt er den Amoklauf im Vorjahr in Nenzing. „Es wird mehr in dieser Sache, wobei wir keine genaue Erklärung haben, warum das eigentlich mehr wird.“ Sein Eindruck sei, dass im Streit, etwa zwischen Ehepaaren, schneller zu einem Messer oder einem anderen Gegenstand gegriffen werde.

Zahl psychischer Erkrankungen nimmt zu

Auch die Zahl der Verbrechen, die im Zusammenhang mit einem psychischen Leiden stehen, nehme zu. „Wir müssen auch hier leider feststellen, dass es zugenommen hat, dass psychische Erkrankungen dann schlussendlich der Auslöser für solche Straftaten sind.“ So gehe man nach wie vor davon aus, dass auch der 14-Jährige, der in Götzis seinen Vater erstochen haben soll, an einer psychischen Krankheit leide.

Focus Liessmann Köhlmeier

ORF

Ereignet sich dann eine Bluttat wie in Hohenems oder Götzis, stelle das auch erfahrene Ermittler vor Herausforderungen, das sei nicht so einfach wegzustecken - obwohl die Routine in solchen Fällen schon etwas ausmache. Besonders schwierig sei es aber für jene Polizeibeamten, die zuerst einschreiten müssten. Dabei handle es sich oft um sehr junge Kolleginnen und Kollegen. Schwendinger selbst feiert im Oktober sein 40-jähriges Dienstjubiläum.

Polizisten wird intern geholfen

Bei der Polizei gibt es für Beamte, die schwierige Einsätze verarbeiten müssen, ein internes Hilfsangebot - den sogenannten „Peer-Support“. Polizisten können das Gespräch mit spezifisch ausgebildeten Kollegen suchen, die, falls notwendig, auch für fachliche Unterstützung sorgen, erläutert Schwendinger.

Denn: Es sei notwendig, die Kollegen in dieser Situation nicht alleine zu lassen. „Man darf hier die Leute natürlich nicht, auf gut Deutsch gesagt, im Regen stehen lassen, sondern da gehört es natürlich dazu, dass diese Leute dann betreut werden und dass man wieder schaut, dass die Leute ihre normale Tätigkeit danach wieder machen können.“ Das Angebot werde gerne in Anspruch genommen, sagt Schwendinger.