Die Psyche und Motive von Helfern

In der aktuellen Focus-Sendung spricht Reinhard Haller „Von der Psyche der ‚Krisen-Helfer‘ und von den Krisen der Helfer“. Zudem beleuchtet Wolfgang Schmidbauer „Die Bedeutung der Lebensgeschichte des Helfers“.

Sendehinweis:

„Focus“ - Themen fürs Leben bei ORF Radio Vorarlberg, 23.9.2017, 13.00 bis 14.00 Uhr

Nach einer Familientragödie, wie jener vom vergangenen Samstag in Hohenems, bei der eine Frau und ihre zwei Kinder getötet wurden und der Täter - der Vater - sich anschließend selbst das Leben nimmt, wurden die Hinterbliebenen von Mitarbeitern des Kriseninterventionsteams (KIT) betreut. Diesen Personen und den Einsatzkräften bietet sich unmittelbar nach der Tat ein Bild des Grauens. Die KIT-Mitarbeiter sind dazu da, auf die Bedürfnisse der Betroffenen einzugehen, ihnen ein gewisses Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Es sei das Bemühen, den Aufprall in die Realität abzufedern, umschreibt KIT-Koordinator Thomas Stubler die Zielsetzung seiner MitarbeiterInnen in einem Zeitungsinterview.

Die Sendung zum Nachhören:

Im Mai dieses Jahres trafen sich rund 200 Helfer zur 15. Tagung der österreichischen Plattform Krisenintervention in Feldkirch. Dabei beleuchtete der Psychiater, Psychotherapeut, Suchtexperte und Bestsellerautor Reinhard Haller die Psyche der Helfer. Haller machte klar, dass er die Tätigkeit der Helfer, die Kriseninterventionsarbeit machen, bewundere. Es seien humane, ganz normale Gründe, warum sie das machten: man habe ihn - den Psychiater - zu dieser Veranstaltung eingeladen, um die wenigen Prozent, bei denen es Probleme gibt, zu beleuchten.

„Die Bedeutung der Lebensgeschichte des Helfers“

Der Psychotherapeut, Lehranalytiker und Bestsellerautor Wolfgang Schmidbauer ging bei der österreichweiten KIT-Tagung auf den von ihm entwickelten Begriff „Helfersyndrom" ein: diesen Begriff hat er in seinem Beststeller „Die hilflosen Helfer" im Jahr 1977 geprägt. „Das Helfersyndrom" sei keine Schlechtmachung oder Banalisierung. Damit sei auch keine Helfersucht aus egoistischen Motiven gemeint, sagt Schmidbauer, sondern sie sei eine Dynamik, die unbewusst erfolge und in Motivationskrisen eine wichtige Rolle spielen könne.

Focus Reinhard Haller
Reinhard Haller
Reinhard Haller

Es sei eine Gefahr, wenn ein Helfer möglicherweise keine Freunde mehr hat, sondern nur noch Patienten, Schützlinge oder Leute, die er erziehen muss, bis zur Deformierung des eigenen Privatlebens. Schmidbauer gibt ein Beispiel: Die attraktive Sozialpädagogin tut sich auf einer Party, obwohl sie von vielen Männern bewundert wird, mit einem Alkoholiker zusammen, weil sie ihm helfen will und „muss". Sie sagt, er habe sie am meisten gebraucht. Es sei jedoch gefährlich, ergänzt Schmidbauer, weil die Beziehung vom Schützling abhängig mache. „Er wiederum droht plötzlich mit Suizid oder so, falls sie ihn verlasse“.

Zur Person:

Univ.-Prof. Prim. Dr.Reinhard Haller - Arzt, Suchtexperte, Suizidforscher, Gerichtspsychiater, Psychotherapeut, Bestsellerautor - ist Chefarzt des Krankenhauses Stiftung Maria Ebene, einem psychiatrisch-psychotherapeutischen Krankenhaus mit dem Schwerpunkt Suchterkrankungen. Als einer der renommiertesten Gerichtspsychiater Europas wird er immer wieder mit der Begutachtung in großen Kriminalfällen betraut. Er verfasste zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, vor allem zu den Themen psychische Erkrankungen, Sucht, Selbstmord und Kriminalpsychiatrie.

Wolfgang Schmidbauer wurde 1941 geboren. 1966 promovierte er im Fach Psychologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München über „Mythos und Psychologie“. Er lebt in München und Diessen am Ammersee, hat drei erwachsene Töchter und arbeitet als Psychoanalytiker in privater Praxis. Er ist Mitbegründer der Münchner Arbeitsgemeinschaft für Psychoanalyse und der Gesellschaft für analytische Gruppendynamik.

Literatur: Auswahl zum Thema

Reinhard Haller, „Die Narzissmusfalle"
Reinhard Haller, "Die Macht der Kränkung“
Wolfgang Schmidbauer, Hilflose Helfer: Über die seelische Problematik der helfenden Berufe. Rororo

Wolfgang Schmidbauer, „Das Helfersyndrom. Hilfe für Helfer“. rororo

Wolfgang Schmidbauer, „Wenn Helfer Fehler machen: Liebe, Missbrauch und Narzißmus“. Kindle Edition

Musik:

G* Konzert Rebond Part b - für Schlagzeug solo.SHOWDOWN AT MUSIKVEREIN 2006
Martin Grubinger/Percussion

AM SEIDENEN FADEN
TIM BENDZKO

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