„Gefühlte und reale Ängste“

In „Focus“ spricht Politologin Kathrin Stainer-Hämmerle über „Gefühlte und reale Ängste: Vom Gegen- und Miteinander in unserer Gesellschaft“. Soziologe Ferdinand Sutterlüty befasst sich mit Aufständen in sozial benachteiligten Stadtvierteln.

Sendehinweis:

„Focus" – Themen fürs Leben
28.1.2017, 13.00 bis 14.00 Uhr
2.2.2017, 21.00 bis 22.00 Uhr (WH)

Kathrin Stainer-Hämmerle befasst sich mit dem in Misskredit geratenen Begriff der „Eliten". Immer mehr hätten in dieser Gesellschaft das Gefühl, zu den Abgehängten zu gehören. Die Stimmung werde von Parteien instrumentalisiert, die sich daraus einen kurzfristigen Vorteil versprechen. Sie wollen das Vertrauen in die Problemlösungskapazität der Politik erschüttern.

Die Sendung zum Nachhören

Wir messen derzeit den Tiefpunkt an Vertrauen in Politik, in Medien und in Institutionen. Nur 14 Prozent der Trump-Wähler in den USA hätten gesagt, sie fühlten sich ausreichend und wahrheitsgemäß durch die Medien informiert. Es gibt eine reale, und auch eine gefühlte Angst. Beide Formen der Ängste sind entscheidend für die Sehnsucht nach einem politischen Wechsel.

Kathrin Stainer-Hämmerle
ORF

Ein weiterer Aspekt ist die zunehmende Radikalisierung in den sogenannten „Echokammern" der sozialen Medien. Sie seien weder sozial noch seien es Medien, sagt Kathrin Stainer-Hämmerle. Für die Bezeichnung eignet sich die Sprache nicht, und für ein Medium bräuchte es einen Wahrheitsbeweis. Hier fehlt vor allem die Öffentlichkeit. Die Hoffnung des Internets habe sich hier komplett in Hass und Verachtung verkehrt. Es ist auch für die Urteilsbildung schwierig, wenn man nicht mehr weiß, was Lüge und was Wahrheit ist.

„Krawalle sind die Wahlurne der Armen“

Gewaltforschung begleite ihn sein bisheriges akademisches Leben, so der aus Egg im Bregenzerwald stammende Univ.-Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty. Seine Betrachtung gilt der Ohnmacht, dem Ausgeliefertsein gegenüber strukturellen Ungleichheiten. Er spricht über die sogenannten Riots, über Aufstände in sozial benachteiligten multiethnischen Stadtvierteln. In Europa haben sich 2005 die größten Riots in den Banlieues, den Vorstädten in Frankreich und in verschiedenen britischen Städten, insbesondere 2011 in London, ereignet.

Nach Ansicht von Prof. Sutterlüty handelte es sich um eine wahrgenommene Verletzung staatsbürgerlicher Gleichheitsversprechen. Es gehe um die Frage der staatsbürgerlichen Gleichbehandlung durch öffentliche Institutionen. Die Aufständischen sahen ihre Rechte, die auf bürgerlichen Gleichheitspostulaten beruhen, permanent verletzt.

Die vorgebrachten Klagen richteten sich gegen die Polizei und deren Einrichtungen: gegen Diskriminierung und demütigende Behandlung. Diese Krawalle werden auch als Wahlurne der Armen bezeichnet. Es sei die Folge dessen, dass es auf der politischen Bühne für sie keine Ansprechpartner und auch keine politische Hoffnung gebe.

Aufgezeichnet wurden die Gespräche bei den Caritasgesprächen 2016 im Jugend- und Bildungshaus St. Arbogast. Sie standen unter dem Leitgedanken „Genügsamkeit: sich auf Unfertiges einlassen? … vom Gebot der Menschlichkeit“.

Zu den Personen:

Prof.(FH) MMag.Dr. Kathrin Stainer-Hämmerle

Kathrin Stainer-Hämmerle wuchs in Lustenau auf. Sie besuchte das BRG und BORG Dornbirn-Schoren und studierte anschließend Politikwissenschaften. Im weiteren Verlauf ihrer akademischen Laufbahn absolvierte sie nicht nur dieses Studium, sondern auch jenes der Rechtswissenschaften, ebenfalls an der Universität Innsbruck. Nach Lehr- und Forschungsaufträgen an den Universitäten Graz , Krems und Klagenfurt erfolgte letztlich im Jahr 2009 die Berufung auf eine Professur für Politikwissenschaft an der Fachhochschule Kärnten.

Prof. Dr. Ferdinand Sutterlüty

Geboren 1962 in Egg (Vorarlberg/Österreich). Studium der Katholischen Theologie an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck mit einem Studienaufenthalt in Salamanca (Spanien). Soziologiestudium an der Universität Konstanz und der Freien Universität Berlin. 2010 Habilitation an der Universität Wien und Erteilung der Lehrbefugnis (venia docendi) für das Gesamtfach Soziologie. Seit 2007 Mitglied des Kollegiums am Institut für Sozialforschung und seit dem Sommersemester 2012 Professor für Soziologie mit dem Schwerpunkt Familien- und Jugendsoziologie an der Goethe-Universität Frankfurt.

Literatur:

Ferdinand Sutterlütty zum Schwerpunktthema der Zeitschrift psychosozial: Masken des Bösen

Ferdinand Sutterlüty „Gewaltkarrieren: Jugendliche im Kreislauf von Gewalt und Missachtung“. Campus Verlag.

Musik:

CD Anderscht Saitenflug

T: Dilirium

T: Emil`s Hackbrett-Zäuerli

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