„Gedanken Audienz geben“

Eine Focus-Wiederholung gibt es am Samstag, den 12.8.2017. Radio Vorarlberg wiederholt die Sendung „Innehalten - meinen Gedanken Audienz geben“ mit Alfred Komarek.

Hier können Sie die Nachrichten-Sendung nachhören.

Focus-Sendung zum Nachhören.

Sendehinweis: Focus, 16.7.2016

Alfred Komarek, Schriftsteller und Dichter, Bad Aussee, Wien und Niederösterreich

Alfred Komarek ist als Ö3 Radiomoderator in Erinnerung. Er gehörte in den 1960-er Jahren mit seiner Sendung „Melodie exklusiv - sentimentale Beispiele“ zu den Pionieren des damals so bezeichneten Jugendkultursenders. Mittlerweile gehört er zu den namhaften österreichischen Schriftstellern.

Zuletzt machte Alfred Komarek mit einem Buch über das Innehalten auf sich aufmerksam. Das Innehalten, wie er es versteht, müsse folgendermaßen sein: „Freiwillig und freudig müsse es geschehen, ein zielloses Streunen und Mäandrieren, offen für alle denkbaren Ziele und für die Undenkbaren erst recht. Zeit, die nicht mehr den Uhren gehört, Gedanken, die nichts müssen, aber alles dürfen. Unverschämte Lust am Sein.“

Vorliebe für Langsamkeit

In einem Bild ausgedrückt, könnte dies die Reise mit dem Postautobus von Wien nach Vorarlberg sein. „Ergeben der Willkür des Fahrplans nach dreieinhalb Tagen in Dornbirn angekommen, umschreibt es der Poet.

Alfred Komarek hat eine Vorliebe für die Langsamkeit, für Sackgassen, für das Geschehen-Lassen. Angesprochen auf sein Zeitverständnis, meint Komarek, er habe viele Taschenuhren. Eine hatte er dabei: eine königlich-bayerische Bahnwärteruhr. Sie sei wie ein sehr gut erzogener Butler: „Sie ist nur dann nützlich, wenn man sie fragt bzw. etwas von ihr braucht". Die Taschenuhren führten ihn in eine Welt, in der er sich wohlfühle, erläutert Komarek.

Erfahrung des schöpferischen Augenblicks

Die objektive Zeit sei ein Konstrukt, die eigene Zeit ein Mysterium, schreibt Komarek in der Anstiftung zum Innehalten. Die einzige Macht, die die Kraft habe die Zeit zu negieren, sei der schöpferische Augenblick, zitiert Komarek eine chinesische Weisheit. Jeder habe diese Erfahrung des schöpferischen Augenblicks, egal ob in Beruf oder Familie. Das schöpferische Altwerden sei die Chance, auf die Zeit zu vergessen, merkt Komarek an.

Heiliger Ort: Weinkeller

Er sei heilig, weil er unheilig sei, merkt Komarek an und meint einen Ort im Weinviertel, genauer gesagt, im Pulkautal in Niederösterreich. Die Kellergassen waren die praktischen, in den Hang gebauten Häuserzeilen. Unter ihnen - in den Hang eingebaute Kellergassen – waren bzw. sind die Weinkeller.

„Das war die praktische Seite, weil man kurze Wege in die Weinberge bzw. in den Weinkeller hatte. Im Presshaus stand die Weinpresse und unter dem Presshaus sind die Keller, in denen gelagert wurde. Die Kellergasse ist auch ein Ort der Geselligkeit, weil man sich dort während und nach der Arbeit trifft.“ Der Weinkeller gelte seit jeher als der Ort, an dem die Weinkäufe per Handschlag getätigt würden. Übrigens erhalte der junge Weinbauer an der Schwelle zum Erwachsenwerden den Schlüssel zum Weinkeller.

Stille - ein heiliges Luder

Die Stille verführe, sie mache einen hinterrücks fertig, wenn man sie anlügt, sie bringe die Wahrheit an den Tag, man werde auf sie zurückgeworfen und mit sich selber konfrontiert, merkt Komarek an. Das könne für einen selber eine beruhigende Erfahrung sein, wenn man mit sich selber in der Waage sei. Das könne aber auch unangenehm werden, wenn da so ein Hohlkörper sei, der so heißt wie ich.

Eigenen Gedanken Audienz geben

Er gehe gerne in den 300 Jahre alten Weinkeller, um den eigenen Gedanken Audienz zu geben. Er gehe hinunter um Weichen zu stellen, um zu überlegen, was richtig oder was falsch war. Es gehe ebenso um die Frage, wo will ich hin und wie sehe ich mich selbst bzw. meine Umwelt. Diese Atmosphäre sei im Weinkeller auch symbolisch, unter der Erde, nahe bei den Ahnen. Damit habe sie auch etwas Überzeitliches.

Diese Focus-Sendung beruht auf einer Begegnung mit Alfred Komarek im Rahmen der Vortragsreihe „Wissen fürs Leben“ in der Arbeitserkammer in Feldkirch.

Zur Person Alfred Komarek

Alfred Komarek lebt als freier Schriftsteller in Wien, Bad Aussee und Niederösterreich. Er wurde 1945 in Bad Aussee geboren. Als Student fing er zu schreiben an, weil er dringend Geld brauchte. Es waren Glossen und Reportagen für Zeitungen, bald aber auch Texte für Radio. Komarek versuchte schon in den 60er und 70er Jahren die Möglichkeiten des damals jungen Mediums auszuschöpfen. Er wollte Texte speziell für die Anforderungen des Hörfunks zu gestalten.

Es folgten Sendungen im Bayerischen und Hessischen Rundfunk: Features, Hörspiele, Essays, Feuilletons, Erzählungen und TV-Drehbücher. Alfred Komarek ist Autor zahlreicher Bücher, in denen er sich als Romanautor und literarischer Wegbegleiter durch österreichische und europäische Kulturlandschaften erweist, aber auch als Essayist und Erzähler.

Auszeichnungen

Der Einordnung in Kategorien versteht sich Komarek immer wieder zu entziehen, wie auch die aktuellen Buchveröffentlichungen illustrieren. Sein erster Kriminalroman „Polt muß weinen“ wurde mit dem „Glauser“ als bester deutschsprachiger Krimi des Jahres 1998 ausgezeichnet. Fünf Polt-Romane wurden bisher von ORF und ARTE für das Fernsehen verfilmt. Gemeinsam mit Julian Pölsler erhielt Alfred Komarek 2002 die „Romy“ für das beste Drehbuch.

Werke

„Die Villen der Frau Hürsch“ (verfilmt), „Die Schattenuhr“ (verfilmt), „Narrenwinter“ und „Doppelblick“ bilden als Romane eine Tetralogie aus dem Salzkammergut. Toleranzpreis des Österreichischen Buchhandels, Großes Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Niederösterreich, Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

Literatur zur Sendung:

Alfred Komarek Anstiftung zum Innehalten. Styria premium

MUSIK:

T* Overture (A 4 second „taster“ of the wines to come)
AS* Gärung / Wein / Weinkeller

NK: Willi Opitz/Idee

CD* DUO TROVESI COSCIA - LEIBNITZ 2013/JAZZ & WINE
T* Round About Offenbach

A: DUO TROVESI COSCIA
NI: Gianluigi Trovesi/cl
NI: Gianni Coscia/acc

T* Gemma Gemma

A: Skolka

CD* GANSCH & ROSES
T* Flozirkus/instr.

A: Gansch & Roses/Instrumental

K: Thomas Gansch/geb.1975

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