Sozialphilosoph Oskar Negt

Prof. Dr. Oskar Negt, Sozialphilosoph, spricht zum Thema „DIE DEMOKRATIE IST IN GEFAHR, WENN WIR SIE VERNACHLÄSSIGEN."

Sendungshinweis:

Am Samstag, den 17. Mai, von 13.00 bis 14.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg Am Donnerstag, den 22. Mai, von 21.00 bis 22.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg (WH)

Wer derzeit auf Europa blickt, mit den prophezeiten Nichtwählerströmen bei der EU Wahl, mit der oft feindseligen Haltung der Menschen gegenüber der Politik insgesamt, und wer die Zunahme politischer Gruppierungen registriert, die dem rechtsextremen Lager zuzuordnen sind, der mag sich die Frage stellen, was die Gründe dieser krisenhaften Entwicklung sind.

Für Oskar Negt ist klar, dass sich einige europäische Gesellschaften in einer handfesten Krise befinden, in denen der demokratische Zusammenhalt nicht mehr gesichert scheint. Oskar Negt sieht überall die Ideologie betriebswirtschaftlicher Rationalisierung am Werk. Und er meint damit die Umverteilung nach oben und den Sparzwang nach unten. Das laufe den traditionellen Idealen von Gerechtigkeit, Solidarität und Gleichheit zuwider.

Wo sind die Visionen und Entwürfe für das Friedensprojekt Europa, das 2012 den Friedens-Nobelpreis erhielt? Das `Nobel`-Komitee sah den wichtigsten Erfolg der Union im Kampf für den Frieden und die Demokratie. Und das Komitee ergänzte, die Gemeinschaft stehe für „Brüderlichkeit zwischen den Nationen“; es klang wie die Bestätigung der Utopie einer neuen Gesellschaft.

Prof. Dr. Oskar Negt beklagt in seiner Analyse, dass diese „Eurovisionen“ fehlten. Man schätze die kulturelle Vielfalt zu wenig und behindere die Weiterentwicklung der Demokratie innerhalb Europas. Die Gesellschaft drifte auseinander. Auf der einen Seite gebe es eine sehr reiche Minderheit und auf der anderen die wachsende Zahl jener Menschen, die ohne Arbeit von staatlicher Unterstützung lebten. Hier liege der Sprengstoff für radikale und extremistische Veränderungen, wenn die Demokratie nicht ernst genug genommen werde, wenn die Arbeitswelt nur noch mit digital gesteuerten Maschinen, aber gleichzeitig ohne den Menschen auskomme. Prof. Negt lieferte zum Auftakt der Tage der Utopie 2013 im Bildungshaus St. Arbogast in Götzis eine interessante und nachdenklich machende Analyse unserer gegenwärtigen Probleme.

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