Missernten: Pfanner erhöht Preise

Die frostbedingten Missernten in Teilen Europas insbesondere bei Äpfeln und Trauben zwingen Pfanner zu Preiserhöhungen, die im Handel bis zu 40 Cent pro Liter erreichen. heuer wird ein Umsatzplus von etwa drei Prozent erwartet.

Die Folgen der im Frühjahr vor allem durch Frost bedingten Missernten bei Äpfeln und Trauben in Teilen Europas kommen in den nächsten Wochen jetzt auch bei den Endverbrauchern an. Wie Peter Pfanner, Vorstand des Vorarlberger Fruchtsaft- und Eisteeproduzenten Pfanner, gegenüber der Wirtschaftspresseagentur erklärte, werde sein Unternehmen den Preis für einen Liter Apfelsaft um mindestens 20 Cent erhöhen müssen. Für den Endverbraucher bedeute dies im Handel eine Steigerung um etwa 20 Prozent. Noch deutlicher falle die Preissteigerung bei Traubensäften aus. Hier werde eine Erhöhung von bis zu 40 Cent pro Liter ins Haus stehen.

Apfel-Ernte zu 90 Prozent ausgefallen

„Wir haben in unseren klassischen Bezugsgebieten um bis zu 30 Prozent schwächere Apfelernten. Im Bodenseeraum liegt der frostbedingte Ausfall sogar bei bis zu 90 Prozent. Dadurch hat sich der Kilopreis bei Äpfeln verdoppelt“, so Pfanner. Die Preise hätten seit September 2017 Woche für Woche angezogen und seien auf dem sehr hohen Niveau geblieben. Sein Unternehmen habe die Äpfel zu hohen Preisen zuletzt aus Südtirol und Tschechien bezogen. Für Pfanner, wo ein Drittel der produzierten Fruchtsäfte auf Apfelsaft entfällt, bedeuten diese Preiserhöhungen auf der Rohstoffseite Mehrkosten von etwa zehn Millionen Euro. „Das kann man nicht verdauen. Deshalb werden diese Preissteigerungen in den nächsten Wochen zum allergrößten Teil über den Handel weitergegeben, zumal auch unsere Mitbewerber vermutlich vor dem gleichen Problem stehen.“

1,4 Milliarden Liter Traubensaft fehlen

Ähnlich sei die Situation bei Traubensäften, wobei die Bedeutung von Trauben für Pfanner nicht mit jener von Äpfeln vergleichbar sei. „Es fehlen derzeit 1,4 Milliarden Liter Traubensaft in Europa. Im wichtigen Produktionsland Italien hatte man dabei nicht nur mit Frost, sondern auch mit der Sommerhitze zu kämpfen“, so Peter Pfanner. Dadurch habe sich auch hier der Rohstoffpreis verdoppelt. Für Pfanner bedeute dies Mehrkosten von etwa zwei Millionen Euro, die wiederum an den Handel weitergegeben werden. Für die Konsumenten kommt es dadurch zu den oben erwähnten Preissteigerungen.

Derartige Preissprünge sind unüblich

Für Peter Pfanner sind Preissprünge in diesen Dimensionen „absolut unüblich“. Das habe es zuletzt vor sieben Jahren gegeben. Es könne wohl nicht ausgeschlossen werden, dass sich solche Entwicklungen aufgrund der klimatischen Veränderungen in den kommenden Jahren häufen werden.

Gute Nachrichten von der Preisfront gibt es lediglich bei einigen exotischen Früchten und bei Zucker. So seien spezielle Früchte aufgrund des US-Dollar-Kurses im Einkauf günstiger geworden. Zudem sei durch das Ende der EU-weiten Mindestpreise für Zucker per September 2017 dessen Preis von 50 auf weniger als 40 Cent pro Kilo gefallen. „Das gleicht sich jetzt an den Weltmarkt an“, so Pfanner. Der Fruchtsafthersteller erspare sich dadurch rund zwei Millionen Euro, was in weiterer Folge auch beim Endprodukt im Handel zu spüren sein werde.

Umsatzplus von drei Prozent erwartet

Im Geschäftsjahr 2016 erzielte Pfanner einen Umsatz von 256 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Pfanner ein Umsatzplus von etwa drei Prozent. Diese Prognose basiere auf mittlerweile zehn Monaten in 2017. Gerade Mittel- und Südeuropa würden sich gut entwickeln, während es in Nordeuropa Absatzrückgänge zu verzeichnen gebe. „Da spielt das Wetter eine große Rolle.“ In Südosteuropa bemerke Pfanner das Anziehen der Wirtschaft. Allerdings stelle sich die Situation in der Arabischen Welt und in der Türkei schlechter dar.

50 Millionen Euro an Investitionen

In den vergangenen drei Jahren hat Pfanner an seinen Standorten in Europa rund 50 Millionen Euro investiert, davon zwei Drittel in Österreich und hier wiederum jeweils zur Hälfte am Stammsitz in Lauterach und im Produktionswerk in Enns (OÖ). Dabei ging es Kapazitätserweiterungen, neue Lager- und Logistikkonzepte sowie um die Optimierung der Betriebsabläufe. Für den Stammsitz im Ländle gebe es einen Masterplan für zukünftige Investitionen, der gegenwärtig adaptiert werde und in den kommenden ein bis zwei Jahren zu weiteren Baumaßnahmen führen werde. „Es geht darum, Altsubstanzen zu eliminieren und durch Neubauten zu ersetzen“, so Peter Pfanner.

Fünf Produktionswerke in Europa

Das Familienunternehmen unterhält neben den erwähnten Standorten in Lauterach und Oberösterreich auch Produktionswerke in Hamburg, Policoro (It.) und Bar (Ukraine). Dazu kommen zwölf (Vertriebs-)Tochterunternehmen in Europa. Insgesamt werden mehr als 850 Mitarbeiter beschäftigt, davon 390 in Österreich und hiervon wiederum 220 in Lauterach. Exportiert wird in über 80 Länder weltweit. Pro Jahr werden rund 120.000 Tonnen Früchte für die eigene Produktion an allen Standorten verarbeitet.

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