Experten werben für Einführung der Pflegelehre

Damit es künftig ausreichend geschultes Pflegepersonal gibt, werben Vorarlberger Lehrlings- und Pflegeexperten für die Einführung der Pflegelehre. Sie berufen sich dabei auf gelungene Ausbildungsbeispiele im Land.

Der Bund lehnt die Pflegelehre vor allem mit zwei Argumenten ab: sie wäre eine teure Parallelstruktur zu bestehenden Pflegeschulen und 15-jährige Schulabgänger wären mit der Belastung am Pflegebett überfordert.

Modellprojekt bildet 28 Jugendliche aus

Das vor sechs Jahren gestartete Modellprojekt der AQUA Mühle mit der kombinierten Lehrausbildung „Betriebsdienstleistung und Pflegeassistenz“ beweise das Gegenteil, sagte eine Gruppe aus Lehrlings- und Pflegeexperten am Donnerstag. Aktuell absolvieren 28 Jugendliche in 18 Betrieben diese Ausbildung.

Gabriele Fellner, Pflegedienstleiterin im Feldkircher Antoniushaus, sagt, sie habe weder bei diesen Ausbildungen noch früher in der Schweiz, wo es die Pflegelehre gibt, je Probleme mit überforderten Jugendlichen gehabt. Man schicke Lehrlinge mit 15 Jahren in handwerkliche Berufe, wo sie beispielsweise von einem Baugerüst herunter fallen könnten, so Fellner. Im Gegenzug traue sich die Gesellschaft aber nicht, einen 15- oder 16-jährigen Jugendlichen mit der Pflege einer älteren Frau zu beauftragen.

Lampert: „Nicht auf Schatz der Jugend verzichten“

Wenn man jungen Menschen Vertrauen gibt, leisten sie Hervorragendes, sagt das langjährige soziale Gewissen der ÖVP-Landtagsfraktion, Günter Lampert. „Auf den Schatz der Jugend zu verzichten, finde ich verantwortungslos. Wenn wir hier nicht umdenken, dann sind die Einrichtungen überfordert, ihre Aufgaben wahrzunehmen“, sagt Lampert. Er appelliere an alle, die sich für das Parlament bewerben, dass sie diese Frage überdenken.

Mangelnde Unterstützung aus Wien

Lehrlingsfachmann Egon Blum erinnert aber daran, wie wenig die im Land breit bekundete politische Unterstützung der Pflegelehre bisher in Wien gebracht habe. „Leider haben unsere Vertreter in Wien es nicht einmal geschafft, dieses Thema in den Klub zu bringen. Ich habe das Gefühl, dass hier die Überzeugung schon etwas nachgelassen hat“, so Blum.

Die Pflegelehre biete, so betont der ehemalige Lehrlingsbeauftragte der Bundesregierung, einen praxisorientierteren Zugang zum Pflegeberuf als die Pflegeschulen und sei daher auch keine Konkurrenz zu diesen.

FPÖ sieht dringenden Handlungsbedarf

Die Einführung einer Pflegelehre nach Schweizer Vorbild wird auch von den Vorarlberger Freiheitlichen unterstützt. Die demografische Entwicklung und nicht zuletzt der Beschluss zur Aufhebung des Pflegeregresses würden dringend Maßnahmen erfordern, um den betroffenen Menschen auch in Zukunft ein Altern in Würde zu ermöglichen, sagt FPÖ-Nationalratskandidat Christoph Längle überzeugt. Ein Baustein dabei sei die Einführung einer Lehrausbildung im Bereich der Pflege.

ÖVP setzt auf Vorarlberger Pilotmodell

Für ÖVP-Nationalratskandidatin Martina Ess ist die Einführung einer Pflegelehre ebenfalls notwendig. „Im Pflegebereich, in dem wir künftig sicher noch mehr qualifiziertes Personal brauchen werden, macht eine echte Lehrausbildung jedenfalls Sinn. Trotz bestehender Hürden, wie dem neuen Ausbildungsgesetz und damit verbundenen neuen Lehrplänen, sollte diese Ausbildungsform in Vorarlberg zeitnah umgesetzt werden“, sagt Ess. Die Vorarlberger Volkspartei setze hierzulande auf ein Pilotmodell, das sich durch eine „triale Ausbildung“ in Betrieben und Schulen sowie durch Praktika auszeichnen soll.

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