Haller rät dringend zu Rauchverbot

Suchtgift-Experte Reinhard Haller empfiehlt dringend, ein generelles Rauchverbot in Lokalen umzusetzen, da Passivrauchen sehr schädlich sei. 0,8 Prozent der Krankenstände hätten ihre Ursachen im Passivrauchen.

Zwei Prozent aller Berufsunfähigkeitspensionen rühren laut Haller vom Passivrauchen her. Es gebe auch nicht wenige Menschen, die an den Folgen des Passivrauchens sterben. In Vorarlberg sterben jährlich 15 bis 20 Menschen pro Jahr an den Folgen des Passivrauchens. Laut dem Suchtgiftexperten Reinhard Haller kommt man auf diese Zahl, wenn man internationale Untersuchungen auf Vorarlberg herunterbricht. Österreich habe neben Griechenland die schlechteste Nichtraucherschutzgesetzgebung Europas, kritisiert Haller.

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Beitrag von Jürgen Peschina, Götz Wagner und Roland Weber. Sie sehen Reinhard Haller und Gastronomiesprecher Andrew Nussbaumer.

Wirte nicht erfreut über Debatte

Wirte, die ihre Lokale umgebaut haben, um den Vorgaben des bisherigen Tabakgesetzes zu entsprechen, wären nicht unbedingt erfreut über eine erneute Gesetzesänderung. Österreichweit seien dafür bis zu 150 Millionen Euro ausgegeben worden, heißt es bei der Wirtschaftskammer. Dementsprechend „beliebt“ ist die Debatte bei den Wirten. Auch wenn die Wirte finanziell entschädigt werden sollen, er würde sich nicht darüber freuen, für ein paar zurückgewonnene Steuereuro hundert Formulare auszufüllen, sagt Gastronomiesprecher Andrew Nussbaumer. Eine solche Rückerstattung sollte einfach sein, fordert er.

Egger gegen Rauchverbot

FPÖ-Landesobmann Dieter Egger lehnt ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie ab. Ein solches wäre seiner Ansicht nach Bevormundungspolitik, von der Bevölkerung und Wirtschaft schon lange genug hätten. Diese bräuchten mehr Handlungsfreiheit. Dauernde Gesetzesänderungen seien abzulehnen.

Rein schlägt Selbstbehalt für Raucher vor

Wirtschaftskammerpräsident Manfred Rein kritisierte die laufende Debatte um ein komplettes Rauchverbot in der Gastronomie. Im Gegenzug schlägt er einen Selbstbehalt bei Arztbesuchen für Raucher vor. „Ich finde es nicht in Ordnung, dass man jetzt alle paar Jahre wieder mit demselben daherkommt“, so Rein gegenüber dem ORF. Einige Betriebe hätten viel investiert in die Trennung zwischen einem Raucher- und einem Nichtraucherbereich, andere hätten ein vollständiges Rauchverbot eingeführt.

Die Gesundheit sei ihm nicht weniger wichtig als die Wirtschaftskammer-Mitglieder. Jetzt aber über Abschreibungen für die Umbaukosten zu diskutieren, hält Rein für den falschen Weg. Stattdessen solle man sich überlegen, bei den Gesundheitskosten den Hebel anzusetzen. Rein kann sich etwa einen Selbstbehalt für Raucher bei Arztkosten vorstellen, ähnlich wie das bei Beamten der Fall sei.

Mitterlehner arbeitet an Abgeltungsmodell

Seit Tagen beschäftigt die Debatte um ein komplettes Rauchverbot die österreichische Innenpolitik. Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) will ein solches Verbot durchsetzen und erarbeitet zu diesem Zweck gerade eine Abgeltung für bereits getätigte Umbauten in der Gastronomie. Lesen Sie dazu Mitterlehner will Rauchverbot in Lokalen durchsetzen. Auch die Grünen haben ihr Modell samt Steuergutschriften für Betriebe, die in Umbauten investiert haben, vorgestellt.

Zu einem absoluten Rauchverbot in der Gastronomie hat sich Österreich bisher nicht durchringen können. Die Gesetzesänderung des Jahres 2009 war ein Kompromiss: Restaurants und Bars müssen Raucherräume von Nichtraucherräumen baulich trennen, Bars und Cafés unter 50 Quadratmeter können als Raucherlokale geführt werden. Dieser Kompromiss gerät immer mehr in die Kritik - vor allem auch von Suchtexperten. Befürworter eines absoluten Rauchverbotes in der Gastronomie sehen nun die Möglichkeit, dass so ein Verbot in Österreich doch noch gesetzlich verankert wird.