Boden für alle: Umgang mit einem knappen Gut

Der Verein „Bodenfreiheit“ setzt sich zum Ziel, Grünflächen durch Ankauf für das Allgemeinwohl freizuhalten. Bei einem Symposium zum Thema „Boden für alle“ wurde erläutert, wie ein sorgsamer Umgang mit Grund und Boden gelingen kann.

Jeden Tag werden in Vorarlberg 1.500 Quadratmeter Freifläche zu Bauland umgewidmet - und das, obwohl mehr als ein Drittel der bereits gewidmeten Flächen unbebaut sind und tausende Häuser leer stehen. Einen alternativen um Umgang mit Grund und Boden will der Verein „Bodenfreiheit"“ aufzeigen.

Interesse von Gemeinden an Verein

Der vor neun Monaten gegründete Verein setzt sich mit dem gezielten Ankauf von Grundstücken dafür ein, dass wichtige Freiflächen dauerhaft unbebaut und frei zugänglich bleiben. Mit einem Mitgliedsbeitrag von zehn Euro im Monat können Privatpersonen den ehrenamtlichen Verein unterstützen. Nun interessieren sich auch Gemeinden für diese Initiative, die bereits 240 Mitglieder hat.

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Im Video zu sehen: Martin Strele (Obmann des Vereins „Bodenfreiheit“), Christian Natter (Bürgermeister Wolfurt); Beitrag von Theresia Bilgeri, Holger Weitze, Bernhard Torghele

Wolfurt ist die erste Gemeinde, die die Ziele des Vereins unterstützt. Dort wurde ein Grundstück hinter der Gemeinde bereits vor Jahren angekauft, das nicht bebaut, sondern als Spielfläche für Kinder frei bleiben wird. Gemäß dem Leitbild der Gemeinde Wolfurt sollen auch im Zentrum Grünflächen in hoher Qualität erhalten bleiben.

Die Gemeinde Zwischenwasser nutzt die Strukturen des Vereins. Das Grundstück neben der Kirche in Dafins, das jetzt ein Fußballplatz ist, wird verkauft. Jetzt überlegt sich eine Initiativgruppe, wie man das 350.000 Euro teure Grundstück erwerben könnte.

Strele: „Kein Kampf gegen Einfamilienhäuser“

Wie Obmann Martin Strele erläutert, kämpfe der Verein nicht gegen Einfamilienhäuser. Vielmehr gehe es um den Erhalt von strategisch wichtigen Freiflächen, die die falsche Widmung hätten. Diese gelte es langfristig von jeglicher Art der Bebauung frei zu halten. Denn eben dies seien jene Flächen, die man dringend benötige, um sich draußen aufzuhalten, sich zu treffen - das sei etwa der Rodelhügel oder der Dorfplatz, der die falsche Widmung als Bauland habe, so Strele.

Weber: Gesetzgeber muss Gemeinden stärken

Bei einer Fachtagung des Vereins unter dem Motto „Boden für alle“ wurde am Freitag im ORF-Funkhaus in Dornbirn das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. Eine der Vortragenden war Gerlind Weber von der Universität für Bodenkultur in Wien. Weber erläuterte am Freitag im „Vorarlberg heute“-Interview mit Christoph Waibel, dass es nur als „Notprogramm“ zu verstehen sei, wenn sich Bürger für die Freihaltung von Flächen einsetzen. Vor allem sei der Gesetzgeber gefordert, der den Gemeinden den Rücken stärken und ihnen Instrumente bereitstellen müsse um einen effektiven Bodenschutz überhaupt betreiben zu können. Man habe beim Erlassen der Raumordnung ins gesetzgeberische Leben - Anfang der 70er-Jahre – auf effektive Umsetzungsinstrumente verzichtet. Das Ergebnis davon sei heute eine starke Zersiedelung sowie eine Siedlungsentwicklung in Bereichen, die frei gehalten werden müssten.

Unter Zersiedelung, so Weber, versteht man das Bauen an ökonomisch falschen Plätzen. Siedeln sei hingegen ein neutraler Ausdruck, der das Fortschreiten der baulichen Inanspruchnahme von Grundstücken benenne.

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Video: Gerlind Weber im „Vorarlberg heute“-Interview mit Christoph Waibel

Plädoyer für regionale Lösungen

Weber machte in „Vorarlberg heute“ deutlich, dass die Gemeinden unter einem enormen Wettbewerbsdruck stünden, wenn es um die Ansiedlung von Betriebsgrundstücken gehe. Ihrer Ansicht nach würden regionale Lösungen Vorteile bringen - also etwa der Zusammenschluss mehrerer Gemeinden, die eine gemeinsame Betriebsansiedlungspolitik betreiben und auch gemeinsam die Einnahmen untereinander aufteilen.

In Extremfällen, so Weber, werde man auch nicht um die Frage der Absiedlung herumkommen – so zum Beispiel, wenn man Abflussräume sichern müsse.

Vorträge der Fachtagung zum Nachhören

  • Vereinsobmann Martin Strele im Gespräch mit ORF-Kulturkoordinatorin Jasmin Ölz

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  • Vortrag von Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser (ÖVP)

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  • Landesstatthalter Karlheinz Rüdisser im Interview mit ORF-Kulturredakteurin Jasmin Ölz

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  • Vortrag von Gerlind Weber zum Thema „Verbaute Zukunft - unser sorgloser Umgang mit Grund und Boden“

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  • Vortrag von Josef Mathis, Bürgermeister der Gemeinde Zwischenwasser, zum Thema „Was kann eine Gemeinde tun?“

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  • Vortrag von Rainer Siegele, Bürgermeister der Gemeinde Mäder, zum Thema „Die Rahmenbedingungen der Gemeinden“

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  • Vortrag von Andreas Falch, Ingenieurkonsulent für Raumplanung und Raumordnung, zum Thema „Bodenpolitik als Raumplanungsinstrument“

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  • Vortrag von Ueli Strauss, Kantonsplaner in St. Gallen, zum Thema „Das neue Raumplanungsgesetz der Schweiz: Vom Wunsch zum Volksentscheid“

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