Intensivstation Krankenhaus
Mathis Fotografie
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Coronavirus

Lage in Vorarlbergs Spitälern spitzt sich zu

Im LKH Feldkirch mussten bereits drei OP-Säle schließen, weil das Personal auf den Intensivstationen benötigt wird und im LKH Bregenz werden derzeit so viele Intensivpatienten betreut, dass zwei im Aufwachbereich versorgt werden müssen. Zudem machen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern „eine Fülle an Drohmails“ zu schaffen.

„Wir sind noch nicht ganz an der kritischen Grenze, aber die Situation ist sehr belastend“, fasste Gerald Fleisch, Direktor der Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft (KHBG), am Donnerstag die Situation für die Spitäler in der vierten Welle der Pandemie zusammen. Im LKH Feldkirch mussten drei OP-Säle schließen, weil das Personal auf den Intensivstationen benötigt wird. Zudem machten den Mitarbeitern „eine Fülle an Drohmails“ zu schaffen, dagegen will man nun vorgehen.

Keine Entspannung in Spitälern

Den Höhepunkt der Infektionswelle könnten wir schon hinter uns haben. Die Krankenhäuser sind von einer Entspannung aber noch weit entfernt. 130 CoV-Patienten müssen stationär behandelt werden, 22 davon auf der Intensivstation.

Insgesamt verfügt man in Vorarlberg – bei Einschränkung des Regelbetriebs – über 68 Betten zur intensivmedizinischen Behandlung. Neben 21 Nicht-Covid-Patienten liegen derzeit 22 Covid-Patienten auf den Intensivstationen des Landes, 17 davon sind nicht geimpft. Auf den Normalstationen nahm die Belegung in den vergangenen beiden Wochen um 65 Prozent, auf den Intensivstationen um 40 Prozent zu. Die Lage sei noch immer höchst angespannt, so Fleisch am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Ein „ganz kleiner Silberstreif“ seien die sinkenden Neuinfektionen, die Belastung in den Spitälern sinke aber bekanntermaßen erst mit Zeitverzögerung.

Gerald Fleisch, Geschäftsführer der Vorarlberger Krankenhaus-Betriebsgesellschaft
Lisa Mathis
Gerald Fleisch, Direktor der Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft

Fleisch: „Bitte, bitte, gehen Sie impfen!“

Der KHBG-Direktor dankte einmal mehr den Mitarbeitenden, „die seit März 2020 Unglaubliches leisten“. Es gebe einen gewaltigen Zusammenhalt und hohe Flexibilität, die zahlreichen Umplanungen und Umschichtungen seien aber eine große Herausforderung, die Situation sehr belastend. So müssten im LKH Bregenz so viele Intensivpatienten betreut werden, dass zwei im Aufwachbereich versorgt werden müssen, „das ist schon eine Krisensituation“, so Fleisch, der neuerlich bat: „Bitte, bitte, gehen Sie impfen!“

OP-Kapazitäten in Feldkirch um 25 Prozent zurückgefahren

Am LKH Feldkirch mussten zusätzliche Covid-Intensivbetten geschaffen werden. Im Gegenzug mussten die OP-Kapazitäten um 25 Prozent zurückgefahren werden. Drei der zwölf Säle können derzeit nicht betrieben werden, weil das Personal auf den Intensivstationen gebraucht werde, so Wolfgang Hofmann, OP-Koordinator am LKH Feldkirch. „Uns ist bewusst, dass hinter abgesagten Operationen immer Einzelschicksale stehen“, betonte er. Man bemühe sich um eine offene Kommunikation und um eine zeitliche Perspektive für die betroffenen Patienten. Große Operationen müssten verschoben werden, weil nicht gesichert sei, dass danach ein Intensivbett frei sein werde.

Wolfgang Hofmann, Primararzt der Gefäßchirurgie
Lisa Mathis
Wolfgang Hofmann, OP-Koordinator am LKH Feldkirch

In Vorarlberg sei man noch in der glücklichen Lage, Krebs-Operationen nicht auf unbestimmte Zeit, sondern nur um ein bis zwei Wochen verschieben zu müssen. Man bemühe sich um das Möglichste: „Wir können statt einer großen Operation dann vielleicht drei kleinere durchführen“, so Hofmann. Man bemühe sich um gute Abwägung und hoffe auf ein baldiges Ende der Situation.

Intensivpflegepersonal: „Wir sind erschöpft“

„Wir sind erschöpft“, so Verena Bischof, Intensivpflegerin im Stadtspital Dornbirn. Man habe die erste Welle 2020 dank extremen Zusammenhalts bewältigt. „Die Welle flachte ab, aber für uns ging es nahtlos weiter“, so die Pflegerin und nannte nachgeholte Operationen, andere Notfälle, Personalknappheit, ein hohes Arbeitspensum und geringe Regenerationszeiten. Sie beschrieb die sehr aufwändige Pflege von Corona-Intensivpatienten, etwa die durch viele Zugänge und die Schutzkleidung erschwerten Lagerungsmanöver, die nur bewältigbar seien, weil Kollegen anderer Abteilungen aushelfen. Dazu komme die erschreckende Situation vieler Patienten, die mit Angst kämpften und großen Lufthunger hätten. „Wir bemühen uns, positiv zu bleiben und hoffen auf eine Perspektive“, sagte die Pflegerin.

Verena Bischof, Intensivpflegerin
Lisa Mathis
Verena Bischof, Intensivpflegerin im Stadtspital Dornbirn

„Fake News“ und Drohmails machen Spitälern zu schaffen

Zu schaffen machen den Spitälern zudem laut Direktor Fleisch „Fake News“ in sozialen Medien und eine „Fülle an Drohmails“ mit teils massiven Drohungen gegen Mitarbeitende. „Das geht überhaupt nicht“, so Fleisch. Hier habe man sich anwaltliche Unterstützung geholt, um die Mitarbeitenden und das Image der Krankenhäuser zu schützen. Man kooperiere auch im Zuge von Demonstrationen, die zeitweise – und bisher friedlich – vor den Häusern stattfinden, mit der Polizei. Mehrfach hätten zwanzig bis 30 Personen vor den Spitälern demonstriert und Vorwürfe gegen die Mitarbeitenden erhoben. „Das ist nicht nur absurd, das gehört verboten“, hielt Fleisch fest.