Pflege eines Covid-Patienten auf der Intensiv Station des Krankenhaus Hall in Tirol
LIEBL Daniel/zeitungsfoto.at
LIEBL Daniel/zeitungsfoto.at
Coronavirus

Auslastungsgrenze könnte bald erreicht sein

Mit 85-prozentiger Wahrscheinlichkeit werde die systemkritische Auslastungsgrenze von einem Drittel der Intensivbetten in Vorarlberg schon am 1. Dezember erreicht sein. Davon geht das Covid-Prognosekonsortium aus. Für kommende Woche rechnen die Experten in Vorarlberg mit der bundesweit höchsten Sieben-Tage-Inzidenz.

Drei Tage nach Inkrafttreten des österreichweiten Lockdown geht das Covid-Prognosekonsortium von einem weiter steigendem Bedarf an Spitalsbetten für Covid-19-Patientinnen und -Patienten vor allem im intensivmedizinischen Bereich (ICU) aus.

Höchste Inzidenz in Vorarlberg erwartet

Hinsichtlich der Infektionszahlen wird am kommenden Mittwoch für Österreich eine Sieben-Tage-Inzidenz von 760 bis 1.250 Fällen je 100.000 Einwohner erwartet. Die geringste Inzidenz dürfte Wien – zwischen 477 und 785 –, die höchste Vorarlberg – zwischen 1.122 und 1.850 – aufweisen.

Hohe Wahrscheinlichkeit für Vorarlberg

Die Wahrscheinlichkeit, dass die systemkritische Auslastungsgrenze von 33 Prozent der Intensiv-Betten in einer Woche – am 1. Dezember – in Vorarlberg erreicht wird, beträgt laut Expertengremium 85 Prozent. Höher ist sie nur in Oberösterreich (90 Prozent), österreichweit liegt sie nur bei 30 Prozent.

Höhepunkt der vierten Welle

Die Expertinnen und Experten nehmen in ihrer wöchentlichen Vorschau an, dass die österreichweite Sieben-Tage-Inzidenz nicht mehr signifikant steigen wird. In der laufenden Kalenderwoche „ist ein Höhepunkt der vierten Epidemiewelle (…) wahrscheinlich“, ist der Expertise des Konsortiums zu entnehmen. Auch Abwasseranalysen und Mobilitätsdaten würden auf eine Stagnation des Infektionsgeschehens hindeuten, heißt es dort.

Erhebliche Nachmeldungen möglich

Das Prognosekonsortium gibt allerdings zu bedenken: „Aufgrund der hohen Belastung bzw. teilweiser Überlastung von Testinfrastruktur, Meldesystem und Kontaktpersonenverfolgung sind die aktuell gemeldeten Inzidenzen jedoch mit Unsicherheit behaftet. Entsprechend muss diese Prognose im Falle erheblicher Nachmeldungen in den nächsten Tagen neu evaluiert werden.“

Keine Entspannung für Spitäler

Was die Auslastung der Krankenhäuser anlangt, verweisen die Expertinnen und Experten auf den „Zeitverzug zwischen Infektionserwerb und Hospitalisierung“. Aufgrund dessen sei „in den nächsten 14 Tagen noch nicht mit einer Entspannung in den Spitälern zu rechnen und ein weiterer Anstieg des ICU-Belags wahrscheinlich“.

Dieser könnte dann in der ersten Dezember-Woche „abflachen bzw. leicht zurückgehen“, deutet das Prognosekonsortium an, warnt jedoch zugleich vor vorzeitigem Aufatmen auf Seiten der Verantwortungsträger: die mögliche Abflachung erfolge „auf sehr hohem, teilweise systemkritischem Belagsniveau von über 600 belegten Intensivbetten“.