Gabi Sprickler-Falschlunger, SPÖ
ALEXANDRA_SERRA_BREGENZ
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Politik

SPÖ-Vorsitz: Sprickler-Falschlunger kandidiert

Bei der Vorarlberger SPÖ gibt es eine überraschende mögliche Lösung im Tauziehen um den Landesvorsitz: Gabriele Sprickler-Falschlunger wird am bevorstehenden Landesparteitag am kommenden Samstag kandidieren. Allerdings braucht sie dafür eine Zweidrittelmehrheit.

„Nach reiflicher Überlegung habe ich mich entschlossen, am kommenden Landesparteitag der SPÖ Vorarlberg für den Landesparteivorsitz zu kandidieren“, erklärte Sprickler-Falschlunger am Montag in einer Mitteilung an die Medien und bestätigte damit einen Bericht der Online-Ausgabe der „Vorarlberger Nachrichten“. Um kandidieren zu können, benötigt sie am Landesparteitag eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Delegierten. Diese ist nötig, weil sich Sprickler-Falschlunger nicht vor Ablauf der Frist als Kandidatin aufstellen ließ.

„Möchte nicht länger zuschauen“

„Meine Entscheidung wurde maßgeblich dadurch beeinflusst, dass viele führende Funktionärinnen und Funktionäre mit diesem Wunsch an mich herangetreten sind“, so die 65-Jährige weiter. Die anderen Kandidaten und Kandidatinnen habe sie bereits über ihre Kandidatur informiert.

„Der Grund dafür, dass ich kandidiere ist, dass ich nicht länger zuschauen möchte, wie sich die Partei in politisch derart brisanten Zeiten wie jetzt über personelle Streitereien und Konflikte austauscht“, so Sprickler-Falschlunger im ORF-Interview. Vielmehr sei es an der Zeit, zu arbeiten. Sie habe viele Gespräche geführt und halte es für realistisch, eine Zweidrittelmehrheit zu bekommen. „Sonst würde ich nicht kandidieren“, so Sprickler-Falschlunger.

SPÖ-Abgeordnete Gabriele Sprickler-Falschlunger am Rendnerpult im Landtag
Maurice Shourot

„Endlich wieder auf Inhalte konzentrieren“

„Unser aller Wunsch ist es, uns endlich wieder auf Inhalte zu konzentrieren und persönliche Befindlichkeiten in den Hintergrund zu stellen. Ich bin davon überzeugt, dass es mir gelingen wird, die in den letzten Wochen und Monaten aufgerissenen Gräben in der Partei wieder zuzuschütten, damit wir gemeinsam an den dringendsten Problemen arbeiten können“, so Sprickler-Falschlunger in ihrer schriftlichen Stellungnahme.

Das Vertrauen der Menschen in die Politik sei in den letzten Tagen auf eine harte Probe gestellt worden. Das Weiterführen des „Kurz-Systems mit Duldung der ÖVP Landeshauptleute", werde „sich weiterhin mit sich selber beschäftigen“ und die anstehenden Probleme würden dadurch nicht gelöst. Ständig steigende Wohnkosten, immer größere Unterschiede zwischen Armen und Reichen sowie der Schutz der Umwelt verlangten nach einer starken Sozialdemokratie. „Dafür werde ich mich einsetzen“, so die SPÖ-Politikerin.

„Grande dame“ der Vorarlberger SPÖ

Sprickler-Falschlunger ist keine Unbekannte in der Partei. Die 65-Jährige ist seit etlichen Jahren Parteimitglied und begann ihre Karriere in der Dornbirner Stadtpolitik. Von 2009 bis 2019 saß die Dornbirner Allgemeinmedizinerin dann für die SPÖ als Abgeordnete im Landtag, zwischen September 2016 und September 2018 war sie bereits einmal Parteivorsitzende – vor dem derzeitigen Parteichef Martin Staudinger.

Nun springt sie erneut als Kompromisskandidatin in die Bresche: „Ich habe zu allen ein intaktes Verhältnis“, sagte sie. Ihre Aufgabe als Parteichefin wird dieselbe sein wie beim ersten Mal – nämlich eine geeignete Persönlichkeit für ihre Nachfolge zu finden, die auch als an vorderster Front bei der Landtagswahl 2024 antreten wird. Diesbezüglich gelte es aber noch Gespräche im Parteivorstand zu führen, sagte Sprickler-Falschlunger.

Offenbar nicht mit Staudinger abgesprochen

Offenbar nicht abgesprochen war der Schritt zur Kandidatur mit Noch-Parteichef Martin Staudinger. Im Telefonat mit der APA war sich Staudinger einerseits nicht sicher, ob Sprickler-Falschlunger beim Parteitag die nötige Zweidrittelmehrheit für ihre Kandidatur erreichen wird („wir haben schon vier Kandidaten“), andererseits war er von der Idee überrascht, dass seine Vorgängerin auch seine Nachfolgerin werden könnte. „Strukturell Frieden hineinzubringen ist ihr nicht gelungen“, nahm Staudinger auf ihre erste Zeit als Parteichefin Bezug.

Machtkampf tobt seit Wochen

In der Vorarlberger SPÖ tobt seit Wochen ein Machtkampf um die Nachfolge des aktuellen Parteivorsitzenden Staudinger. Der von Staudinger – ohne Absprache mit der Partei – ins Spiel gebrachte Klubobmann Thomas Hopfner kam bei den größten Vorarlberger SPÖ-Ortsorganisationen nicht gut an, noch dazu kam eine „Abhör-Affäre“, die auch ein gerichtliches Nachspiel haben könnte. Vergangene Woche hatte die Partei vier Kandidaten für den Parteitag präsentiert: Neben Hopfner (56) wollten auch Alp Sanlialp (24), Robert Bedjanic (46) und Angelika Mayr (37) für den Parteivorsitz kandidieren.