Klärschlamm
©Horst – stock.adobe.com
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Wirtschaft

Klärschlamm für EU-Projekt organisieren

Die Entsorgungsfirmengruppe böhler+sohn aus Feldkirch ist Teil eines 15-Millionen-Euro-EU-Projekts. Dabei soll die Vorarlberger Firma Klärschlamm zur Herstellung von weißem Phosphor, einem wichtigen Rohstoff in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, organisieren.

Die Entsorgungsfirmengruppe böhler+sohn nimmt in den kommenden vier Jahren zusammen mit Partnern aus mehreren EU-Ländern an einem von der EU mit 15 Millionen Euro geförderten Demonstrationsprojekt teil. Konkret geht es bei dem EU-finanzierten Projekt „FlashPhos“ um die Entwicklung eines thermochemischen Produktionsverfahrens zur Herstellung von weißem Phosphor aus Klärschlamm, wie er in Kläranlagen anfällt.

Hohe Abhängigkeit von Importen

Maßgeblicher Auslöser für „FlashPhos“ ist der Umstand, dass die EU derzeit fast vollständig von Importen von weißem Phosphor aus Kasachstan, Vietnam und China abhängig ist. Weißer Phosphor gilt jedoch als strategischer Rohstoff mit hoher Relevanz, da er für Schlüsselindustrien wie dem Lebensmittel- und Pharmasektor unverzichtbar ist. Geleitet wird das EU-Demonstrationsprojekt von der Universität Stuttgart. Dazu kommen 16 Projektpartner aus Deutschland, Österreich, Italien und Spanien sowie Belgien. Auch die TU Graz ist mit von der Partie.

Böhler muss Klärschlamm besorgen und analysieren lassen

Die Vorarbeiten für dieses EU-Demonstrationsprojekt laufen seit etwa zwei Jahren. „Man hat sich an uns gewendet, weil wir in den vergangenen Jahrzehnten viel Know-how im Umgang mit Klärschlamm aufgebaut haben“, erklärte Horst Böhler von der gleichnamigen Firmengruppe im wpa-Gespräch. Die Aufgabe der Böhler Abfall GmbH sei die Besorgung von rund 200 Tonnen getrocknetem Klärschlamm in gleichbleibender Zusammensetzung und die Durchführung der dazugehörenden Analytik. Das werde beispielsweise durch die Kalb Analytik AG in Feldkirch gewährleistet.

Vielleicht von der Kläranlage Dornbirn

Gegenwärtig laufe die Abklärung, ob Böhler den Klärschlamm von der Kläranlage Dornbirn beziehen könne, so Horst Böhler. Ist das aufgrund einer unpassenden Zusammensetzung des Klärschlammes nicht der Fall, dann mache man sich auf die Suche nach einer anderen geeigneten Kläranlage im In- oder Ausland. Danach wird der Klärschlamm ab den kommenden Wochen zu einem der anderen Projektpartner in Leoben in der Steiermark transportiert. Dort wird der Klärschlamm für diverse Versuche im Vorfeld der geplanten Errichtung einer großen Produktions-Pilotanlage benötigt.

In den kommenden vier Jahren werde das „FlashPhos“-Verfahren mit bis zu 400 kg/Stunde Klärschlammdurchsatz demonstriert. Bis 2025 soll mit den gewonnenen Erkenntnissen dann die erste vollumfängliche Pilotanlage in Europa in Betrieb genommen werden, um deren Funktionalität im großen Stil zeigen zu können. Dann könne man gemeinsam mit einem Industriekonsortium mit der Produktion von weißem Phosphor im industriellen Maßstab beginnen, so die Projektverantwortlichen in einem Memo.

Gesamter Bedarf der EU abdeckbar

Nach Angaben des Projektkonsortiums gibt es in der EU genügend in Klärschlamm verborgene Phosphorreserven, um den gesamten Bedarf der EU an weißem Phosphor und bis zu 25 Prozent des in der EU verbrauchten Phosphats für andere Anwendungen zu decken. Bis 2040 sollen rund 50 Prozent des EU-weiten Bedarfs aus Anlagen in Europa stammen. Dafür benötige man rund 15 Prozent des derzeit anfallenden Klärschlammes.

Das „FlashPhos“-Verfahren ist eine schnell reagierende Hochtemperatur-Flugstromvergasung von Klärschlamm und anderen sekundären Phosphatquellen wie Tiermehl. Dabei finden alle entstehenden Materialien in der europäischen Industrie Verwendung und können teilweise kritische oder CO2-relevante Rohstoffe ersetzen, heißt es in einem Projekt-Memo.