Therapiestation Carina, Stiftung Maria Ebene
Stiftung Maria Ebene
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Soziales

Mehr Suchtkranke in der CoV-Pandemie

Das Suchtverhalten hat sich in der CoV-Pandemie bei vielen Menschen verstärkt. Das geht auch aus dem Jahresbericht des Krankenhauses Maria Ebne hervor. Das Sucht-Krankenhaus verzeichnete einen deutlichen Zuwachs auf der Warteliste von rund zwölf Prozent.

Im Rahmen einer Pressekonferenz präsentierte die Stiftung Maria Ebene am Mittwoch ihre Zahlen zum vergangenen Geschäftsjahr. Im Zentrum stand natürlich die CoV-Pandemie und ihre Auswirkungen auf das Suchtverhalten.

„Die Krise von heute offenbart noch gar nicht ihr ganzes Ausmaß. Die nächsten Jahre werden dies erst zeigen und uns als Gesellschaft auf vielfältige Weise fordern“, ist Primar Dr. Philipp Kloimstein, Chefarzt und ärztlicher Leiter der Stiftung Maria Ebene, überzeugt.

Primar Dr. Philipp Kloimstein übernahm mit 01.04.2020 die ärztliche Leitung der Stiftung Maria Ebene.
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Primar Philipp Kloimstein

Die Lockdown-Zeit belaste viele Menschen psychisch, hinzu kämen noch die besorgniserregenden Arbeitslosenzahlen, so Kloimstein. Arbeitslosigkeit begünstige eine Vielzahl psychischer Erkrankungen. Dazu zählten Süchte, aber auch Depressionen und Ängste, die bis hin zum Suizid führen können. Das belegen auch Studien zu früheren Krisen wie etwa zur Finanzkrise 2008. Im Moment befänden wir uns am Beginn einer vergleichbaren Lage, die es abzufangen oder abzumildern gelte, ergänzt Kloimstein.

Deutlicher Patientenanstieg nach Wiederöffnung

Gleich zu Beginn des Jahres 2020 sorgte die CoV-Krise für eine schwierige Situation. Sowohl das Krankenhaus Maria Ebene als auch die Therapiestation Lukasfeld mussten kurzfristig für mehrere Wochen ihre Kapazitäten zur Behandlung von suchterkrankten Menschen reduzieren.

Um den Patientinnen und Patienten in dieser Zeit dennoch Hilfe und Betreuungsmöglichkeiten anzubieten und gleichzeitig physische Kontakte zu minimieren, wurde ein telefonisches Betreuungsnetzwerk aufgebaut. Die Abläufe und Hygienemaßnahmen in der stationären Behandlung wurden ebenso angepasst wie die Gruppengrößen bei den Therapien.

Im Mai, schon kurze Zeit nach dem wieder Patienten im Krankenhaus Maria Ebene aufgenommen werden konnten, konnte ein deutlicher Zuwachs auf der Warteliste von rund zwölf Prozent festgestellt werden.

Bestimmte Berufsgruppen stark betroffen

„Viele der Patientinnen und Patienten, die wegen des Lockdowns vorzeitig die Therapie abbrechen mussten, wurden trotz telefonischem Kontakthalten rückfällig. Dazu kommen Rückfälle früherer Suchterkrankungen und eben neue Suchtentwicklungen bedingt durch die CoV-Krise. Beispiele sind hier die Gastronomie, der Tourismusbereich, der Eventbereich oder etwa auch Berufsfotografinnen und -fotografen“, präzisiert die Leiterin der Psychologie des Krankenhauses Maria Ebene, Dr. Maria-Christina Rehberger, die aktuelle Situation.

Durch die verordneten Betriebsschließungen und die daraus resultierende, erhöhte Arbeitslosigkeit fällt für viele dieser Menschen die gewohnte Tagesstruktur weg. Zukunftsängste und vermehrte psychische Belastungen führen darüber hinaus häufiger zu Depressionen und Suchtverhalten.

Insgesamt 1.198 Personen betreut

Insgesamt wurden 2020 504 Patientinnen und Patienten stationär behandelt, das sind nur 95 weniger als im Jahr davor. Einen klaren Anstieg verzeichnete hingegen die Beratungsstelle Clean in Bregenz, Feldkirch und Bludenz: 37.104 Leistungen an Klientinnen und Klienten entsprechen rund 13 Prozent mehr als im Vorjahr.

"Insgesamt betreuten wir 1.198 Personen, also 25 mehr als 2019. Besonders auffällig war das Wachstum bei den betreuten Personen in Bludenz mit plus 10,7 Prozent“, erläutert Wolfgang Grabher, Leiter des Clean Bregenz und Feldkirch. „Beim Konsumverhalten setzten sich die Trends der Vorjahre fort: Der multiple Substanzgebrauch bleibt vor Cannabis unangefochten an der Spitze. Minimale Zunahmen in den Leitdrogen gab es bei Kokain“, so Grabher.

SUPRO setzte auf telefonische Beratung

Die Einschränkungen durch die CoV-Pandemie stellten auch die SUPRO vor neue Herausforderungen. Viele bewährte Angebote und Maßnahmen konnten nicht oder nur bedingt umgesetzt werden. Gerade Workshops mit Jugendlichen waren über längere Zeit nicht erlaubt. „Wir haben schon frühzeitig im Sommer darauf reagiert, neue Angebote entwickelt und bewährte Formate auf Online-Basis umgestellt“, berichtet Andreas Prenn, Leiter der SUPRO in Götzis.

2020 konnten in Summe 3.954 Personen erreicht werden, das entspricht zwar im Vergleich zum Vorjahr weniger als der Hälfte, Prenn zeigt sich angesichts der Umstände dennoch zufrieden. Telefonische Beratungsangebote und Kriseninterventionen wurden ausgebaut.