AstraZeneca
APA/EXPA/ JFK
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Coronavirus

Bedenken wegen AstraZeneca-Impfstoff

Während immer mehr Länder die Impfungen mit dem Vakzin von Astra Zeneca aussetzen, hält die österreichische Politik zumindest auf Bundesebene noch daran fest. Aus Medizinerkreisen mehren sich aber die Bedenken, so auch bei Gerhard Stark, einem Experten für Gefäßerkrankungen im wissenschaftlichen Beirat des Ministeriums.

Nach Impfungen mit Astra Zeneca kam es in einigen Fällen zu Blutgerinnungsstörungen, die zur Verstopfung von Blutgefäßen mit teilweise tödlichem Ausgang geführt haben. Betroffen sind anscheinend vor allem Jüngere und Frauen. Ein direkter Zusammenhang mit der Impfung sei aber nicht erwiesen, argumentiert die Politik. Dennoch setzen immer mehr Staaten die Impfungen damit aus – mehr dazu auf news.ORF.at

Allerdings gebe es deutliche Auffälligkeiten, sagt der Wiener Experte für Gefäßerkrankungen Gerhard Stark, der im wissenschaftlichen Beitrat des Ministeriums sitzt: „Hier ist die Auffälligkeit darin zu sehen, dass wir ein thrombotisches Ereignis haben in Kombination mit einem Abfall der Blutplättchen-Zahl und das haben wir bei einem klassischen thrombotischen Ereignis wie einer Beinvenen-Thrombose oder einer Lungenembolie nicht.“ Dieses Phänomen sei sehr selten zu beobachten.

Vergleich mit Kontrollgruppe hinkt

Der immer wieder zitierte Vergleich, dass in einer Million geimpfter Menschen nicht mehr solche Ereignisse auftreten als in der gleichen Gruppe von nicht Geimpften, hinkt damit, so der Gefäßmediziner. Thrombosen könnten nämlich viele Ursachen haben von der Ruhigstellung von Gliedmaßen bis zu Flüssigkeitsverlust.

All das werde hineingemischt in diesen Vergleich und mache diesen unspezifisch, so Stark: „Hier haben wir ein Phänomen, das uns zeigt, dass diese Entstehung der Thrombose eine bestimmte Ursache hat, die eben dieses Bild einer verringerten Blättchen-Zahl und eines thrombotischen Ereignisses zeigt.“ Das sei ein seltenes Muster, auch wenn man es jetzt in einem gewissen Zusammenhang mit einer Impfung sieht. Man müsse das genau untersuchen.

Impfungen trotzdem nicht aussetzen

Mit den Impfungen aussetzen (wie in zahlreichen anderen EU-Staaten) würde Stark deswegen aber nicht: „Weil es so selten auftritt und weil die Impfung trotzdem hoch effektiv ist im Verhindern von schweren Erkrankungsverläufen bis hin zu Todesfällen.“ Deshalb schätze auch das Impfgremium Österreich die Lage so ein, dass Impfen mit Astra Zeneca nach wie vor vertretbar sei und großen Nutzen bringe.

Abwägen von Risiko und Nutzen

Dem Vergleich mit einer Risiko/Nutzen-Abwägung, bei der man vielleicht ein paar wenige Todesfälle durch die Impfung in Kauf nimmt und dafür aber viele Menschen vor einem möglichen Tod durch Covid-19 in Kauf nimmt, stimmt Stark zu: „So etwas zu sagen ist für uns sehr schwer anzunehmen. Ich gebe dann immer gerne den Vergleich, dass ich sage: Unsere Mobilität tauschen wir auch gegen eine gewisse Wahrscheinlichkeit des Unfalltodes ein.“

„Uns läuft die Zeit davon“

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA soll Klarheit schaffen, ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen der Astra Zeneca Impfung und den Gerinnungsstörungen gibt. Ob das gelingt, bezweifelt Stark: „Ich denke, um eine Kausalkette vollkommen schließen zu können, läuft uns die Zeit davon. Ich denke, es wird wie in einer Prozessführung wahrscheinlich auf Indizien ankommen und die Wertung dieser Indizien. Das wird damit eine sogenannte Konsens-Entscheidung sein, wie man diese Indizien nun wertet.“