Katharina Liensberger jubelt
GEPA pictures/ Harald Steiner
GEPA pictures/ Harald Steiner
sport

WM-Gold auch im Slalom: „Ein Traum, der wahr wird“

Katharina Liensberger ist zweifache Ski-Weltmeisterin. In Cortina schnappte sich die 23-Jährige neben Parallel-Gold und Riesentorlauf-Bronze am Samstag auch noch Gold im Slalom. „Es ist wirklich ein Traum, der wahr wird“, so Liensberger, die sich gerührt bei allen Unterstützern bedankte – und auch „bei allen Sternen da oben“. Sie ist die erste Vorarlberger Doppelweltmeisterin seit fast 60 Jahren.

Die neue Slalom-Königin ließ sich erst einmal in den Schnee fallen. Nach ihrer Wahnsinnsfahrt zu Gold fasste sich Katharina Liensberger in Cortina d’Ampezzo ans Herz, versteckte ihr Gesicht hinter den Handschuhen. Mit dem Rennen ihres bisherigen Lebens entthronte die 23-Jährige bei der WM am Samstag die langjährige Slalom-Dominatorin Mikaela Shiffrin, die Dritte wurde. Silber ging an Mitfavoritin Petra Vlhova aus der Slowakei – mehr dazu in vorarlberg.ORF.at: Liensberger krönt sich auch zur Slalom-Weltmeisterin und in sport.ORF.at: Liensberger fährt mit Gala zu Slalom-Gold.

Eine Sekunde Vorsprung auf Vlhova

Um eine ganze Sekunde verwies Liensberger Vlhova auf Platz zwei, Shiffrin war sogar fast zwei Sekunden langsamer als die Sportlerin aus Vorarlberg. „Großartig, das ist unglaublich“, sagte Liensberger über den Coup und ihr zweites Gold in Italien nach dem Erfolg im Parallel-Rennen. Dazu kommt Bronze im Riesenslalom. „Ich habe heute alles gegeben. Ich habe so viel geschuftet. Unglaublich, dass irgendwann alles zurückkommt. Ich bin so glücklich.“

Fotostrecke mit 10 Bildern

Liensberger mit ihren drei WM-Medaillen von Cortina
GEPA pictures/ Patrick Steiner
Das ÖSV-Team feiert Liensberger
GEPA pictures/ Patrick Steiner
Liensberger mit Slalom-Goldmedaille
GEPA pictures/ Harald Steiner
Katharina Liensberger mit Slalom-Goldmedaille
GEPA pictures/ Harald Steiner
 Katharina Liensberger jubelt
GEPA pictures/ Harald Steiner
Petra Vlhova (SVK), Katharina Liensberger (AUT) and Mikaela Shiffrin (USA) bei der Siegerehrung beim WM-Slalom
GEPA pictures/ Harald Steiner
Liensberger gewinnt Gold
GEPA pictures/ Harald Steiner
Katharina Liensberger im zweiten Slalom-Durchgang
GEPA pictures/ Patrick Steiner
Katharina Liensberger
GEPA pictures/ Thomas Bachun
Katharina Liensberger im zweiten Slalom-Durchgang
GEPA pictures/ Thomas Bachun

Kein Überraschungserfolg

Auch wenn Liensberger noch nie einen Weltcup gewonnen hat, kam der Erfolg nicht gänzlich überraschend: Sie stand in dieser Saison in jedem Slalom auf dem Podium. Von so einem goldenen Happy End aber war nicht zwingend auszugehen.

„Es ist wunderschön, ich weiß nicht, was ich sagen soll“, bemerkte sie. „Es ist ein Traum, der wahr wird.“ Dann erzählte Liensberger, dass sie tatsächlich mal geträumt habe, ein Rennen mit einer Sekunden Vorsprung zu gewinnen. Jetzt wurde es Realität.

Liensberger und Gut-Behrami weibliche Stars der WM

Mit zwei Goldmedaillen und einmal Bronze ist Liensberger neben Lara Gut-Behrami (Gold in Super-G und Riesenslalom, Bronze in der Abfahrt) die erfolgreichste Sportlerin dieser Titelkämpfe in Cortina.

„Das war inspirierend“, sagte Shiffrin nach dem Wettkampf und zollte ihrer jungen Rivalin damit den größten Respekt. Die Amerikanerin hatte erstmals überhaupt in ihrer Karriere einen WM-Slalom nicht gewonnen – nach zuletzt vier Goldmedaillen von 2013 bis 2019.

„Weg hat sich irgendwie abgezeichnet“

Nicht überraschend kam der Sieg auch für ÖSV-Trainer Christian Mitter. Ihr Weg „hat sich irgendwie abgezeichnet, auch wenn man das hinterher immer leicht sagen kann“, so Mitter.

In den vergangenen drei Weltcup-Slaloms hatte sich Liensberger knapp geschlagen geben müssen. In Semmering, Zagreb und Flachau musste sie in der Reihenfolge den erfahreneren Athletinnen Michelle Gisin, Petra Vlhova und Mikaela Shiffrin den Vortritt lassen und sich mit Platz zwei begnügen. Bruchteile einer Sekunde sprachen jeweils gegen sie.

Liensberger gewinnt Slalom-Gold

Katharina Liensberger hat zehn Jahre nach Marlies Schild wieder Slalom-Gold bei einer Weltmeisterschaft für Österreich gewonnen. Die Vorarlbergerin, die im Weltcup noch ohne Sieg ist, holte sich am Samstag mit zweimal Laufbestzeit ihr zweites Gold in Cortina d’Ampezzo nach jenem im Parallel-Bewerb.

Das „ganze Universum“ half

Nun erklomm sie ausgerechnet bei der WM, auf der neben Olympia größtmöglichen Bühne des alpinen Skisports, das erste Mal die oberste Stufe. Vlhova und Shiffrin hatten das Nachsehen.

Am Samstag sei es ihr gelungen, das umzusetzen, was für sie am meisten zähle, nämlich „mit Herz und Begeisterung“ Ski zu fahren. „Ich denke, wenn man was wirklich will, dann hilft einem auch das ganze Universum, das zu erreichen. Heute war definitiv der Tag, an dem mir das gelungen ist“, meinte Liensberger. „Dass es jetzt am Ende für Gold reicht, das ist unglaublich.“

Weltcup-Debüt in Flachau 2016

Die passionierte Harfespielerin hatte am 12. Jänner 2016 in Flachau ihr Weltcup-Debüt gegeben. Scheiterte sie da noch an der Qualifikation, kam Liensberger im Dezember 2016 als 22. im Semmering-Slalom erstmals in die Punkteränge. Später ging es jede nachfolgende Saison immer ein Stückchen bergauf: erstes Top-Ten-Resultat im Jänner 2018 in Zagreb, ein Jahr später stand sie unter Flutlicht in Flachau als Dritte erstmals auf dem Podium.

Im ÖSV wusste man da längst um das außergewöhnliche Talent der Göfnerin. Vor der Saison 2019/20 bemühte sich zunächst Sportdirektor Anton Giger mit großem Eifer darum, ein brutales Karriere-Intermezzo zu verhindern. Liensberger hätte ab dem vergangenen Weltcup-Winter eigentlich mit der Vorarlberger Skimarke Kästle statt Rossignol und Lange-Schuhen fahren wollen, dies scheiterte aber an dazugehörigem Schuhmaterial, das den Bedingungen des Austria Ski Pool entsprochen hätte. Lange, das zur Rossignol-Gruppe gehört, sagte Nein zu einem Ausrüstervertrag für Kästle. Nach Gesprächen mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel einigten sich die Parteien schließlich doch noch kurz vor dem ersten Slalom in Levi. Liensberger blieb Rossignol erhalten.

Interview mit Weltmeisterin Liensberger

„Extrem fleißig und konsequent im Training“

Liensberger sei extrem fleißig und konsequent im Training, sie setze neue Inputs sehr schnell um, sagt Damen-Rennsportleiter Mitter. Aus den Erzählungen ihres Vater Thomas ließe sich ein angeborener Ehrgeiz seiner Tochter heraushören. „Als kleines Mädchen wollte sie nicht mit Stützrädern Fahrradfahren, sondern ohne. Sie wollte schwimmen, aber nicht mit Schwimmflügeln“, erzählte er den „Vorarlberger Nachrichten“. Ihre Fähigkeit, an Dingen dranzubleiben, sich stetig verbessern zu wollen, sei herausragend.

Ihre Eltern begleiten die Karriere der heute 23-Jährigen intensiv. Mutter Herlinde wäre normalerweise dieser Tage bei der WM in Cortina eng an ihrer Seite, die Coronavirus-Pandemie verhinderte das. Liensberger, in Liebesdingen mit Freund Philipp glücklich, ist ihr Umfeld generell sehr wichtig. Ihr Heimatverein ist der SC Rankweil, bei dem auch Kombinations-Olympiasieger Mario Reiter, im ÖSV für Marketing-Agenden zuständig, gelegentlich noch immer aktiv ist.

Erste Goldmedaille für Vorarlberg seit 1996

Liensberger ist erst die zweite Vorarlbergerin nach Marianne Jahn (heute Jahn-Nutt) aus Zürs, die bei einer Weltmeisterschaft drei Medaillen gewonnen hat. Die heute 78-jährige Jahn-Nutt holte 1962 in Chamonix Gold im Slalom und im Riesentorlauf sowie Silber in der Kombination.

Bei den Herren sorgte der für Luxemburg startende Lustenauer Marc Girardelli für einen dreifachen Medaillen-Erfolg bei einer WM – und zwar in Crans Montana 1987. Girardelli holte Gold in der Kombination und Silber in Riesentorlauf und Super-G. Für die letzte Goldmedaille bei einer WM, die nach Vorarlberg ging, sorgte Patrick Ortlieb in der Abfahrt 1996 in der Sierra Nevada.

Liensberger krönt sich auch zur Slalom-Weltmeisterin

Katharina Liensberger hat es geschafft, die 23-Jährige krönte sich bei der alpinen Ski-WM in Cortina am Samstag endgültig zur neuen Ski-Königin: Die Parallel-Weltmeisterin holt sich im Slalom ihre zweite Gold-Medaille – und schreibt damit Vorarlberger Skigeschichte.