CoV-Test im Labor
©MyriamB – stock.adobe.com
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Wirtschaft

Wirtschaft: Kontaktpersonen „freitesten“

Wirtschaftsbund und Industriellenvereinigung fordern die Möglichkeit für Kontaktpersonen, sich aus der zehntägigen Quarantäne „freizutesten“. Demnach solle eine Kontaktperson nur so lange in Quarantäne bleiben, bis ein negativer Test vorliegt. Innerhalb von 48 Stunden solle dann ein zweiter Test erfolgen.

Wer engen Kontakt mit einer Coronavirus-infizierten Person hatte, gilt als Kontaktperson ersten Grades und muss automatisch für zehn Tage in Quarantäne. Auch dann, wenn der eigene Coronavirus-Test negativ ausfällt. Weil so in vielen Unternehmen Arbeitskräfte ausfallen, obwohl sie nicht mit dem Virus infiziert sind, fordern Wirtschaftsbund und Industriellenvereinigung Änderungen. Sie sprechen sich für das sogenannte „Freitesten“ aus.

Zweiter Test innerhalb von 48 Stunden

Damit ist gemeint, dass enge Kontaktpersonen nicht mehr automatisch zehn Tage in Quarantäne müssten – sondern nur, bis das Ergebnis ihres ersten Coronavirus-Tests vorliegt. Fällt das negativ aus, soll die Person als Kategorie-2-Kontaktperson eingestuft werden und mit den vorgesehenen Maßnahmen (Hygiene, Abstand, MNS) normal weiterarbeiten.

Innerhalb der nächsten 48 Stunden solle dann ein zweiter Test erfolgen – um sicher zu gehen, dass die Kontaktperson tatsächlich nicht infiziert ist. Bei Symptomen müsse der Verdachtsfall sich selbstverständlich weiterhin sofort in Selbstisolation begeben, so der Wirtschaftsbund.

„Verheerende Folgen für die Unternehmen“

Derzeit muss bei einem positiven Test die ganze Belegschaft in Quarantäne, auch wenn alle anderen Mitarbeiter negativ getestet worden sind. Mit dem „Freitesten“ soll das nach Vorstellung der Wirtschaftsinstitutionen künftig verhindert werden, damit der jeweilige Betrieb so normal wie möglich weiterlaufen kann.

Angesichts steigender Infiziertenzahlen sei davon auszugehen, dass sich täglich hunderte Vorarlberger in Quarantäne begeben müssen, so Wirtschaftsbund-Direktor Jürgen Kessler: „Das hätte verheerende Folgen für die Unternehmen und Arbeitsplätze.“

FPÖ schließt sich der Forderung an

Auch FPÖ-Landesobmann Christof Bitschi schloss ich am Mittwoch der Forderung an. Die derzeitige Regelung stelle viele Betriebe in Vorarlberg vor riesige Probleme, "weil dadurch Mitarbeiter ausfallen, obwohl diese in den meisten Fällen überhaupt nicht infiziert und völlig gesund sind“, so Bitschi. Das schade dem Standort Vorarlberg und den Betrieben im Land und bedeute „in den nächsten Wochen und Monaten nichts anderes als einen Lockdown für viele Unternehmen“.

Einteilung der Kontaktpersonen in Kategorien

Wird jemand von einem Infizierten als Kontaktperson angegeben, wird die Intensität des Kontaktes laut Landesangaben überprüft, der Betroffene kategorisiert (Kategorie I oder II oder keine Kategorie) und falls erforderlich, zuerst mündlich, dann mittels Bescheid abgesondert.

In Kategorie I fallen laut Land Personen, die länger als 15 Minuten mit weniger als zwei Meter Abstand Kontakt zu einem Infizierten hatten. Diese werden in Quarantäne geschickt. Wer in Kategorie II eingestuft wird, weil der Kontakt weniger eng oder lang war, dem können Verkehrsbeschränkungen auferlegt werden – etwa je nach Berufsgruppe nicht arbeiten zu gehen oder nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.

Formular für Kontaktpersonen

Unsicherheit herrscht oft bei Personen, die nicht wissen, ob sie als Kontaktperson gelten oder nicht – und die nicht wissen, wie sie sich verhalten sollen, wenn sie nicht oder noch nicht offiziell in Quarantäne geschickt wurden. Im Zweifelsfall gelte immer, sich bei einem Verdachtsfall abzusondern, heißt es beim Land. Wer weiß, dass er oder sie eine Kontaktperson einer infizierten Person ist, aber keine Symptome verspürt, muss allerdings nicht darauf warten, von den Behörden kontaktiert zu werden.

Vielmehr ruft das Land solche Menschen auf, sich mit Hilfe eines entsprechenden Formulars zu melden. Bereits beim Ausfüllen des Formulars erhält man entsprechende Verhaltensempfehlungen. Sollten Symptome auftreten (Husten, Fieber oder Kurzatmigkeit), ist die Hotline 1450 zuständig, hier können allerdings auch symptomfreie Personen Fragen zur Vorgehensweise stellen.

Konzentration auf tatsächliche Kontaktpersonen

Laut Angaben des Landes wird jeder einzelne Kontakt überprüft, allerdings könne man aufgrund der zahlreichen Fälle, nur die Personen kontaktieren, die tatsächlich als Kontaktperson eingestuft würden. Man könne nicht jeden einzelnen anrufen, um mitzuteilen, dass er oder sie NICHT als Kontaktperson eingestuft werde, bittet man beim Land um Verständnis. Man konzentriere sich auf die diejenigen, die als Kontaktpersonen abgesondert werden müssten, um weitere Infektionen zu verhindern.