Amazon-Pakete
dpa-Zentralbild/Martin Schutt
dpa-Zentralbild/Martin Schutt
Wirtschaft

Online-Handel stresst Transportunternehmen

In Vorarlberg nimmt die Zahl an Gütertransporten deutlich zu. Laut Michael Forster, Obmann der Kleintransportunternehmen, muss aufgrund des Online-Handels immer mehr Ware ausgefahren werden. Dazu kommt, dass die heimischen Transportunternehmen händeringend nach Lkw-Fahrern suchen.

Die Transportunternehmen verzeichnen nach Angaben der Wirtschaftskammer bis zu 30 Prozent mehr Aufträge als noch in den vergangenen Jahren. Gerade rund um Weihnachten stapeln sich die Pakete in den Speditionen. Diese Fahrten könnten die Lkw-Fahrer gerade noch so stemmen, sagt Michael Forster. Das Online-Geschäft bringe die heimischen Transportunternehmen jedoch an ihre Grenzen.

Das Problem ist laut Forster jene Ware, die wieder retourniert werden soll: sieben Schuhe würden bestellt, sechs davon wieder zurückgeschickt. Das sei ein enormer Aufwand, bedeute deutlich mehr Verkehr im Land und spiele dem ohnedies akuten Mangel an Lkw-Fahrern nicht in die Hände.

Lkw-Fahrer dringend gesucht

Aus Sicht der heimischen Transportunternehmen gibt es in der Region zu wenige Lkw-Fahrer. Wegen zahlreicher Pensionierungen und eines immensen Imageproblems fänden die Unternehmen keinen Nachwuchs mehr. Mit dem Laster durch das Land zu fahren, sei gerade für viele junge Menschen nicht mehr attraktiv.

Mehrere Lkw-Reifen
Pixabay

Im Fernverkehr hätten Vorarlbergs Transportunternehmen keine Chance mehr, sagt Michael Zimmermann, Fachgruppenobmann der Sparte Transport und Verkehr bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg: Da stünden sie außer Konkurrenz, dafür fehle das Personal und im Schnitt seien die Fahrer und Fahrerinnen in Vorarlberg 45 bis 50 Jahre alt – also brauche man dringend Nachwuchs.

Schlechter Ruf ist überholt

Aber gerade der Nachwuchs zögert: Geringer Lohn, lange Tage und schlechte Arbeitsbedingungen – das ist das weit verbreitete Image der Lkw-Fahrer. Kein Wunder, dass es an Lehrlingen fehlt, ärgert sich Fachgruppenobmann Michael Zimmermann. Dieser schlechte Ruf sei aber schon längst überholt.

Neue Lehre und neue Anreize

Mit der seit 2018 neu aufgelegten Lehre zum Berufskraftfahrer sollen nun wieder vermehrt junge Menschen ins Boot geholt werden. Die Jugendlichen würden dabei die ganze Logistikbranche kennen lernen, nicht nur den Beruf als Lkw-Fahrer. Die Rückmeldungen seien durchwegs positiv, sagt Zimmermann. Auch Anreize sollen bei der Nachwuchs-Suche helfen, wenn etwa das Transportunternehmen den Führerschein bezahlt.

Mangelberuf bringt Weiterbildungen

In den nächsten zwei Jahren werden allein in Vorarlberg bis zu 1.500 Lkw-Fahrer gesucht, in Österreich sind es insgesamt an die 12.000. LKW-Fahrer sind daher beim AMS seit heuer auch auf der Mangelliste gemeldet – dadurch stehen zum Beispiel Weiterbildungen etc. zur Verfügung. Auch sei der Beruf längst keine Männer-Domäne mehr, immer mehr Frauen würden Interesse zeigen, so Zimmermann.