Unterwasseraufnahmen
Kanton Thurgau
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Wissenschaft

Rätselhafte Steinhügel von Menschen gemacht

Die rätselhaften rund 170 Steinhügel auf dem Grund des Bodensees vor dem Schweizer Ufer sind viel älter, als bisher vermutet wurde. Forscher haben herausgefunden, dass die Hügel in der Jungsteinzeit vor etwa 5.500 Jahren aufgeschüttet wurden. Archäologen sprechen von „sensationellen Resultaten“.

Möglicherweise gehörten die Steinhügel bei Uttwil zu Pfahlbauten, die ebenfalls tief unter Wasser liegen und möglicherweise noch der Entdeckung harrten, teilte das Thurgauer Amt für Archäologie nach Baggerarbeiten auf dem Seegrund mit. Es könne aber auch sein, dass die Pfahlbauten mittlerweile durch Seeeinwirkung nicht mehr vorhanden seien.

„Stonehenge Bodensee“-Rätsel gelöst?

„Stonehenge am Bodensee“: So haben internationale Medien vor vier Jahren das genannt, was am Schweizer Seeufer unter Wasser entdeckt wurde – eine Kette von flachen Steinhügeln, die seither Rätsel aufgeben. Eines dieser Rätsel scheint nun gelöst zu sein.

Ein Taucherteam habe einen zwei Meter breiten Profilstreifen freigelegt, so die Archäologen. Mehrere, teilweise mit Beilen behauene Bauhölzer aus Pappel- und Eschenholz bestätigten, dass die Steinsetzung von Menschen errichtet worden sei.

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Steinhügel im Bodensee

Von Menschen errichtet

Die Steine liegen in vier Meter Tiefe – was bedeutet, dass der Pegel des Sees zur Bauzeit der Hügel bis zu vier Meter tiefer gelegen sein muss. In den nächsten Monaten wird das Amt für Archäologie die Dokumentation der Funde unter Wasser und die noch ausstehenden Analysen abschließen. Ein internationales Forscherteam soll die Resultate danach evaluieren und in einer wissenschaftlichen Publikation veröffentlichen.

Holzstück
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Bei den Forschungsarbeiten geborgener Pfahl aus Pappelholz

Bei Tiefenvermessungen entdeckt

Die Steinhügel waren 2015 vom Institut für Seenforschung in Langenargen bei Tiefenvermessungen entdeckt worden – mehr dazu in: Rätsel um „Hügeli“ im Bodensee. Die Hügel haben jeweils einen Durchmesser von 15 bis 30 Metern und befinden sich in regelmäßigen Abständen in einer Reihe in Ufernähe, rund viereinhalb Meter unter Wasser.

Am 19. September brachten die Forscher mit einem Schiff einen 30 Tonnen schweren Bagger mit 15 Meter langem Arm zum „Hügel 5“. Dort gruben sie einen rechtwinklig zum Ufer verlaufenden Schnitt durch die Steinsetzung. Dieser Sonderschnitt wurde dann von Tauchern genauer untersucht.

Der in der Mitte 50 Zentimeter breite „Hügel 5“ liege direkt über den feinen nacheiszeitlichen Seeablagerungen, so die Forscher. Erste Resultate der Radiokarbonmessungen würden dafür sprechen, dass dieser Hügel in der Jungsteinzeit vor etwa 5.500 Jahren aufgeschüttet wurde. Auch das gefundene Holz stamme aus dieser Zeit.

Baggerung im See
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Baggerarbeiten am Schweizer Ufer

Zweck wird noch erforscht

Welchem Zweck die Pfahlbauten dienten ist noch nicht klar. „Es kann sein, dass wir das nicht lösen werden“, so Archäologe Urs Leuzinger nach der Entdeckung im Sommer. Es gibt verschiedene Theorien: Manche gehen davon aus, dass es sich um Wehranlagen handelte, andere vertreten die These, dass die Reihe von Hügeln eine Art Transportweg bildete.

Einen astronomischen Bezug halte er für unwahrscheinlich, so Leuzinger. Seiner Meinung nach könnte es aber durchaus einen kultischen Hintergrund für die Hügel geben. „Sie könnten zum Beispiel als Begräbnisplattform oder als Denkmal für Verstorbene genutzt worden sein.“

Karte
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Die Hügel wurden im Uferbereich gefunden