Drei Hände mit je einem Ball in der Hand, der verschiedene Stimmungen anzeigt – Psyche – Krise – Depression
simoneminth – stock.adobe.com
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„Focus“

Psychische Auswirkungen der CoV-Pandemie

Wir leben schon seit einem dreiviertel Jahr mit der Angst vor Krankheit, Einschränkungen und Zusatzbelastungen durch Homeoffice und Homeschooling, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit. Wie sich das auf unsere Psyche auswirkt, untersucht unter anderem der „Focus“-Gast Barbara Sperner-Unterweger.

Sendungshinweis:
„Focus – Themen fürs Leben“,
Samstag, 5. Dezember 2020,
13.00 bis 14.00 Uhrk,
ORF Radio Vorarlberg

Es macht einen großen Unterschied, ob wir akuten Belastungen ausgesetzt sind oder längerfristigen. Für akute Belastungen haben wir Menschen ein Notfallprogramm. Schwieriger wird es, wenn es sich um eine Vielzahl von Belastungen handelt, die länger andauern. Es kann zu Überforderungen führen: vermehrte Anspannung, Unruhe, Schlafstörungen, Aggressivität, Erschöpfung oder Antriebslosigkeit und Depression.

Überforderungszeichen wären Erschöpfung, Verspannungen, Schlafstörungen. Oft sind es die Frauen, die mit langandauernden, mehrfachen Belastungen kämpfen müssen. Den Jugendlichen fehlt derzeit der Austausch mit den Gleichaltrigen. Bei den Älteren sind insbesondere die gefährdet, die schon psychischen Vorerkrankungen haben.

Verbindung zwischen Infektion und Depression

„Eine virale Infektion wie sie auch die Coronavirus-Infektion hervorruft“, sagt Sperner-Unterweger, „führt zu einer Immunaktivierung genau in den Bereichen des Immunsystems, die auch Verbindungen zu Substanzen haben, die für die psychische Befindlichkeit eine Rolle spielen.“ Es kann einen Zusammenhang zwischen einer Infektion und einer Depression bestehen, dieser Zusammenhang ist aber nicht zwingend.

Warum sind manchen Menschen psychisch widerstandsfähiger? Wir wissen, dass viele Faktoren eine Rolle spielen, soziale Kontakte, sportliche Aktivitäten, eine sinnvolle Lebensgestaltung, einen Sinn im Leben finden, all das macht Menschen psychisch widerstandfähig. Diese Resilienz kann man auch trainieren bzw. lernen, sagt die Psychiaterin.

Barbara Sperner-Unterweger ist Direktorin der Univ.-Klinik für Psychiatrie II in Innsbruck.
Privat
Barbara Sperner-Unterweger ist die Direktorin der Universitätsklinik für Psychiatrie II in Innsbruck

Auf die psychische Ausgeglichenheit achten

Was kann man tun, um trotzdem psychisch gesund zu bleiben? Angst zu haben ist in dieser Situation adäquat. Trotzdem ist es wichtig zu erkennen, wann es nicht mehr gesund ist. Es geht darum die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu lenken mit Atemübungen, sich zu fragen, was tut mir gut, welche Veränderungen im Alltag kann ich vornehmen, damit ich meine Aufmerksamkeit auf etwas anderes lenke?

Für das Immunsystem ist eine regelmäßige körperliche Bewegung wichtig, Freude an Hobbys, Sozialkontakte. Man sollte sich selbst fragen: „Was tut mir gut?“ Man sollte seinem Tag eine Struktur geben, Pausen inklusive. Menschen sind in Krisen leichter zu verärgern, sind grantiger. „Man sollte zu sich selbst, aber auch zu den anderen toleranter sein“, sagt die Expertin.

Angst der Stigmatisierung

Ein Team der Medizinischen Universität in Innsbruck will mehr über die psychischen Auswirkungen der Pandemie wissen und hat mit Befragungen begonnen, bietet den Menschen aber auch unter dem Link: www.psychosomatik-innsbruck.at Unterstützung an.

Unter anderem untersucht das Innsbrucker Ärzteteam, die akuten und chronischen Stressfaktoren in den Zeiten der Pandemie. Ein Teil der Coronavirus-Erkrankten leiden unter der Stigmatisierung, die Krankheit weitergegeben zu haben. Die Experten wollen wissen, ob es sich um eine ähnliche Stigmatisierung handelt, die auch psychisch kranke Menschen erleben.

Musikangabe:

Ausführende: Gerrit Wunder
Lied: „Alpengedicht“