„Focus“

Wie sich Kinder Tod und Sterben vorstellen

„Kinder im Vorschulalter stellen sich den Tod ganz anders vor als wir Erwachsenen, für sie ist er nicht so endgültig“, sagt die Professorin Barbara Juen. Das kindliche Verständnis von Tod und Sterben schützt die Kinder auf eine bestimmte Art. Kinder glauben nicht, dass jemand nicht mehr wiederkommt, wenn er tot ist, sagt die Expertin.

Sendungshinweis
„Focus“ – Themen fürs Leben bei ORF Radio Vorarlberg, 8. August, 13.00 bis 14.00 Uhr (Wiederholung vom 2. November 2019)

„Tote sind zwar tot, aber sie leben doch noch ein bisschen, Hoffnung kommt in die Trauer hinein. Wenn man lange genug im Sarg war, kommt man heraus aus dem Grab, so stellen sich Kinder den Tod vor“, sagt Barbara Juen. Volksschulkinder könnten sehr wissbegierig sein. Sie wollten wissen, wie es mit dem Sarg in der Erde weiter gehe, so Juen. Und Jugendliche? „Sie sprechen oft mit Gleichaltrigen über den Tod eines Freundes oder einer Freundin, mit den Eltern wollen sie nicht reden“, sagt Juen.

Psychologin Univ.-Prof. Dr. Barbara Juen
ÖRK/Markus Hechenberger
Barbara Juen

Altersgerecht erklären

Barbara Juen erzählt an Hand von vielen Fallbeispielen, wie Kinder und Jugendliche über den Tod denken und erklären, was ihnen hilft über ein traumatisches Ereignis hinwegzukommen. Eine Bezugsperson müsse ihnen altersgerecht und wahrheitsgetreu erklären, was passiert sei, sagt sie.

Die Expertin weiß, was der Tod der Mama oder des Papas für ein Kind bedeutet, was der Suizid eines Kindes oder eines Jugendlichen bei Geschwistern und Klassenkameraden auslösen kann. Über das Ereignis sprechen oder es nachspielen könne helfen – auch wie man das angehen kann, erzählt Barbara Juen in der Sendung „Focus – Themen fürs Leben“.

Die Sendung zum Nachhören:

Expertin für Krisenintervention

Prof. Dr. Barbara Juen ist studierte Gesundheitspsychologin. Sie lehrt an der Universität Innsbruck. Ihre Schwerpunkte: Klinische Psychologie, Notfallpsychologie, Krisenintervention, Entwicklungspsychologie. Sie hat das erste Kriseninterventionsteam des roten Kreuzes mitbegründet, ist Spezialistin für Notfallpsychologie, forscht auf dem Gebiet der Akuttraumatisierung. Bei großen Katastrophen und menschlichen Tragödien wie der Brandkatastrophe in Kaprun, dem Lawinenunglück in Galtür und der Massenpanik am Berg Isel hat sie die Krisenintervention geleitet.

Buchempfehlung:

Barbara Juen, Manuela Werth: Dann geh’ ich zu Mama ins Bett. Arbeitsbuch zum Thema Tod und Suizid. Berenkamp.