„Wegwerftiere der Milchproduktion“

Männliche Kälber sind keine Nutztiere mehr, sondern tatsächlich „Wegwerftiere der Milchproduktion“, sagt die Bregenzer Tierärztin Tanja Warter. Wollte man Kälberexporte reduzieren, wäre eine grundlegende Umstellung der heimischen Landwirtschaft notwendig.

Die Milchwirtschaft produziert einen Überschuss männlicher Kälber, die in qualvollen Transporten ins Ausland exportiert werden. Wollen wir das? fragen Tierwohl-Experten.

Wollen und müssen junge Tiere unter qualvollen Bedingungen quer durch Europa geschickt werden - vornehmlich aus Profit-Gründen? Diese Frage stellen sich immer mehr Konsumenten. Die Kälber-Transporte sind eine Folge des Systems, sagen Tierwohl-Experten. Hoch-gezüchtete Milchkuh-Rassen bedeuten auch, dass - wirtschaftlich gesehen - nutzlose männliche Kühe als Nebenprodukt anfallen. Zwei bis drei Wochen alte, männliche Kälber werden zu tausenden von Österreich quer durch Europa transportiert.

„Brille der Wirtschaft“

Für die Bregenzer Tierärztin Tanja Warter sind diese Kälbertransporte eine unmittelbare Folge des Systems der Milchüberproduktion. Das habe sich entwickelt, weil die Landwirtschaft vor allem durch die Brille der Wirtschaft betrachtet werde. Um Gewinne zu steigern, werde immer mehr produziert. Wer mehr Käse und Milch wolle, habe zwangsläufig mehr Kälber, weil eine Kuh ohne Kälber keine Milch gibt, so die Tierärztin.

Damit eine Milchkuh ertragreich sein kann, muss sie möglichst oft trächtig sein und wird jeweils wenige Monate nach dem Abkalben wieder besamt. Die weiblichen Kälber werden großgezogen und als Milchkühe verwendet. Männliche Kälber hingegen liefern keine Milch. Weil sie als Hochleistungs-Milchkuhrassen gezüchtet wurden, setzen sie nur so wenig Fleisch an, dass eine Mast in einem Kleinbetrieb in Österreich - wirtschaftlich gesehen meist unrentabel. ist.

Zielort Italien und Spanien

„Männliche Kälber sind tatsächlich schon gar kein Nutztier mehr, sondern im Prinzip ein Wegwerftier dieser Milchproduktion“, sagt Warter. Das sei ein wirtschaftliches Problem, denn die Landwirtschaft sei auf den beiden Säulen Milch- und Fleischproduktion aufgebaut. In der Milchproduktion setzen die Kühe nicht so gut Fleisch an. Sie zu mästen und aufzuziehen sei kosten- und zeitintensiv. Dafür gebe es hierzulande keinen Platz mehr, aber im Ausland gebe es eben die Abnehmer, die das machen. Deshalb werden junge Kälber nach Spanien und Italien geschickt.

Wollen wir qualvolle Tiertransporte?

Diese Mast erfolgt meist unter zwar legalen, aber alles andere als artgerechten Bedingungen. Manche Rinder werden dann nochmals weiter transportiert und unter qualvollen Bedingungen geschlachtet. Da müsse man sich fragen, ob wir die stundenlangen, qualvollen Transporte wollen, so Warter.

Nach Ansicht von Tanja Warter könnten problemlos alle Kälber im Lande bleiben. Aber man müsste sich von den reinen Hochleistungs-Milchrassen verabschieden. und wie früher wieder Zweinutzungsrassen einsetzen: Also Rassen, bei denen die Kühe zwar weniger Milch geben, dafür aber der Fleischertrag größer ist und sich das Mästen wieder lohne.

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