Hopfner sieht Finanzsystem besser gewappnet

Am Samstag ist es zehn Jahre her, dass die Investmentbank Lehman Brothers Zahlungsunfähigkeit erklären musste. Wilfried Hopfner, Vorarlberger Bankensprecher, sieht das Weltfinanzsystem heute deutlich besser aufgestellt.

Die Lehman-Pleite hätte die Welt um ein Haar in den wirtschaftlichen Abgrund gestoßen. Auch wenn das Allerschlimmste dann noch vermieden werden konnte, führte die Finanzkrise des Jahres 2008 die Weltwirtschaft in die tiefste Rezession seit den 1930er-Jahren.

Wilfried Hopfner im Gespräch mit ORF-Redakteur Jürgen Peschina

Wilfried Hopfner sieht die zentrale Ursache für die damalige Krise in einem extremen Wachstum der Finanzwirtschaft. Es seien Produkte entwickelt worden, die, wie Hopfner es ausdrückt, „die Welt nicht gebraucht hat“, namentlich Derivate, „von denen am Ende niemand mehr wusste, was drinsteckt“. Dies habe zu einer Blase geführt, die dann geplatzt sei und zur weltumspannenden Wirtschaftskrise der Jahre 2008 und 2009 geführt habe.

Hopfner weist Kritik an EZB zurück

Kritikern, die der extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) seit der Krise nachsagen, sie ebne den Weg für die nächste Blase und damit auch für die nächste Krise, hält Hopfner entgegen: Die EZB habe das getan, „um einfach Schwung hineinzubringen in den Markt“. Jetzt würden sich die Notenbanken, auch die Europäische, überlegen, wie man aus dieser Geldschwemme wieder herauskomme.

An sich sieht Hopfner das Weltfinanzsystem heute deutlich sicherer aufgestellt als vor zehn Jahren, schon wegen der vielfach viel strenger gewordenen Regulierung des Bankensektors. Es gebe aber Unwägbarkeiten, räumt Hopfner ein - etwa geopolitischer Natur oder Handelskriege. Er spielt hier offenbar auf die aggressive Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump an.