Testamentsprozess: Die Urteilsbegründungen

Am Dienstag sind die restlichen sechs Angeklagten des Testamentsfälscherprozess in Salzburg schuldig gesprochen worden. Richter Andreas Posch gab eine umfangreiche Urteilsbegründung ab.

Die prominenteste Angeklagte war Richterin Kornelia Ratz. Die mittlerweile suspendierte Landesgerichtsvizepräsidentin soll eine Testamentsfälschung in Auftrag gegeben haben. Die 49-Jährige war wegen Amtsmissbrauchs und Fälschung besonders geschützter Urkunden unter Ausnützung einer Amtsstellung angeklagt. Sie wurde zu zweieinhalb Jahren Haft, zehn Monate davon unbedingt, verurteilt. Sie wird nun ihr Richteramt verlieren - mehr dazu in Kornelia Ratz verliert ihr Richteramt

Das Gericht beschrieb Ratz als eine Frau, die sich nehme, was sie wolle, und auf niemand anderen Rücksicht nehme. Man glaube aber nicht, dass es die Idee von Ratz gewesen sei, sondern dass aufgrund früherer Vorfälle ein enormer Druck auf ihr gelastet habe. Auch ihr attestierte das Gericht mangelndes Unrechtsbewusstsein.

H.: Schuldig im Sinne der Anklage

Die Schlüsselfigur war Grundbuchpfleger Jürgen H. Der 48-Jährige war eine Art Kronzeuge. Durch ein umfassendes Geständnis belastete er auch die anderen Angeklagten schwer. H. war wegen Missbrauchs der Amtsgewalt, Urkundenunterdrückung und Fälschung besonders geschützter Urkunden sowie wegen gewerbsmäßigen schweren Betrugs unter Ausnützung einer Amtsstellung angeklagt. Er wurde in zwei Fällen schuldig gesprochen. Er muss sieben Jahre in Haft. Der Richter beschrieb H. als so devot, dass es ihm „beinahe übel geworden“ sei.

Peter H.: Fünf Jahre Haft

Der Buchhalter Peter H. ist ein Schulfreund des Hauptangeklagten H. Der 48-Jährige hatte sich in mehreren Fällen als Scheinerbe zur Verfügung gestellt. Peter H. war geständig. Ihm wurde Anstiftung zum Amtsmissbrauch vorgeworfen und gewerbsmäßiger schwerer Betrug. Peter H. muss fünf Jahre in Haft.

Walter M.: Zwei Jahre bedingte Haft

Der pensionierte Gerichtsbedienstete Walter M. gilt als möglicher Erfinder des Fälschersystems. M. wurde zu zwei Jahren bedingter Haft verurteilt. Das Gericht begründete das Urteil damit, dass M. stolz darauf gewesen sei, der große Winkler zu sein. Ihm fehle jegliches Unrechtsbewusstsein. Er sei stolz darauf gewesen, wenn andere auf seine Vorschläge eingegangen seien.

Kurt T.: Drei Jahre Haft

Weiters angeklagt war Kurt T. Der 49-Jährige bestritt stets die Vorwürfe. Er wurde im Fall Hering, im Fall Franziska Hämmerle und im Fall Mutschler schuldig gesprochen und zu drei Jahren Freiheitsstrafe, eines davon unbedingt, verurteilt. Das Gericht gab an, man habe zunächst gedacht, T. könne alles erklären. Mit Fortdauer des Prozesses sei aber immer klarer geworden, dass er eine Show abziehe. Der 49-Jährige habe wohl aus Unzufriedenheit Dinge gemacht, die ihm ein Machtgefühl verliehen hätten. Er sei einer der „Macher“ bei Gericht gewesen.

Clemens M.: Drei Jahre Haft

Der 53-jährige Clemens M. hatte zu erst ein Teilgeständnis abgelegt, es dann aber wieder zurückgenommen. Er bekannte sich nicht schuldig. Er wurde im Fall Anna Hagen freigesprochen, in den Fällen Wohlgenannt und Mutschler dagegen schuldig gesprochen. Er wurde zu drei Jahren Haft, eines davon unbedingt, verurteilt. Posch bezeichnete M. als konfliktscheu. Das Motiv für die Tat sei der Wunsch nach Anerkennung bei den Kollegen gewesen, und daher habe er seine Hilfe nicht verweigern wollen. Er sei zudem stark autoritätshörig.

Link: