Fall Hering-Marsal in Dornbirn

Konkret ging es bei dem Fall Hering-Marsal um ein Haus oberhalb von Dornbirn am Zanzenberg.

Im Jahr 2002 starb die Hausbesitzerin, die kinderlose Dornbirnerin Irene Hering-Marsal, geborene Blumberg, im Alter von 79 Jahren. Sie hatte immer gesagt und auch testamentarisch festgelegt, dass das Haus nach ihrem Tod an die Stadt Dornbirn gehen soll. Darüber soll sie auch mit ihrem Lebensgefährten gesprochen haben.

Nach ihrem Tod tauchte ein Übergabevertrag auf. Demnach hätte sie bereit im Jahr 1989 das Haus, in dem sie wohnte, an einen allen völlig unbekannten Herrn Rhomberg verschenkt.

Unverständnis beim Lebensgefährten

Karin Hefel, die Tochter des Lebensgefährten, sagt im ORF-Vorarlberg-Interview, dass ihr Vater fix und fertig gewesen sei. Er habe nicht verstehen können, dass seine Lebensgefährtin einem fremden Mann das Haus vermacht hatte.

Von diesem Herrn Rhomberg, der inzwischen auch verstorben ist, tauchte ein Testament auf, wonach die Schwester eines Dornbirner Grundbuchpflegers alles erben sollte.

Richter sprachen von Verdachtsmomenten

Ein Notar und zwei Richter, die mit diesem Fall zu tun haben, meldeten die Ungereimtheiten umgehend an die Staatsanwaltschaft. Sie sprachen von massiven Verdachtsmomenten und unfassbaren Zuständen am Bezirksgericht Dornbirn und dass sich dieser Fall nahtlos in eine Reihe ähnlich gelagerter Fälle einfüge, bei denen es um kinderlose Witwen und nicht verbücherte Verträge gehe.

Unterschrift auf dem Übergabevertrag

Karin Hefel forschte ebenfalls. Sie kann belegen, dass Frau Hering-Marsal nicht am 14. August 1989 die Unterschrift auf dem Übergabevertrag geleistet haben kann. Zu diesem Zeitpunkt war die Frau mit ihrem Lebensgefährten in der Steiermark im Urlaub. Das zeigt das Tagebuch des Vaters und eine Postkarte mit dem Datum 14. August 1989 und dem Poststempel Deutschlandsberg in der Steiermark.

Wie könnte die Unterschrift von Frau Hering-Marsal auf den Übergabevertrag gekommen sein. Vergleicht man die Unterschrift des Übergabevertrages mit einer vom Gericht beglaubigten Unterschrift aus dem Jahre 1974, zeigt sich, dass die Unterschrift abgepaust worden sein könnte. Sonst wäre es kaum erklärbar, dass zwei Unterschriften, zwischen deren Erstellung 15 Jahre liegen, exakt gleich ausschauen.

„Keine Antwort von Staatsanwalt bekommen“

Karin Hefel meldete ihre Erkenntnisse dem stellvertretenden Leiter der Staatsanwaltschaft, Reinhard Fitz. Sie habe aber nie eine Antwort erhalten, so Hefel.

„Mangels Beweisen eingestellt“

Auf Anfrage des ORF Vorarlberg sagte Staatsanwalt Fitz, man habe damals das Verfahren „mangels Beweisen“ eingestellt. Ein Interview gibt er dazu nicht.

Erneute Ermittlungen

Laut Staatsanwaltschaftssprecher Heinz Rusch wird in dem Fall seit Auffliegen der Fälschungsaffäre erneut ermittelt. Untätigkeit lässt sich der Staatsanwalt nicht vorwerfen. 2002 habe die Verdachtslage nicht ausgereicht „und im Nachhinein ist man immer schlauer“, so Rusch gegenüber der APA.

So war etwa der Übergabevertrag vom Gericht beglaubigt, und für ein Gutachten bezüglich der zweifelhaften Unterschrift hätten zu wenig Vergleichsunterschriften existiert, erinnerte sich Rusch. Unter den an die Ermittler des Landeskriminalamts übergebenen Unterlagen habe sich nachweislich auch das Schreiben der genannten Tochter befunden. (voarlberg.ORF.at, 11.8.2010)