Elisabeth Sobotka folgt Pountney nach

Die Bregenzer Festspiele haben am Dienstag Elisabeth Sobotka als neue Intendantin am Bodensee ab 2015 vorgestellt. Die Bregenzer Festspiele werden dann erstmals seit ihrer Gründung 1946 von einer Frau künstlerisch geleitet.

Die Wienerin Sobotka wurde am Dienstagnachmittag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz auf dem Vorplatz des Bregenzer Festspielhauses von Festspielpräsident Hans-Peter Metzler offiziell als neue Intendantin für den Zeitraum von zunächst fünf Jahren vorgestellt. „Es ist ein schöner Dienstag für die Festspiele“, freute sich Metzler. Sobotka wurde vom Stiftungsvorstand und auch vom Beratergremium einstimmig auf Platz 1 von 24 Bewerbern gewählt.

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Manfred Welte hat für seinen Beitrag mit Hans-Peter Metzler, Elisabeth Sobotka und David Pountney gesprochen. Kamera: Götz Wagner, Schnitt: Gernot Kutzer.

Begeisterung auf allen Seiten

„Ich war einen Tag hier, und dieser Ort hat mich vollkommen verzaubert und verführt“, so die designierte Intendantin Elisabeth Sobotka bei ihrer Vorstellung. Sie habe für die Zeit ab 2015 bereits konkrete Ideen, über den derzeitigen Zweijahresrhythmus auf der Seebühne habe sie bisher noch nicht nachgedacht. Es sei aber klar, dass die Seebühnenproduktion das „Herz der Festspiele“ sei. Bei den Verantwortlichen der Grazer Oper, wo sie vertraglich bis 2017 verpflichtet ist, bedankte sie sich für deren Entgegenkommen. „Wir haben eine Lösung gefunden“, so Sobotka.

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Audio: Annette Raschner hat mit Elisabeth Sobotka gesprochen.

Auch Festspielpräsident Metzler zeigte sich glücklich über den gelungenen Coup. Für Sobotka habe gesprochen, dass sie eine hervorragende Ausbildung und Arbeit an großen internationalen Häusern hinter sich habe. „Sie ist sozusagen gelernte Intendantin“, so Metzler. Man habe außerdem in intensiven Gesprächen Klarheit geschaffen bezüglich Ausrichtung und Strategie des Festivals. Zudem passe sie hervorragend ins Team. „Wir können sehr, sehr gut“, sagte der Festspielpräsident.

Pountneys Ablöse: Zahlreiche Verwirrungen

Der Prozess rund um die Ablöse des Briten Pountney - der bereits vor zwei Jahren einsetzte - war gekennzeichnet von zahlreichen Differenzen und Verwirrung. Im Mai 2011 wurde Roland Geyer als nächster Intendant präsentiert, im Jänner 2012 die Zusammenarbeit wegen „völlig verschiedener Auffassungen“ aber wieder aufgekündigt.

Pountney sollte zunächst nach 2013 abtreten, dann bis 2014 bleiben, am Ende wollte Pountney selbst nach 2013 Schluss machen. Inzwischen steht fest, dass er auch 2014 als Künstlerischer Leiter fungieren wird.

Seit 2009 an Spitze der Grazer Oper

Sobotka wurde am 7. Oktober 1965 in Wien geboren und studierte bis 1990 Musik- und Theaterwissenschaften, Publizistik und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Wien. Parallel dazu absolvierte sie den Lehrgang für Kulturelles Management an der damaligen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst. Von 1989 bis 1991 war sie im Sommer bei den Salzburger Festspielen im Konzertreferat und im künstlerischen Betriebsbüro tätig, zusätzlich arbeitete sie im Betriebsbüro der Jeunesse - Musikalische Jugend Österreich.

1992 ging Sobotka als Assistentin des Leiters der künstlerischen Produktion an die Oper Leipzig, wo sie ab 1993 ein Jahr lang selbst künstlerische Produktionsleiterin wurde. 1994 kehrte sie für acht Jahre zurück nach Wien - in der Staatsoper war sie als Chefdisponentin und in der Betriebsdirektion tätig. 2002 wurde Sobotka unter der Intendanz von Peter Mussbach Operndirektorin der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, seit 2009 steht sie an der Spitze der Grazer Oper.

Bedauern in Graz

„Ich kann sie ja nicht anbinden“, meinte Alfred Wopmann, Vorstandsvorsitzender der Grazer Theaterholding und langjähriger Intendant der Bregenzer Festspiele. Persönlich bedaure er den Abgang einer erstklassig qualifizierten Frau. Sobotka habe sich mit fünf internationalen Produktionen einen Ruf weit über Graz hinaus erworben. Bregenz könne sich nur gratulieren und darüberhinaus sicher sein, dass Sobotka die Festspiele nicht als Nebenjob betrachte.

Hocherfreut zeigen sich auch die Wiener Symphoniker. Deren Geschäftsführer Johannes Neubert meint, dass Sobotka, die bereits als künftige Intendantin an einem der großen europäischen Opernhäuser gehandelt wurde, mit neuen Ideen die Bregenzer Festspiele in eine neue Ära führen werde.

Kaufmann: „Eine neue schwungvolle Phase“

Davon ist auch Kulturlandesrätin Andrea Kaufmann (ÖVP) überzeugt. Sobotka habe sich unter vielen renommierten Kandidaten als erste Wahl erwiesen, sie bringe hohe kommunikative Fähigkeiten, kreatives gestalterisches Potenzial und die Fähigkeit, ein Programm zu kommunizieren. Das alles seien Voraussetzungen für eine neue, schwungvolle Phase in der Ära der Bregenzer Festspiele.

Nachfolge durch Geyer gescheitert

Ursprünglich hätte der Intendant des Theaters an der Wien, Roland Geyer, die Nachfolge Pountneys antreten sollen. Das Engagement Geyers scheiterte Anfang 2012 aber aufgrund künstlerischer und budgetärer Differenzen - mehr dazu in Geyer wird doch nicht Festspielintendant.

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