Raubkunst? Kunstsammlung auf dem Prüfstand

Das Zeppelin Museum in Friedrichshafen stellt seine eigene Bildersammlung auf den Prüfstand. Die Frage lautet: Befindet sich bei uns Raubkunst aus dem dritten Reich? in einer Ausstellung werden erste Ergebnisse gezeit.

Sendungshinweis:

„Vorarlberg heute“, 10.5.2018

Die heutige Kunstsammlung des Museums wurde erst nach 1945 aufgebaut. Keine Schwierigkeit, waren doch die Kunsthändler nach dem Krieg dieselben wie die während des Kriegs. Diese fanden am Bodensee einen Rückzugsort - ideal gelegen zwischen den Umschlagplätzen München und der Schweiz, erklärt Fanny Stoy, Provenienzforscherin beim Zeppelin Museum.

Nach dem zweiten Weltkrieg habe es eine Bewegung der Kunsthändler von Norden in den Südwesten Deutschlands gegeben. Denn an ihrem alten Orten konnten die Händler mit ihrer Biographie nicht mehr ansetzen, so Stoye.

„Raubkunst“ im Zeppelin-Museum

In der laufenden Ausstellung präsentiert das Zeppelin-Musem Werke, die im Verdacht stehen, „Raubkunst“ aus dem Dritten Reich zu sein.

Die Kontakte der NS-Profiteure reichten weit. Maria Almas-Dietrich etwa war eine der wenigen Frauen unter den Kunsthändlern. Sie war auch gut mit Adolf Hitler bekannt, erklärt Sabine Mücke, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Zeppelin Museum.

Auch Bilder-Rückseiten werden gezeigt

In akribischer Provenienzforschung konnten nun erstmals die Objektgeschichten von knapp 400 Kunstwerken und die Biografie einschlägiger Kunsthändler untersucht werden. Mit über 40 Werken werden sowohl brisante wie harmlose, geklärte als auch ungeklärte Fälle besprochen und die tatsächliche Bandbreite und die Hürden der Forschungsarbeit fassbar gemacht. Da gerade die „versteckten“ Seiten die meiste Brisanz haben können, werden von sämtlichen Werken auch die Rückseiten gezeigt.

Ausstellungs-Booklet

Booklet zur Ausstellung „Eigentum verpflichtet. Eine Kunstsammlung auf dem Prüfstand“ (4. Mai bis 19.Februar 2019 im Zeppelin Museum in Friedrichshafen)

PDF (2.1 MB)

Bei zwei Werken des Zeppelin Museums besteht ein erhärteter Verdacht: Der Blumenstrauß von Otto Dix gehörte bis 1928 dem jüdischen Anwalt Max Strauss, er emigrierte 1933, über den Verbleib des Bildes danach gibt es kaum Informationen.
Auch beim Gemälde mit dem Titel Anbetung sind weitere Forschungen nötig. Sicher ist, dass es sich in der Sammlung von Hermann Göring befand.