Der lange Weg zum „Anschluss“

80 Jahre Anschluss an das Deutsche Reich. Das wohl dunkelste Kapitel der Geschichte Österreichs begann mit jubelnden Menschenmengen. Doch wie konnte es so weit kommen? Was hat sich in den Jahren und Jahrzehnten davor abgespielt? Ein Rückblick.

Sendehinweis:

„Vorarlberg heute“, 12.3.2018, 19.00 Uhr, ORF 2

Als Kaiser Karl und seine Gattin im Juni 1917 zum ersten Mal Vorarlberg besuchten, wurden die beiden noch öffentlich bejubelt. Aber knapp zwei Jahre später verließen sie über den Bahnhof Feldkirch ohne großes Aufsehen Österreich in Richtung Schweizer Exil. Zu diesem Zeitpunkt war die Schweiz für viele Vorarlberger bereits zu einer Art Sehnsuchtsland geworden, in dem es jedenfalls mehr zu essen gab als im eigenen Land. Die Propaganda für einen Anschluss an die Schweiz bediente sich weit verbreiteter Vorurteile.

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Vorarlberg 1918-1938

Vor 80 Jahren erfolgte der „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reiche. Ein Rückblick auf die Jahre davor.

Die Politik reagierte auf den Druck von der Straße mit einer Volksabstimmung, bei der sich über 80 Prozent für Verhandlungen mit der Schweiz über einen Anschluss Vorarlbergs aussprachen. Doch diese Verhandlungen kamen nie zustande - und auch im Friedensvertrag von St. Germain war die erhoffte Sonderrolle Vorarlbergs kein Thema. Vorarlberg, das bis 1918 zu Tirol gehört hatte, wurde aber immerhin als selbständiges Land Teil des neuen Bundesstaates - so wie es sich Jodok Fink, der Vizekanzler aus dem Bregenzerwald, gewünscht hatte.

ORF.at hat eine Sonderseite eingerichtet, um der historischen Ereignisse 1938 zu gedenken - mehr dazu in extra.orf.at

Gut vorbereiteter „Anschluss“

Wirtschaftlich erholte sich Vorarlberg nur langsam vom Ersten Weltkrieg - unter anderem mit Hilfe von Schweizer Kapital, das den Bau des ersten Illwerke-Kraftwerks im Montafon möglich machte. Hunderte Bauarbeiter aus der näheren Umgebung, vor allem aber auch aus anderen Bundesländern, waren hier von 1925 bis 1930 beschäftigt. Die wichtigste Branche blieb aber auch nach dem Ersten Weltkrieg die Textilindustrie.

Mächtige Textilfabrikanten waren es auch, die schon früh die Nationalsozialisten unterstützten - auch zu einer Zeit, als sie in Österreich offiziell verboten und unter anderem in vielen Sportvereinen aktiv waren - etwa im Skiverein Dornbirn. Und schon zwei Tage nach der Machtübernahme demonstrierten die Nazis auf einer großen Kundgebung in Dornbirn, dass sie sich längst auf diesen Schritt vorbereitet hatten. Was die neuen Herren damals noch nicht ahnten: dass sie ihre Macht bald wieder verlieren würden, weil Vorarlberg als Teil von Tirol von der Landkarte verschwand.

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