Gedenkfeier erinnerte an Flugzeugkatastrophe

Am Sonntag fand in Überlingen eine Gedenkfeier zur Flugzeugkatastrophe vor zehn Jahren statt. Dabei waren 71 Menschen, darunter viele Kinder und Jugendliche aus der russischen Teilrepublik Basch-Kortostan, gestorben.

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„Vorarlberg heute“, 2.7.2012

Bei dem Zusammenstoß eines DHL-Flugzeugs mit einer russischen Tupolew-Passagiermaschine waren am 1. Juli 2002 alle 71 Insassen ums Leben gekommen, unter ihnen mehrere Dutzend Schulkinder. Die Andacht an der zentralen Gedenkstätte war zugleich der Abschluss des zehnten Jahrestages des Unglücks. Kurz vor dem damaligen Zeitpunkt des Absturzes wurden die Namen der Opfer vorgelesen, während Überlinger Schüler ein Kerzenlicht für jeden Toten anzündeten.

Im Video zu sehen: Peter Köstlinger (Polizeibeamter, Friedrichshafen), Sulfat Chammatov (Vorsitzender, Angehörigenvereinigung); Beitrag von Bernhard Hentschel, Paul Grom/Lukas Katschker, Jürgen Schröder

Der 1. Juli war überall dort ein Tag der Trauer, wo vor zehn Jahren Trümmer und Menschen auf die Erde schlugen - wie in Brachenreuthe, wo die Namen der baschikirischen Opfer auf einer Tafel zu lesen sind. In Taisersdorf wurden die Leichen der beiden DHL-Piloten gefunden. Hierher hat sich am Sonntag Polizist Peter Köstlinger begeben - zum ersten Mal, obwohl er damals als Kriminaltechniker dabei mitgeholfen hatte, die geborgenen Leichen zu identifizieren.

„Fluglotsenmörder“ nahm an Gedenkfeier teil

Am Abend fand ein Empfang für die Familien der Toten statt. Mittendrin war der als „Fluglotsenmörder“ bekanntgewordene Hinterbliebene Witali Kalojew. Er hatte bei dem Unglück seine beiden Kinder und seine Frau verloren und zwei Jahre danach den dienstleitenden Fluglotsen getötet. Kalojew war für seine Tat in der Schweiz zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. In Russland hatten ihn bei seiner Rückkehr viele Menschen wie einen Helden empfangen - der 56-Jährige wurde in seiner Heimat Nordossetien Vizebauminister.

Seinen Besuch in Überlingen hatte er vor der Gedenkfeier in einem Interview verteidigt. „Ich wollte doch nur den Ort des Absturzes besuchen, wo meine Frau und meine Kinder gestorben sind und Blumen niederlegen“, sagte er dem staatlichen Radiosender Golos Rossii (Stimme Russlands). Dass Kalojew an dem Jahrestag teilnehmen durfte, hatte zuvor für Unmut gesorgt. „Die Veranstaltung dient dem Gedenken und der Begegnung. Ich hoffe, dies wird nicht durch die Diskussion um Herrn Kalojew überlagert“, sagte Baden-Württembergs Minister für internationale Angelegenheiten, Peter Friedrich (SPD), der Nachrichtenagentur dpa.

Unglück auch nach zehn Jahren nicht vergessen

Die Gedenkfeiern zum zehnten Jahrestag des Unglücks hatten am Nachmittag mit einem Gottesdienst im Owinger Ortsteil Taisersdorf begonnen. Am Nachmittag hatten die baden-württembergische Landesregierung und die Stadt Überlingen zudem zu einem Empfang in der Gemeinde eingeladen. Der stellvertretende Ministerpräsident der russischen Teilrepublik Baschkortostan, Fidus Jamaltdinow, betonte dabei die schmerzhafte Bedeutung der Flugzeugkatastrophe von Überlingen. „Auch nach zehn Jahren ist das Unglück nicht vergessen, die Gefühle sind immer noch so akut wie damals“, sagte er.

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