„Ansichten“ mit Zeitzeugin Herma Huber

In der Sendung „Ansichten“ ist Zeitzeugin Herma Huber zu Gast bei Johannes Schmidle. Die 86-jährige Mesnerin von Gantschier erzählt von ihrer Kindheit: Sie war dabei, „als man für Juden die Fluchtrouten über den Rätikon in die Schweiz vorbereitete“.

Sendungshinweis:

„Ansichten - zu Gast bei Radio Vorarlberg“, 10. Mai 2018

Man stelle sich eine Bauernstube vor. Wir schreiben das Jahr 1943. Im Bergdorf Brand steht in dieser Stube eine junge Frau. Ihr Name ist Lily Garai. Sie wurde nach Brand vermittelt. Sie ist jüdischer Abstammung und sollte vom Bergführer Felix Beck über das Schweizer Tor ins Prättigau – in die Schweiz - geführt werden. Sie ist in Wien einem KZ-Transport entkommen. Die Situation ist heiß: Felix Beck sagt, dass er niemanden mehr über die Berge führen könne.

Die Sendung zum Nachhören:

Die damals Zwölf- und heute 86- jährige Herma Huber kann sich an Lily Garai erinnern, so als sei es gestern gewesen.

Herma Huber

Privat

Herma Huber

Die Mesnerin von Gantschier, die bei ihrer kinderlosen Base und deren Mann, dem Vetter, in Brand aufgewachsen ist, erinnert sich an Frau Garai, die Französischlehrerin, die einige Zeit in Brand lebte und letztlich unverrichteter abreisen musste, weil Beck nicht umgestimmt werden konnte. Er habe Angst gehabt, dass es auffliege, so Huber. Lily Garai habe das Haus, solange sie in Brand war, nie verlassen. Sie sei nie in den Ort gegangen, sondern habe den Frauen beim Kochen zugesehen und vielleicht beim Heuen geholfen.

Herma Huber erinnert sich, dass manchmal nach einer Nacht in der Stube Requisiten waren: schöne Ledertaschen mit Parfum und Wäschestücken. Es waren zurückgelassene Dankgeschenke von jüdischen Flüchtlingen, die man über die Berge gebracht hatte.