„Hygge: Probieren Sie es mal mit Gemütlichkeit“

In der Sendung „Focus - Themen fürs Leben“ spricht Dr. Christoph Bartmann, Leiter des Goethe-Instituts Warschau über das dänische Lifestyle-Phänomen „Hygge“.

Die Sendung zum Nachhören:

Sendungshinweis:

„Focus“, 13. 1.2018

Die dänische „Hygge“ ist seit Neuestem auch im deutschen Duden verzeichnet und hat sich zu einem internationalen Lifestyle-Phänomen ausgewachsen. Es gibt auch ein im Verlag Gruner und Jahr erscheinendes Wohlfühlmagazin mit dem Titel „hygge- Einfach glücklich sein“.

Christoph Bartmann Focus

Peter-Andreas Hassiepen

Christoph Bartmann, Leiter des Goethe-Instituts Warschau

Hygge versteht sich als Gegenbegriff zu Stress und meint nicht Faulheit, sondern Müßiggang. Hygge meint im Dänischen und Norwegischen gemütlich, angenehm, nett und gut. Der Begriff wird darüber hinaus nur für positive Empfindungen wie „geborgen“, „beschützt“, „malerisch“ oder „freundschaftlich“ benutzt.

Bartmann beginnt seinen Vortrag mit einer Leseprobe: „Einmal kurz vor Weihnachten: Wir verbrachten ein Wochenende mit Freunden in einer Blockhütte. Die Hütte wurde erhellt vom Schnee, der rings um die Hütte lag. Als die Sonne um 4 Uhr nachmittags unterging, wusste man, dass man sie 17 Stunden nicht mehr sehen würde. Wir gingen nach drinnen, um den Ofen anzufeuern. Wir waren todmüde vom Wandern und dämmerten fast weg, als wir uns im Halbkreis um den Kamin setzten in dicken Pullovern und wollenen Socken. Das Einzige, das zu hören war, war das Köcheln unseres Eintopfs oder wenn gelegentlich jemand an seinem Glühwein tippte. Dann brach einer meiner Freunde das Schweigen: „Könnte irgendetwas noch hyggeliger sein?“ fragte er. „Ja", gab jemand zur Antwort, „wenn draußen ein Sturm toben würde." Wir nickten alle.

Das Hygge-Manifest:

1. Atmosphäre
2. Präsenz
3. Vergnügen
4. Gleichheit
5. Dankbarkeit
6. Harmonie
7. Komfort
8. Konfliktvermeidung
9. Zusammensein
10.Schutz

(aus: Meik Wiking. The little book of == Hygge. The Danish Way to Live Well)

Gemütlichkeit, Kerzenlicht, gutes Essen

Hygge ist demnach noch mehr als ein Entspannungsangebot neben Cocooning, Homeing, Chilling oder auf Deutsch Kuscheln bei dem das Kuschelhormon Oxytocin ausgeschüttet wird: Hygge hat mit Stimmung zu tun, mit Geselligkeit, vorzugsweise unter Freunden. Sie sei vorzugsweise mit Kerzenlicht herstellbar, sie wird erleichtert durch mäßigen Alkoholkonsum und gutes nicht aufwändiges Essen, so Bartmann. Sie gewinne ihre volle Intensität erst, wenn draußen vor der Tür etwas „Un-hyggeliges“ stattfindet: ein Sturm vielleicht und jedenfalls Dunkelheit. Man kennt diese Stimmung im deutschen Sprachraum als Gemütlichkeit, anderswo als Homeiness, Cosiness oder niederländisch als „gezelligheid“.

Zur Person:

Christoph Bartmann studierte Germanistik und Geschichte.

Seit 1988 ist er Mitarbeiter des Goethe-Instituts, u.a. in München, Prag und Kopenhagen, ab 2011 war er Direktor in New York und seit 2016 ist er Direktor in Warschau

Dr. Bartmann ist außerdem regelmäßiger Rezensent in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Süddeutschen, der Presse und dem Falter.

Im Carl Hanser Verlag erschienen seine Bücher mit dem Titel

  • Leben im Büro: Die schöne neue Welt der Angestellten (2012)
    und
  • Die Rückkehr der Diener: Das neue Bürgertum und sein Personal (2016).

Musik:

G* THE KILLING / Original Fernsehmusik
T* Choral Theme/instr.
AG* KOMMISSARIN LUND - DAS VERBRECHEN
AG* FORBRYDELSEN
S: Frans Bak/Piano
K: Frans Bak/geb.1958

CD* EDVARD GRIEG : SÄMTLICHE LIEDER / VOL.7
T* Suk < Seufzer >, EG 134
TE* Aftensolens Hygge ikke kan mit Vindu na
ATE* Der Abendsonne warme Strahlen erreichen nicht mein Zimmer

S: Monica Groop/Mezzosopran
S: Roger Vignoles/Klavier < Steinway D >

K: Edvard Grieg/1843 - 1907
D: Björnstjerne Björnson/1832 - 1910

CD* Kuschelrock
HOLD ME NOW
A: Johnny Logan