„Von der Heilkraft der Bäume“

Dr. Erwin Thoma, Holzbauer aus Goldegg im Land Salzburg, spricht diese Woche in „Focus“ über die Heilkraft der Bäume.

Die Sendung zum Nachhören

Sendehinweis:

„Focus“, 21.11.2015, 13.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg
2.1.2016, 13.00 Uhr, ORF Radio Vorarlberg (WH)

Vor dreißig Jahren war er der jüngste Förster Österreichs, der im Karwendelgebirge ein riesengroßes Revier verwaltete. Es war eine Stelle, für die sich lange kein Förster gefunden hatte, weil man dort im Winter wochenlang eingeschneit war, der Weg zum Gemeindeamt war 80 Kilometer lang.

Die Geigenbauer

Eines Tages klopften zwei Männer an seine Türe. Die beiden Geigenbauer erzählten Erwin Thoma, dass man im Karwendelgebiet das Holz für den Geigenbau finde. Die beiden meinten auch, es gebe unter 1 Million von Fichtenbäumen einen einzigen, dessen Holz sich zum Geigenbau eignet. Zur Untersuchung des Holzes brauche man die eigenen Sinne und die entsprechende Intuition. Zudem wüchsen diese Fichten an bestimmten Orten, dafür benötige man ein Wissen von Bodenkunde. „Die Geigenbauer haben Fichten in der entsprechenden Region abgeklopft. Am zweiten Tag haben sie einen Baum gefunden, von dem sie angenommen haben, dass der sich für den Geigenbau eigne“, erinnert sich Erwin Thoma.

focus erwin thoma

ORF

Erwin Thoma

Das Tagebuch des Baumes

Der Baum zeichnet sein Leben in den Jahresringen auf. In den Jahresringen offenbare sich das Lebend es Baumes, sagt Thoma. Das Buch werde ohne Absicht, ohne ein Wollen geschrieben. Dort stehe nur drinnen, was wirklich war. Man könne das Erleben des Baumes darin lesen: „…seine Not, seine Krankheit, seine Freiheit, die guten Jahre und das Gedeihen.“ Geigenbauer können ablesen, ob das Holz für sie in Frage kommt, ergänzt Thoma.

In die Bäume hineinschauen

„Wir leben in einer Zeit, in der uns manchmal langweilig ist . Es geht uns gut und wir machen Reisen zu allen möglichen fernen Destinationen, wir suchen Abwechslung und Abenteuer, wir machen weite Reisen, und die Wenigsten kommen auf die Idee, dass die größten Abenteuer und Entdeckungen ganz nahe bei uns zu finden sind“, sagt Erwin Thoma. Es könne unglaublich spannend sein, zu den Bäumen und in die Bäume hinein zu gehen. Er sei in der ersten Hälfte seines Lebens nicht auf diese Idee gekommen, betont Erwin Thoma.

Bäume reden miteinander

Bäume kommunizierten viel miteinander. „Wir hören es nur deshalb nicht, weil wir andere Vokabeln verwenden. Der Wald würde ohne Austausch nicht existieren können.“ Thoma erzählt vom heißen Sommer 2015, der für Bäume bedrohlich sein könne. Die Bäume haben ein genaues Monitoring, was von dem Fluss noch aufgenommen werden kann, und sobald der Wasserfluss bedrohlich knapp werde, gebe er die Mitteilung an alle anderen.

Die anderen Bäume verbrauchen dann solidarisch weniger Wasser, damit der eine Baum genug bekommt. „Die Bäume haben im Boden ein hunderte Kilometer langes Pilzmycel-Netz. Das ist das Internet der Bäume“, sagt Thoma. Die Freunde des Baumes seien Pilzfamilien. „Diese hängen an jedem Baum und reichen zum nächsten. Im Sozialgefüge des Waldes liegt eine unglaubliche Weisheit“, betont der Holzbauer Thoma.

Die Lärchenpechsalbe - ein altes Allheilmittel

Bei Verstauchungen sowie Abschürfungen, aber auch gegen Fieberblasen helfe die Lärchenpechsalbe. Sie beinhalte Wirkstoffe von Harz. Früher setzte man es sogar als Kaugummi und gegen Zahnschmerzen ein. „Ein richtiges Allheilmittel. Die Rede ist nicht von der Wundercreme aus der Apotheke sondern von der Pechsalbe - hergestellt aus den Zutaten, die die Natur zur Verfügung stellt“, betont der Holzforscher Erwin Thoma.

Und er schließt damit, dass die Bäume 4 Millionen Jahre Zeit gehabt hätten, den effizientesten und besten Weg zu finden, der zum Ziel führt.

Wir haben diesen Vortrag im Rahmen der Vortragsreihe Wissen fürs Leben in der Arbeiterkammer in Feldkirch aufgezeichnet.

Zur Person:

Ing. Dr. Erwin Thoma wurde 1962 in Bruck an der Glocknerstraße geboren. Seine Naturverbundenheit ließ ihn früh den Beschluss fassen, Förster zu werden. Mit seiner Holzbaufirma errichtet Thoma heute Häuser, die zu 100 Prozent aus Holz bestehen ein Weltpatent. Dafür bekam er die bislang einzige Cradle to Cradle-Gold-Zertifizierung für ein Baumaterial. Sein Buch Die geheime Sprache der Bäume ist ein Bestseller. Erwin Thoma hat drei Kinder und lebt mit seiner Frau Karin in Goldegg.

Literatur:

Erwin Thoma, Die geheime Sprache der Bäume: und wie die Wissenschaft sie entschlüsselt. Ecowin Verlag.

Maximilian Moser und Erwin Thoma, Von der sanften Medizin der Bäume: Gesund leben mit altem und neuem Wissen. Red Bull Verlag

Musik:

T* Konzert für Violine und Orchester in D-Dur op.61
E* Allegro ma non troppo - 1.Satz 00:24:12
AS* Violinkonzert
S: Gidon Kremer/Violine
O: Academy of St.Martin in the Fields
L: Sir Neville Marriner