„Best of Focus“ Teil II: Schätze aus dem Archiv

Hier können Sie ältere Sendungen aus der Reihe „Focus“ nachhören. Die Referenten: Joachim Bauer, Wolfgang Bossinger, Herwig Büchele, Ruediger Dahlke, Werner Fritschi, Erwin Kräutler, Dr. Remo Largo, Julia Onken, Linda Pelzmann, Wilhelm Schmid und Bärbel Wardetzki.

Prof. Dr. Joachim Bauer: „Prinzip Menschlichkeit - warum wir von Natur aus kooperieren“

Prof. Dr. Joachim Bauer: "Ich habe mir angewöhnt, zu Fragen des menschlichen Zusammenlebens nicht die Biologie zu konsultieren, denn dies wäre ein methodischer Fehler. Menschliches Leben wird wesentlich durch gesellschaftliche Verhältnisse bestimmt, die durch die Biologie grundsätzlich nicht zu erfassen sind, weil sie nicht ihr Gegenstand sind. Und wenn sie zu ihrem Thema gemacht werden, so hat sie nicht die angemessenen Begriffe und Methoden dafür, sondern überträgt biologische Erkenntnisse unberechtigt auf eine andere Ebene. Trotzdem sind Erkenntnisse aus der Biologie auch wichtig für ein tieferes Eindringen in die Zusammenhänge unserer biologischen Grundlagen und unserer Gestaltung gesellschaftlicher Verhältnisse.

Schätze aus dem Archiv - Teil 1

HIER finden Sie weitere Schätze aus dem Focus-Archiv von ORF Radio Vorarlberg.

Leider werden aus der Biologie heraus oft Aussagen über Menschen gemacht, die vor allem darauf hinzielen, dass Menschen als biologische Lebewesen genauso aggressiv um ihr Überleben kämpfen müssten wie alle lebenden Organismen. Dieser These vom Kampf und der Aggression wird dann im günstigsten Falle eine entgegen gesetzte Interpretation der Biologie entgegen gesetzt, die aber wiederum methodisch falsch ist, weil aus der Biologie allein nichts für die Menschen abzuleiten ist, weil ihr Wesen durch die Gesellschaftlichkeit bestimmt wird."

Univ-Prof. Dr. Joachim Bauer lehrt an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Bauer ist Autor mehrerer wissenschaftlicher Sachbücher und war viele Jahre in der Molekularbiologie und Hirnforschung tätig. Bauer ist Facharzt für Innere Medizin, Psychiatrie und Psychotherapie.]]

Wolfgang Bossinger: Die heilende Kraft des Singens

Wolfgang Bossinger sprach in einem Vortrag im Ritter-von-Bergmann-Saal auf Einladung des Chorforums Bregenzerwald über die soziale Bedeutung und die heilende Wirkung des Singens.

Der Musiktherapeut, Autor des Buches „Die heilende Kraft des Singens“ erläutert durch wissenschaftliche Studien nachgewiesene Wirkungen des Singens: Stresshormone werden abgebaut, Singen hilft Konflikte und Trauer zu verarbeiten (Klagegesänge), Chor von Obdachlosen, Kind im Mutterleib, Singen fördert Schultauglichkeit, es entsteht ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl = Gewaltprävention, harmonisiert die Rhythmen des Körpers.

Herwig Büchele: Not und Segen des Wirtschaftswachstums

„Wir können uns eher den Weltuntergang vorstellen als eine Wirtschaft, die sich vom Zwang zum Wirtschaftswachstum frei macht. Deshalb ist die Frage nach dem Wachstum die zentrale Frage aller Politik“, sagt Prof. Büchele.

In seinem Vortrag, gehalten bei den Kleinwalsertaler Dialogen, geht Prof. Büchele der Frage nach: „Warum vergötzen wir das Wachstum?“ und analysiert die Wachstumsfaktoren: das Konkurrenzprinzip, der Kampf um Macht und Stärke, das menschliche Begehren. Als Alternative zum Wachstumszwang entwirft Prof. Büchele das Modell einer Tätigkeitsgesellschaft und erläutert die sieben Pfeiler, auf denen sie beruht. Grundpfeiler ist das garantierte Grundeinkommen für alle.

Ruediger Dahlke: „Spielregeln des Lebens“

In gewohnt witziger und pointierter Weise zeigt Dr. Ruediger Dahlke, dass die meisten Menschen die Regeln nicht verstanden haben, nach denen das Leben funktioniert. Die Folge: Sie jammern und klagen über das ungerechte Schicksal, sie leben in der Projektion. Er erklärt das am Beispiel des Fussballs und am Beispiel des Geldes.

Die beiden wichtigsten Spielregeln des Lebens sind das Gesetz der Resonanz und das Gesetz der Polarität.

Werner Fritschi: „Gegensatz ‚gesund - krank‘“

Teil 1:

Teil 2:

„Die Krankheit war wie ein Wecker, eine Alarmglocke, ein Impulsgeber, um mich selber besser kennen und lieben zu lernen. Krankheit ruft zur Gesundheit auf, und zwar unbarmherzig. Tief innen auf dem seelischen Grund wuchs mit ihr der Wunsch nach Lebendigkeit, Nähe und Hingabe an das Leben. Krankheit hat existenziellen Wert“, erläutert Werner Frischi.

Im zweiten Teil seiner Überlegungen zum „kreativen Spannungsfeld“ von Gesundheit und Krankheit erzählt Werner Fritschi sehr persönlich und berührend, was ihn sein Hirnschlag gelehrt hat. Er berichtet zudem von drei Frauen mit schweren Krankheiten: von Pia, seiner eigenen Frau, von der 35-jährigen Lehrkrankenschwester Heidi und von Valentine Godé-Darel, der Geliebten des Schweizer Malers Ferdinand Hodler.

Nach der Erfahrung von Werner Fritschi ist niemand entweder gesund oder krank: „Jede/r bleibt nur punktuell krank, ist stets nur partiell gesund. So kann Krankheit lange unter dem Mantel der Gesundheit vorbereitet werden – oder es kann unter dem Schleier von Krankheit das Gesunde erstarken. Für mich war die Krankheit eine Chance zur Wandlung, der seelischen, geistigen und körperlichen Veränderung.“

Werner Fritschi bringt seine grundlegende Erfahrung im Spannungsfeld krank-gesund auf den Punkt: „Ich fühle mich aufgehoben in der Welt, getragen im Leben drin. Ich habe keine Angst mehr vor dem Sterben, seit ich dem Tod in die Augen geschaut habe.“

Erwin Kräutler - Ich glaube an die Macht der Liebe

Bei seinen Vorträgen während seines Heimaturlaubs im Juni wurde Bischof Erwin Kräutler immer wieder gefragt, was er von der Aussage des Papstes halte, die Indios hätten die Christianisierung herbei gesehnt. Seine differenzierte und klare Antwort hören Sie im ersten Teil der Sendung.

Dann erklärt Bischof Erwin Kräutler, die Entstehung, Verleumdung und Rehabilitierung der Theologie der Befreiung, deren Früchte unzählige Basisgemeinden sind.

Als brennende Probleme Amazoniens, die auch die reichen Länder betreffen, nennt Bischof Erwin Kräutler
1. die Migration, ein neues Nomandentum der armen Bevölkerung
2. die ökologische Bedrohung durch die skrupellose Ausbeutung der Naturreichtümer und durch die Zerstörung des Regenwaldes
3. die indigenen Völker, denen eine rassistische Politik Menschenrechte und Menschenwürde abspricht.

Remo Largo: Kinder sind verschieden!

Vortrag in der Reihe „Wertvolle Kinder“ am 21.06.2007 im Vorarlberger Kinderdorf zum Thema „Die Individualität des Kindes als erzieherische Herausforderung“.

Der Kinderarzt macht mit zahlreichen Beispielen klar, dass aurch „normale“ Kinder sind extrem unterschiedlich entwickeln: z. B. hinsichtlich Schlaf, erste Schritte, erste Worte, sauber werden. Doch in der Regel gehen Eltern und Lehrer von einer Durschnittsnorm aus, was besonders für langsamere Kinder katastrophale Folgen hat.
Remo Largo spricht auch über das Grundbedürfnis, geborgen zu sein, d. h. ein Kind kann nicht allein sein. Doch heute fehlen nicht nur Geschwister sondern auch Eltern, die Zeit haben.

Julia Onken - Glück ist lernbar

„Eigentlich ist alles schief gelaufen. Mein Weg zum Glück“

Vortrag von Julia Onken am 3. April 2007 in der Reihe „Fragen unseres Daseins“ im Kulturhaus in Dornbirn (500 Zuhörerinnen!)

Glück, sagt Julia Onken, ist, wenn ich mit einem großen Einverständnis mit mir lebe, wenn ich ja sage zum eigenen Leben und wenn ich lerne, das Leben als Wunder zu verstehen.

Was hindert uns daran, Glück zu erleben? Julia Onken beschreibt 6 Glückskiller: 1. Sicherheitsstreben, 2. Opferrolle, 3. unklare Visionen, 4. falsche Bescheidenheit, 5. fehlende Bereitschaft zur Versöhnung mit sich und anderen, 6. fehlende Dankbarkeit

Prof. Dr. Linda Pelzmann: Identität

Bestimmt der Konsum die Identität?
Vortrag der Wirtschaftspsychologin Univ.-Prof. Dr. Linda Pelzmann (Universität Klagenfurt) bei den diesjährigen Kleinwalsertaler Dialogen zum Leitthema „Identität im Spannungsfeld von Wirtschaft und Kultur“.

Prof. Dr. Wilhelm Schmid - Was ist Glück?

Was ist Glück? Vortrag vom 05.12.2006 im ORF-Funkhaus in Dornbirn in der Reihe „Fragen unseres Daseins“.
Wilhelm Schmid bespricht drei Formen des Glücks:
1. das Zufallsglück, das nur den postiven, den günstigen Zufall als Glück anerkennt.
2. das Wohlfühlglück, das ebenfalls nur die positiven Gefühle anerkennt und diese auf Dauer stellen will. Genau das macht aber nicht glücklich, sondern macht systematisch unglücklich.
3. Glück als Fülle des Lebens, das die Polarität des Lebens gelten lässt: Freude und Leid, Lust und Schmerz, Leben und Tod.

Dr. Bärbel Wardetzki - Kränkung am Arbeitsplatz

Kränkung am Arbeitsplatz. Strategien gegen Missachtung, Gerde und Mobbing. Vortrag vom 22.11.2006 in der Reihe „Fragen unseres Daseins“ im ORF-Funkhaus. Schlüsselsatz: Ob wir etwas als Kränkung erleben, ist nicht eine Frage der äußeren Umstände sondern der inneren Haltung. Wir sind umso kränkungsgefährdeter, je mehr alte Verletzungen wir in uns tragen (Vulnerabilität), wenn wir das, was andere tun immer auf uns persönlich beziehen, wenn wir die Verantworunt für unsere Gefühle an andere abgeben. Der Begriff „Mobbing“ wird zu oft verwendet, auch wenn es gar kein Mobbing ist.