„Ausbruch aus dem Hamsterrad“

Viele haben oft mehr als sieben Dinge an einem Tag zu erledigen und sie haben keinen Ruhetag vorgesehen. Gleichzeitig schleppen sie unerledigte Dinge Jahre mit sich umher und kommen nicht dazu, sich davon zu befreien. Anneliese Fuchs sucht Wege aus dem Hamsterrad.

Schon im Märchen vergoldet Frau Holle die fleißige Bettenaufschüttlerin, über die Faule kippt sie Pech. Uns wird eingetrichtert, dass das Glück den Fleißigen gehört. Hauptsache, man tut etwas. Müßiggang ist aller Laster Anfang, sagt der Volksmund.

Man hört allenthalben, dass es früher in den Dörfern verboten war, vor dem Haus in der Sonne zu sitzen, die Füße hoch zu lagern und einmal einfach nichts zu tun. Sowohl in der Großfamilie, wo man im Fokus der eigenen Angehörigen stand, als auch in der Gemeinde, wurden Muße und Erholung mit „unnötig“ und die Person mit „faul und arbeitsscheu“ disqualifiziert. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich unsere Einstellung zu Arbeit und Urlaub gewandelt. Trotzdem brennen immer mehr Menschen durch Arbeit und psychischen Druck aus.

Der Trott des Hamsterrads

Der Trott des Hamsterrads im Alltag treibt manche Menschen in die Depression, in die innere Emigration und in die Verzweiflung. Die Schöpfung der Welt und des Menschen gilt als Vorbild dafür, dass man sich am Tag nur eine Aufgabe vornehmen soll: Gott hat die Welt in sieben Tagen erschaffen, an jedem Tag nahm er sich etwas Neues vor. Viele von uns haben oft mehr als sieben Dinge an einem einzigen Tag zu erledigen und sie haben für sich gleichzeitig keinen Ruhetag vorgesehen. Gleichzeitig schleppen sie die unerledigten Dinge, Wochen, Monate, Jahre lang mit sich umher und kommen trotz aller Mühe und Quälerei nicht dazu, sich davon zu befreien.

Solche Menschen fallen letztlich nicht einfach tot um : Sie ziehen sich zurück und leiden an depressiven Erschöpfungszuständen. Zu den psychischen Symptomen kommen körperliche: Stoffwechselprobleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Störungen des Immunsystems. Diese Menschen werden krank.

Der Druck auf die Männer im Hamsterrad

Das Hamsterrad, meint Anneliese Fuchs, hat zwei Dimensionen - eine berufliche, aber auch eine oft zu wenig beachtete private. Der ungeheure Druck durch die angespannte Wirtschaftslage in ganz Europa bringt es mit sich, dass die Menschen für dasselbe Geld immer mehr arbeiten müssen. Es werden keine Nachbesetzungen gemacht und wir müssen immer schneller und immer mehr leisten.

Frauen im Hamsterrad der Familie

Im privaten Bereich hätten Frauen andere Formen des Hamsterrades, die genauso schwierig und genauso problematisch seien, so Anneliese Fuchs. Beim Druck auf Frauen spiele mitunter die Angst des Mannes, gekündigt zu werden, eine entscheidende Rolle. Wenn Geld für den Kauf einer Wohnung, den Bau eines Hauses aufgenommen wurde, die Rückzahlungen gefährdet scheinen, belaste das die Familie.

Das pathologische Menschenbild

Bei Frauen gelte oft ein pathologisches Menschenbild: " Ich mache alles zuerst für die Anderen und erst dann komme ich." Das sei nicht edel und christlich, sondern blöd und krankhaft, sagt die Wiener Gesundheitspsychologin.

Es heiße, liebe Gott und deinen Nächsten wie dich selbst. Wer sich selbst nicht lieben und nicht für sich sorgen kann, ist gar nicht imstande die Anderen zu lieben, sagt Anneliese Fuchs. An die Männer gewandt meint Fuchs: „Wenn die Frau alles für sie macht, ist das auch ein Machtspiel, weil sei dadurch vollkommen abhängig von ihr werden.“

Das familiäre Hamsterrad „Hotel Mama“

Das familiäre Hamsterrad bedeutet, dass die Mutter zuhause ist und deren Kinder größer und älter werden und bis zum 30. Lebensjahr das „Hotel Mama" bevorzugen. " Die Kinder bleiben in der Familie und die Mutter kocht, wäscht und versorgt auch die Partner und Partnerinnen ihrer Kinder und ist stolz, dass sie eine tolle Mama genannt wird; letztlich erkrankt sie, weil sie sich verausgabt hat“, sagt Anneliese Fuchs.

Wir können nur in der Entspannnung Energie auftanken. Wenn wir die Batterien ausschöpfen und nicht nachfüllen, dann geht es zu Lasten des Immunsystems.

Die destruktive Hoffnung

Es gebe die destruktive Hoffnung, die da meint, es werde schon besser werden, man müsse nur darauf hoffen. Wir seien energetische Systeme, mit einem beschränkten Maß an Energie, sagt Anneliese Fuchs. Wenn wir diese Energie leben, geht die Energie raus und der Energiespeicher wird leer dabei.Wenn wir ununterbrochen unsere Speicher leeren, bekommen wir einen Erschöpfungszustand. Am Anfang sei man nur ein bisschen müde, dann kommen Schlafstörungen und dann geht die Freude verloren. Die Folge sei, man will nur noch seine Ruhe haben, am liebsten würde man im Bett liegen bleiben und die Decke über den Kopf ziehen.

Wie viel Freude habe ich im und am Leben?

Wenn beim Aufwachen der erste Gedanke negativ sei, dann sei der Tag verdorben, sagt die Psychologin. Schaffen sie sich am Tag etwas, woran sie sich erfreuen können. Man sollte sich bereits in der Früh positiv auf den Tag einstellen. Das sei energetisch wichtig, empfiehlt Anneliese Fuchs. Weiters könne man durch Bewegung Spannung abbauen. Wir können uns auch durch eine Aussprache bei den Verursachern vom inneren Druck befreien. Anneliese Fuchs empfiehlt auch, wenn man niemanden zur Aussprache hat, könne man die einen belastenden Dinge in einem Tagebuch niederschreiben.

Die spirituellen Kräfte

Zur harmonischen und befriedigenden Verbindung von Arbeit und Leben verweist Anneliese Fuchs außerdem auf die spirituellen Kräfte des Menschen, um in der Geborgenheit der Stille positive Kraft zu schöpfen.

Letztlich wird der Ausbruch aus dem Hamsterrad eine Frage der Sinnfindung und der Berufung eines Menschen für „sein“ Talent. „Nur der Berufene ist glücklich, an jenem Platz, wo wir hingehören.“ Anneliese Fuchs hat diesen Vortrag zum Thema Wege aus dem Hamsterrad im Rahmen der Bregenzerwälder Familiengespräche im Ritter von Bergmann Saal in Hittisau gehalten.

Anneliese Fuchs

Anneliese Fuchs

Zur Person:

Prof. Dr. Anneliese Fuchs. Gesundheitspsychologin, Psychotherapeutin, Trainerin und Coach Anneliese Fuchs leitet das Team namens „Idee“: Es steht für Initiative für dynamische Persönlichkeitsentwicklung und vereint eine Gruppe von Therapeutinnen und Therapeuten in Wien.

Literatur :

Fuchs Anneliese/Kaiser Alexander (Hrsg): „Der Ausbruch aus dem Hamsterrad“, Werkzeuge zur harmonischen und befriedigenden Verbindung von Leben und Arbeit. Böhlau Verlag, Wien.