Jan-Uwe Rogge: „Viel Spaß beim Erziehen“

Bestsellerautor und Familienberater Dr. Jan-Uwe Rogge aus Hamburg spricht in der Sendung „Focus“ bei ORF Radio Vorarlberg über das Thema „Viel Spaß beim Erziehen“.

Die Sendung zum Nachhören:

Sendungshinweis:

„Focus“, 13.8.2016, 13.00 bis 14.00 (Wiederholung vom 30. März 2013)

Jan-Uwe Rogge weiß natürlich, dass Eltern oft berufstätig, gestresst und in Zeitnot sind und dabei mit ihren Sprösslingen mitunter ihre liebe Not haben. Hier liege einer der Gründe für den Frust von Eltern. Ein anderer sei, dass Eltern vollkommen sein wollen, sich aber als unvollkommen erleben. Sind Kinder Tyrannen? Muss Erziehung strenger werden? „Nein!“, sagt Jan-Uwe Rogge.

Wie sieht die perfekte Erziehung aus?

In verschiedenen Familien durchlebt das Kind ganz typische Situationen: trotzende und wütende Kleinkinder, Bruderkriege im Supermarkt, aufbegehrende Pubertierende, verzweifelte Eltern und vieles mehr. Die Lösung lautet nach Ansicht von Rogge: „Die perfekte Erziehung gibt es nicht.“

Unerwartete wie einfache Lösungen

Jan-Uwe Rogge will Eltern den Druck nehmen, unter den sie sich meist selbst setzen. Viel wichtiger als die perfekte Erziehung seien eine gute Portion Humor und Gelassenheit. Nicht nur im Haushalt macht die gleiche Lastenverteilung glücklich: Auch bei der Erziehung hebt Halbe-halbe offenbar die Laune: Eine große Mehrheit der Frauen sagt, dass Teilen bei der Erziehung hilft.

Jan-Uwe Rogge

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Jan-Uwe Rogge

Ein Zuviel an elterlicher Kontrolle

Rogge beklagt ein Zuviel an elterlicher Kontrolle. Sie hemme nicht nur die Entwicklung kindlicher Fähigkeiten, sondern könne Kinder sogar depressiv machen. Kinder übermäßig fürsorglicher Eltern sind in späteren Jahren häufiger depressiv, mit ihrem Leben unzufrieden und leiden eher unter Angstzuständen. Überfürsorgliche Eltern tragen demnach dazu bei, dass Kinder weniger Fähigkeiten und persönliche Autonomie entwickeln. Das beeinträchtige das Wohlbefinden der Kinder und führe dazu, dass sie später weniger gut mit Stress umgehen können.

Engagement versus Kontrolle

Entscheidend sei die Form der Fürsorge, so Rogge: Während es sich auf die kindliche Entwicklung positiv auswirke, wenn sich Eltern oder Erziehungsberechtigte für die Lebenswelt und die Erfahrungen der Kinder interessieren und sich engagieren, habe ein Übermaß an Fürsorge negative Folgen für die Kinder. Besonders problematisch sei es, wenn die Eltern das Maß an Kontrolle und Behütung nicht dem Alter und den Fähigkeiten der Kinder anpassen.

Kinder haben heute nicht nur Namen, sondern Rollen

Wenn Kinder in Rogges Beratungspraxis angemeldet werden, hätten sie nicht nur einen Namen, sondern meist auch eine Rolle. So eine Rolle sei etwa die Bezeichnung: „Einzelkind“. Um diesem für das Kind oft schwierigen Aufwachsen zu helfen, empfiehlt Rogge „Zeugen sie ein zweites“.

Erziehung gelingt nicht immer

Jan-Uwe Rogges Erziehungs-Hilfen sollen Spaß machen. Er will nicht aufzeigen, welche Fehler Eltern in der Erziehung machen oder welche Defizite an ihren Kindern zu beklagen sind.

Er zeigt Verständnis dafür, dass Erziehung nicht immer gelingt. Seine Botschaft: „Sie wissen selbst, dass Sie konsequent handeln sollen, Die Tagesform reicht leider oft nur für den weniger anstrengenden Weg in der Erziehung.“

Eltern unterstützen

Eltern seien bei der schwierigen Aufgabe, ihre Kinder ins Leben zu begleiten, zu unterstützen. Rogge erinnert daran, dass Kinder nur das Verhalten zeigen können, das ihrer Entwicklung entspricht. Aufgabe der Eltern ist es, die kindliche Logik nachzuvollziehen und sich zu fragen: „Kann mein Kind das, was ich von ihm erwarte, überhaupt schon?“

Kinder nicht überfordern.

„Bringt Sie das Trödelmonster auf die Palme?“ Jan-Uwe Rogge skizziert anschaulich kritische oder schwierige Erziehungssituationen, in die Eltern tagtäglich geraten können. Eltern dürfen laut Rogge lernen, dass Fehler dazugehören und es kein normiertes Erziehungsrezept gebe. Vielmehr sei es ein individueller und herausfordernder Weg mit jedem Kind.

Diesen Vortrag hat Jan-Uwe Rogge auf Einladung der Gemeinde Kennelbach in der Aula der dortigen Volksschule gehalten.

Zur Person: Dr. Jan-Uwe Rogge

Jan-Uwe Rogge(www.jan-uwe-rogge.de), geboren 1947, ist Bestsellerautor und Familien- und Kommunikationsberater (seit 1985). Er ist in der Erziehungsberatung ein international gefragter Referent und Vater eines mittlerweile erwachsenen Sohnes.

Rogge hat seit 1984 mehr als 15 Bücher zu Erziehungsfragen veröffentlicht. Einige davon sind zu Bestsellern geworden,
die in mehr als 16 Sprachen übersetzt wurden.

Publikation:

Angelika Bartram und Jan-Uwe Rogge: „Viel Spaß beim Erziehen.“ Rowohlt Verlag

Musik

Non piu andrai
Rondo alla turca
Your song/ Elton John