„Mein Körper und ich - Freund oder Feind?“

Die Diplompsycholgin und Psychotherapeutin Hanne Seemann aus Heidelberg steht in der aktuellen Focus-Sendung im Mittelpunkt. Sie spricht darüber, wie man Psychosomatische Störungen verstehen kann.

Wie leben wir zusammen - mein Körper und ich?

„Unser Organismus hat eine enorm hohe Intelligenz; der arbeitet nämlich den ganzen Tag für uns; also er sorgt dafür, dass wir auf den Beinen sind und dass wir tun können, was wir möchten; dass er alles so reguliert, dass wir gesund bleiben“, eröffnet Hanne Seemann ihre Gedanken.

Sendungshinweis:

„Focus“, 27.9.2012

Sie stellt auch die Frage, die jeden von uns betrifft: „Mein Körper und ich - wie leben wir zusammen, sind wir befreundet oder verfeindet?“ Wenn einen Schmerzen quälen, sei man nicht der Meinung, dass der Körper ein guter Freund ist, sondern dann denke man, er benehme sich feindlich: „Er quält mich und lässt mich nicht gut leben.“

Psychosomatische Störungen tarnen sich

Das Besondere an der psychosomatischen Störung sei, dass sie sich tarnen wie andere Körperstörungen. Man gehe dann zum Arzt, der schaue sich den Körper an und es werde immer gesagt: „Körperlich haben Sie nichts.“

Manchmal werde einem gesagt, man solle vielleicht einen Psychologen aufsuchen: „Dafür fehlt den Betroffenen auch oft das Verständnis; warum sollte man zum Psychologen gehen, wenn es körperlich wehtut, wenn der Körper Hautausschläge bekommt oder andere Sachen, die einen stören und schmerzen“, beschreibt Hanne Seemann die Ausgangslage.

Eine psychosomatische Störung habe die Funktion uns zu stören. „Sie hat immer mit der Art wie wir leben zu tun und normalerweise aber stört uns der Körper nicht. Das ist schon mal ein Anlass für Dankbarkeit“, sagt die Therapeutin Seemann.

Der Körper hält viel aus

Es sei die Frage zu stellen, so Hanne Seemann, wie wir mit unserem Körper umgehen? Versklaven wir ihn manchmal oder benutzen wir ihn wie das Fahrrad, damit er uns von da nach dort bringt?

Wenn man sich bewusst werde, was wir mit dem Körper alles machen, was wir ihm alles zum Essen anbieten, wie viel Flüssigkeit wir in ihn hineinschütten, dann dürfe man sich nicht über entsprechende Reaktionen wundern.

Gleichzeitig betont die Buchautorin, dass der Organismus des Menschen äußerst individuell sei.

Bis zu 50 Ärzte werden kontaktiert

Es dauert im Regelfall sieben bis neun Jahren, bis eine psychosomatische Abklärung stattfindet und dann die richtige Diagnose gestellt wird; davor suchen Betroffene im Schnitt neun bis zwölf Ärzte auf, wobei dies im Einzelfall bis zu 50 Ärzte sein können, bis die entsprechende Abklärung und die entsprechende Diagnose gestellt wird: Es geht um das Verstehen, das Erkennen und das richtige Behandeln psychosomatischer Störungen.

Sieben Prozent der Bevölkerung sind psychosomatisch krank. Die Heidelberger Psychologin und Psychotherapeutin Hanne Seemann, die sich intensiv mit dem Thema psychosomatische Störungen befasst, verweist darauf, dass die psychosomatischen Störungen sich nicht nur bei jedem Menschen anders äußern können, diese Verschiedenartigkeit betreffe auch das Lebensalter. „Das Baby zum Beispiel hätte keine Überlebensfähigkeit, wenn es nicht selbst atmen könnte, wenn es keine emotionale Bewertung hätte und nicht bereits selbst riechen, schmecken und entscheiden würde oder wohin es sich zu bewegen oder wo es weg will.“ Hier sei der Grundstein für menschliches Empfinden und Fühlen, abseits des kognitiven Wissens, gelegt.

Kommunikation zwischen Körper und Ich verbessern

"Menschen, die ständig ihre geistige Kraft auf das richten, was sie zu tun haben, die Probleme lösen und Arbeiten abhaken, laufen Gefahr, irgendwann Stresserkrankungen zu bekommen“, warnt die Psychotherapeutin Hanne Seemann.

Wer dem vorbeugen will, sollte ab und an innehalten. „Bleiben Sie stehen, gewöhnen Sie sich an, mal zu verweilen.“ Das sei das Grundprinzip der Achtsamkeit.

Hanne Seemann stellt ein lösungsorientiertes Therapiekonzept psychosomatischer Störungen vor, das am Krankheitsbild des chronischen Schmerzes entwickelt wurde. Die Verbesserung der Kommunikation zwischen Körper und Ich steht im Zentrum dieses therapeutischen Ansatzes. Wie der Körper dazu gebracht wird, seine schmerzhafte Sprache verstummen zu lassen, zeigt Hanne Seemann an vielen Beispielen aus der Praxis und vor allem auch in ihren Büchern.

Den Vortrag von Hanne Seemann haben wir bei der Veranstaltungsreihe „Wissen für`s Leben“ in der Arbeiterkammer in Feldkirch aufgezeichnet.

Zur Person Hanne Seemann:

Studium der Philosophie, Linguistik, Politikwissenschaft, später Psychologie an der Universität Heidelberg. Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Theoretikum und Klinikum der Universität Heidelberg. Seit 2007 in eigener Praxis tätig. Forschung: Sprachpsychologie (ironische Sprechakte). Chronische Schmerzen (Schmerzmessung, Krebsschmerzen, Kopfschmerzen bei Kindern). Lehre: Gesprächsführung bei psychosomatischen Störungen, Therapie: Psychosomatische Schmerzen (bes. Kopf- und Rückenschmerzen). Hypnotherapie nach Milton Erickson. Ausgedehnte Vortrags- und Seminartätigkeit, Supervision und Fortbildung für Ärzte und Psychotherapeuten auf dem Gebiet psychosomatischer Störungen.

Publikationen:

Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen erschienen beim Verlag Klett Kotta:

„Mein Körper und ich - Freund oder Feind?“ Psychosomatische Störungen verstehen.

„Freundschaft mit dem eigenen Körper schließen. Über den Umgang mit psychosomatischen Schmerzen“

„Kopfschmerzkinder. Migräne und Spannungskopfschmerzen verstehen und psychotherapeutisch behandeln“.

„Selbst-Herrlichkeits-Training“ für Frauen und schüchterne Männer“.

„Artenschutz für Männer“

Musik:

Sexten - CD David Helbock- Solopiano
Jacaranda - Sailor
Guilty- Barbara Streisand

Link:

Homepage Hanne Seemann