„Nijinskys Tagebuch“: Premiere

Nach der Uraufführung von „Solaris“ haben die Bregenzer Festspiele ein weiteres Werk des Komponisten Detlev Glanert herausgebracht: Im Theater am Kornmarkt wurde Samstagabend als Koproduktion mit dem Landestheater Linz „Nijinskys Tagebuch“ aufgeführt.

Im Video zu sehen: Rosamund Gilmore (Regie), Detlev Glanert (Detlev Glanert, Komponist), Jutta Thomasius (Neue Frankfurter Presse); Beitrag von Ingrid Bertel, Götz Wagner, Roland Weber

Sendungshinweis:

„Vorarlberg heute“, 5.8.2012

Im Dezember 1917 erlitt der polnisch-russische Tänzer Vaslav Nijinsky, ein international gefeierter Star, einen Nervenzusammenbruch. In den folgenden sechs Wochen schrieb er ein Tagebuch, das seinen Nachruhm begründen sollte. Der Text ist Ausgangspunkt für Detlev Glanerts Oper „Nijinskys Tagebuch“, die als österreichische Erstaufführung bei den Bregenzer Festspielen gezeigt wird.

ORF-Redakteurin Ingrid Bertel war am Samstagabend bei der Premiere im Theater am Kornmarkt dabei:

Audio: Premierenbericht von ORF-Kulturredakteurin Ingrid Bertel

Detlev Glanert hat sich mit dieser Oper ein zutiefst verstörendes Dokument vorgenommen. „Nijinskys Tagebuch“ ist einzigartig, denn nie zuvor oder danach hat ein Mensch das Ausbrechen einer schizophrenen Erkrankung im Augenblick selbst notiert.

Sprechende Tänzer, tanzende Schauspieler

Zwei Tänzer, zwei Schauspieler, zwei Sänger stellen das zerbrechende Selbst Nijinskys dar, und es ist in der atemberaubenden Inszenierung von Rosamund Gilmore schwer auszumachen, wer nun welchem Beruf angehört, denn die Tänzer sprechen, die Schauspieler tanzen, als hätten sie nie etwas anderes getan.

Instrumentengruppe für jede Figur

Glanert ordnet jeder Figur eine Instrumentengruppe zu: Blockflöten etwa verkörpern die Stimme Kyras, der kleinen Tochter des Tänzers, der verzweifelt um die Kontrolle über seinen Verstand kämpft - und den Kampf verliert. Ingo Ingensand dirigiert beklemmend intensiv musizierende Mitglieder des Symphonieorchesters Vorarlberg - „Nijinskys Tagebuch“ gerät zu einem Opernabend, der lange nachhallt.

Teilwiedergabe der Oper in Ö1

„Nijinskys Tagebuch“ ist nochmals am 7. August zu sehen. Am 10. September bringt der Festspielsender Ö1 eine Teilwiedergabe der Oper.

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