„Kleine Kinder müssen das Teilen üben“
Die Sendung zum Nachhören:
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Kinder können nicht von Anfang an teilen
Sendungshinweis:
RV-„Bodenseemagazin“, 31.7.2012
Das haben Sie sicher auch schon erlebt: Ihr Kind möchte seine Spielsachen nicht teilen, verteidigt seinen Besitz und gibt freiwillig nichts her. Ein Thema, welches viele Mütter ratlos macht, denn sie wollen, dass ihr Kind lernt, abzugeben und zu teilen.
Verteidigung von Besitz angeboren
Beachten Sie dabei folgendes: Dinge in Besitz zu nehmen und sie gegen andere zu verteidigen, ist angeboren. Die meisten Kinder fangen mit etwa 18 Monaten an, alles, was sie gerade in der Hand halten, mit einem nachdrücklichen „Meins!“ als ihr Eigentum zu deklarieren. Und dieses „Meins!“ gilt es festzuhalten, denn wer weiß, ob man es wiederbekommt?
Warum ist das Teilen gerade für kleine Kinder schwer?
Dieses natürliche Verhalten hat schon den Höhlenmenschenkindern das Überleben gesichert. Das Besitzdenken geht sogar so weit, dass sich Kleinkinder oft mit den Gegenständen, an denen sie hängen, körperlich identifizieren. Sie sind ein Teil von ihnen. Nimmt sie jemand weg, fühlen sie sich existenziell bedroht. Teilen muss erlernt werden Im Gegensatz dazu ist Teilen eine soziale Fähigkeit, die jeder Mensch mühsam erlernen muss. Da die Vorstellung, jemandem etwas abzugeben, dem angeborenen Instinkt widerspricht, ist das nicht so einfach.
Es dauert, bis Kinder merken, dass sie nicht zu kurz kommen, wenn sie teilen und dass es sogar von Vorteil sein kann. Wir Großen wissen, dass es mehr Spaß macht, zu zweit ein Eis zu essen als allein. Ein Kind muss das erst lernen. Kleine Kinder haben noch eine andere Zeit-Wahrnehmung als Erwachsene.
Gespür für den Andren muss sich entwickeln
Dazu kommt, dass kleine Kinder sich selbst als den Mittelpunkt des Universums betrachten. Um den Wunsch zu verspüren, jemandem etwas abzugeben, muss man sich vorstellen können, was derjenige gerade fühlt. Ob er traurig ist oder fröhlich, einsam oder wütend. Wer aber gerade erst dabei ist, sein „Ich“ zu entdecken, ist mit dem „Du“ völlig überfordert. Ein wirkliches Gespür dafür, was in anderen vorgeht, entwickeln die meisten Kinder erst mit etwa vier oder fünf Jahren. Das heißt aber nicht, dass man das Teilen nicht schon vorher üben sollte.
Vorbereitung auf „Spielbesuch“
Haben Sie auch schon erlebt, dass gerade Besuchssituationen besonders schwierig verlaufen können. Streit um Spielzeug ist etwas, was Mütter und Väter kennen. Dafür meine Anregung für Sie: Bereiten Sie Spielbesuch vor Bevor „Spielbesuch“ kommt, fragen Sie Ihr Kind, ob es etwas besitzt, was es nicht teilen möchte. Dann helfen Sie ihm, einen sicheren Ort für diese speziellen Sachen zu finden. Lassen Sie Ihr Kind überlegen, was es mit den Freunden spielen möchte, das wird es ihm leichter machen, später die entsprechenden Spielzeuge zu teilen. Eine gute Idee ist außerdem, wenn jeder Freund selber ein Spielzeug mitbringt, dann hat Ihr Kind nicht das Gefühl, dass es immer nur abgeben muss.
Publiziert am 31.07.2012

