„Mutter sein ist schön, aber auch anstrengend“

Radio-Vorarlberg-Erziehungsexpertin Angelika Braza erläutert diese Woche in „Erziehung heute“, dass das Muttersein nicht immer nur schön, sondern auch anstrengend ist. Trotzdem trauen sich viele Mütter das nicht laut zu sagen.

Die Sendung zum Nachhören:

Sendungshinweis:

RV-„Bodenseemagazin“, 24.7.2012

Dass sich viele Dinge ändern, wenn man plötzlich eine Familie hat, wird niemand in Frage stellen wollen. Dennoch sieht die Erwartung vieler werdender Mütter und der dazugehörigen Väter oft rosarot aus. Die glückliche und strahlende Mama mit einem friedlich schlafenden Wonneproppen im Kinderwagen. Der Mann steht daneben, ebenfalls fröhlich grinsend, die Sonne lacht und nichts trübt die heile Welt.

Mutter zu sein ist schön - es kann aber auch ganz schön anstrengend und nervig sein. Doch welche Mutter traut sich schon das laut zu sagen?

Gemischte Gefühle

Es ist schwer, eine perfekte Mutter sein zu wollen. Aber noch schwerer ist es, keine perfekte Mutter sein zu können und das auch noch zuzugeben. Denn zum Muttersein hat fast jeder etwas zu sagen, gerne auch über die Köpfe von Müttern hinweg. Mütter trauen sich dann oft nicht, offen über ihre Gefühle zu reden, weil sie glauben, das entspreche nicht den typischen und traditionellen Vorstellungen vom Muttersein. Dabei ist es doch viel einfacher, ehrlich zu sein, als sich auch noch um eine pädagogische Fassade kümmern zu müssen. Deshalb auch meine Anregung: gehen sie ehrlich mit ihren gemischten Gefühlen um.
Ein wütendes Kind auf dem Spielplatz zu bändigen, reicht schließlich schon. Es macht die Sache nur noch viel komplizierter, wenn die Mutter glaubt, sich wegen der Vorstellungen Außenstehender auch noch pädagogisch „korrekt“ verhalten zu müssen.

Manche Mütter machen die Erfahrung, wenn sie beginnen im Bekanntenkreis zu erzählen, dass sie zunehmend genervt sind vom schreienden Baby und ihre alles ertragenden Mutterrolle, wird das schnell abgetan mit: Solche Gefühle darf man nicht haben, das geht vorbei und Mutter sein ist doch so erfüllend.

„Muss eine Mutter perfekt sein?“

In Zeitschriften und Ratgebern nach Antworten suchend, finden sie fast ausschließlich das Bild der fürsorglichen, stets ausgeglichenen Mutter, die alles ist, nur nicht wütend, überfordert, hilflos und müde ist. Und was ist mit der Mutter und ihren manchmal einfach auch negativen Gefühlen? Ist sie normal? Müsste sie nicht einfach nur glücklich und zufrieden sein? Oder ist sie egoistisch und damit eine Rabenmutter, die Familienglück nicht zu schätzen weiß?

Die Frage: „Muss eine Mutter perfekt sein?“, lässt sich also einfach beantworten: Natürlich nicht. Denn perfekt zu sein ist ein Anspruch, den niemand erfüllen kann. Eine Mutter ist vermutlich genau richtig, wie sie ist. Und dazu gehört, dass eine Mutter auch einmal ungerecht, vergesslich, schlecht gelaunt ist, dass sie ihre Kinder mit Gummibärchen besticht, den Haushalt vernachlässigt und mit den Türen knallt. Oder sogar „die gemeinste Mutter der ganzen Welt“ ist.

Mutter sein bedeutet, zugewandt sein, sich in die Seele eines Kindes einfühlen, es behüten – und im rechten Moment in der Lage sein, sich zu lösen und das Kind auch seine eigenen Wege gehen zu lassen. Und Mutter sein bedeutet, prägendes Vorbild zu sein – mit allen Ecken und Kanten und auch mit den gemischten Gefühlen.