Ulrich Clement: „Affären und Eifersucht“

Bei der „Focus“-Sendung von Radio Vorarlberg spricht diese Woche Prof. Dr. Ulrich Clement über das Thema „Affären und Eifersucht“.

Die Sendung zum Nachhören:

Sendungshinweis:

„Focus“, 30.8.2012

Liebesaffären sind Geschichten mit offenem Ausgang. Liebesaffären enden in der Weltliteratur entweder mit Heirat, sie enden mit Mord oder im Wahnsinn, zitiert Professor Ulrich Clement den Schweizer Literaturwissenschaftler Peter von Matt.

Hinweis:

Diese Sendung ist eine Wiederholung vom 7.7.2012

„In der Alltagswelt bestimmen nicht unbedingt die großen, sondern oft die kleinen Gefühle das Liebesleben“, gibt Clement Einblick in die therapeutische Praxis. Er beleuchtet das Spannungsfeld von Affären, die Perspektive des fremdgehenden Parts, die Perspektive des betrogenen Partners und letztlich richtet Clement den Blick auf die zu reparierende Beziehung und die Dynamik von Paaren, die mit Affären zu tun haben.

Ulrich Clement

Ullstein Verlag

Ulrich Clement

Der Partner-die emotionale Heimat

„ Es gibt den Wunsch nach Zugehörigkeit und emotionaler Heimat, dieser Wunsch will vom Partner Verlässlichkeit und Berechenbarkeit. Auf der anderen Seite gibt es den Wunsch nach Freiheit und Autonomie, es gibt den Willen frei gelassen zu werden und Offenheit bzw. nicht festgelegt zu sein“, eröffnet Prof. Clement den Blick auf die möglichen Spannungsverhältnisse in einer Beziehung.

„Liebe will Nähe, will immer mehr Gemeinsamkeit, aber Erotik braucht Abstand. Das Begehren funktioniert nur, wenn ich einen Abstand zur begehrten Person habe. Jemand der ohnehin da ist, den kann ich möglicherweise nicht begehren. Es liegt in der Logik und der Psychologie des Begehrens“, sagt der Paar-und Sexualtherapeut.

Die romantische Liebe in der Zwickmühle

Dauerhafte romantische Liebe sei ein Widerspruch in sich und eröffne den allgemeinen Konflikt, der die Paardynamik ausmache und mit dem Paare unterschiedlich umgehen, so Clement. Ob der ehelichen Dauer-Unzufriedenheit gebe es Paare, die es vorziehen sich zu trennen, andere ertragen es mit sub-depressiver Geduld und Weisheit, wieder andere gehen fremd und suchen sich „ihr“ außerpartnerschaftliches Erlebnis.

Affären würden von Partnern gerne so gesehen, so Clement, dass sie Lösungen von Problemen seien, sie seien aber manchmal vielmehr das nächste Problem.

Ist die Eifersucht an allem schuld?

Affären wären kein Problem, wenn es die Eifersucht nicht gäbe, erklärt der Paartherapeut. Gäbe es keine Eifersucht, wären Affären problemlos lebbar, sagt Clement. Durch die Eifersucht geraten Liebesaffären in den Bereich der Affekte, aus denen oft nur schwer herauszukommen sei, macht Prof. Clement deutlich.

Clement verweist auch auf Autoren, die sich mit dem Thema Eifersucht befassen - der eine Teil pathologisiere sie, sie sei das Ergebnis mangelnden Selbstbewusstseins, andere wiederum sähen die Eifersucht als Bestandteil der gesunden psychischen Grundausstattung des Menschen als etwas für den Überlebenskampf Wichtiges und Funktionales.

Der Mitschnitt dieses Vortrags von Prof. Dr. Ulrich Clement bei den 61. Lindauer Psychotherapiewochen wurde uns freundlicherweise von Auditorium-Netzwerk- dem Verlag für audiovisuelle Medien- Mühlheim-Baden- zur Verfügung gestellt.

Zur Person:

Prof. Dr. phil Dipl.-Psych.Ulrich Clement apl. Professor für Medizinische Psychologie an der Universität Heidelberg. Psychologischer Psychotherapeut.Mitbegründer und Leiter des Instituts für Sexualtherapie Heidelberg. Privatpraxis für Coaching, Paar- und Sexualtherapie

Literatur zum Thema:

Wenn Liebe fremdgeht. Vom richtigen Umgang mit Affären. Verlag Ullstein

Musik:

Have i told you lately, Rod Stewart
Just when i needed you most, Randy VanWarmer
Desert heat,Boon Dang Remix