Günter Funke: „Was wirklich zählt: Sinn- und Wertorientierung in einer Zeit des Wandels“.

In einer Zeit, in der Geld alles und immaterielle Dinge wenig gelten, steht die Analyse auf Sturm. Der Experte für sinnorientierte Lebenskunst Günter Funke legt den Finger auf die wunden Punkte und erwähnt beispielsweise das Phänomen des Ausbrennens, unter dem viele leiden.

Sendungshinweis:

„Focus“, 31.5.2012

Wandel macht Angst, weil wir Angst haben, im Wandel könnten wir etwas verlieren. In einer Kultur, die sehr viel hat, steht viel auf dem Spiel. Es stelle sich die Frage, ob wir wirklich so viel haben und was wir denn wirklich haben, lenkte Günter Funke den Blick auf unsere Wohlstandskultur: „Reiche Kulturen sind ängstliche Kulturen, wenn das, was sie haben materiell ist. Je größer das materielle Haben, umso größer die Angst vom Verlust“, sagt Funke.

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Die Identifikation mit dem materiellen Haben sei bei uns so groß, dass die meisten einen Teil ihrer Identität und ihres Sinns verlieren, wenn sie materiell weniger haben. "Es ist ein Lüge zu behaupten, es würde alles so weitergehen können“, ergänzt Funke.

„Die Haben-Kultur", das habe Erich Fromm schon vor 40 Jahren angemahnt", stehe vor ihrem Ende“, verweist Funke auf das Fromm Buch „Vom Haben zum Sein “.

„Ein Weiterso wird es nicht mehr geben“

Keine Veränderung zu wollen und alles zu belassen wie es ist, sei das sogenannte von Viktor Frankl benannte Angst-Vermeidungs-Verhalten. „Wenn wir nichts verändern, verlieren wir möglicherweise alles.“ Das werde nirgendwo deutlicher als dann, wenn jemand von einem Herzinfarkt oder einem Burnout erkrankt; dann melde sich die Veränderung an, weil es so nicht weitergehen könne. Sei man einmal im Burnout, komme man nur schwer wieder heraus, sagt Günter Funke.

Was ist es für ein Level, den wir halten wollen?

Günter Funke behauptet, dass wir diesen Level nicht werden halten können. Er fragt: "Müssen wir den Level halten, damit unser Leben Sinn behält? Nein, absolut Nein, merkt er an. Sinn ist eine andere Kategorie als jene des Habens.

„Wir leben nicht im Wohlstand, sondern im Geld“

Wir leben nicht im Wohlstand, sondern im Geld und das Geld kostet zu viel an Gesundheit, an Beziehung, an Werten. Das Geld frisst zu viel. Funke hält die These, wir lebten im Wohlstand für einen Betrug: „darin leben wir schon lange nicht mehr“. Wohlstand würde bedeuten, sich richtig wohl zu fühlen und nicht permanent Angst haben zu müssen, dass er resp. es weniger wird; dann fühle man sich nicht wohl.

Die Geldwüste

In Anlehnung an den Philosophen F. Nietzsche fragt Günter Funke, ob es sinnvoll sei, aus Geld Geld zu machen. Das Geld koste uns zu viel; zu viel an Sinn und zu viel an Leben. Der Satz aus dem Neuen Testament sei hilfreich und richtungsweisend: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein:“ Geld, Leistung, Erfolg seien allesamt fragwürdige Kategorien, weil sie meistens des Sinns entbehren.

Nicht nur Unternehmen, auch Schulen hielten einer Überprüfung auf den Sinn hin nicht stand, merkt Funke an. Schulen seien oft sinnarm, aber leistungsorientiert. „Wir fangen schon von Kindesbeinen an, sinnarm aufzuwachsen“, konstatiert Funke.

„Man kann den Mangel an Sinn auch bei der Arbeit nicht durch Geld kompensieren. Man kann Mitarbeiter auch nicht motivieren durch mehr Geld. Zum absoluten Glücklichsein bedarf es gar nicht so viel des Geldes. Es gibt sowohl nach oben wie auch nach unten eine Grenze, was die erforderliche Menge an Geld betrifft“, behaupte die Glücksforschung, so Günter Funke.

Was sinnlos ist, ist würdelos

Wir fragen leider immer zuerst nah dem Zweck und nicht nach dem Sinn. Und der Zweck hat immer auch mit Geld zu tun, beklagt Günter Funke. Der Sinn rechne sich aber auf dieser Ebene nicht. Funke fragt nach der Würde des Menschen in Unternehmen, in Schulen, in der Gesellschaft. Es gelte der Satz von Viktor Frankl " Jeder Mensch sucht nach Sinn." Sinn und Würde gehörten zusammen, formuliert Günter Funke. Es gehöre zum Menschen, seinen eigenen Sinn und dies in Würde leben zu können.

Zur Person: Günter Funke

Theologe und Existenzanalytiker, Psychotherapeut. Er ist Leiter des Instituts für Existenzanalyse und Lebensphänomenologie in Berlin. Günter Funke arbeitet seit Jahren in eigener psychotherapeutischer Praxis und in der Aus- und Weiterbildung für Logotherapie und Existenzanalyse. Er war persönlicher Schüler Viktor E. Frankls, dem Begründer der Logotherapie und hat in Hamburg Theologie studiert.

Ein besonderes Anliegen ist ihm die praxisnahe und authentische Vermittlung der Anthropologie der Existenzanalyse. Damit verbunden ist die intensive Auseinandersetzung mit der Lebensphänomenologie. Er ist Kuratoriumsmitglied der Internationalen Pädagogischen Werktagung in Salzburg.

Günter Funke lebt in Berlin, ist Jahrgang 1948 und ein gefragter Vortragender mit vielgebuchter Lehr- und Seminartätigkeit in Deutschland und Österreich. Er gilt als der Experte zum Thema Sinn im deutschsprachigen Raum.

Musik:

DUO Tevana Claudio Spiegel und Ingo Lauda

Dieser Vortrag wurde im Veranstaltungszentrum KOM in Altach aufgezeichnet.