Porno und Mobbing im Internet

Bei der „Focus“-Sendung von Radio Vorarlberg sprechen Prof. Dr. Petra Grimm, Medienwissenschaftlerin, und Dr. Catarina Katzer, Cyberpsychologin, über das Thema „Cybermobbing und Pornofilme – das Internet macht alles möglich“.

Audio: Hier können Sie die aktuelle Focus-Sendung nachhören.

Prof. Petra Grimm präsentiert die Ergebnisse der Studie Web 2.0 in der die Bedeutung sexualisierter Web-Inhalte in der Lebenswelt von Jugendlichen erhoben wurde. Das Ergebnis ist, dass sexualisierte und pornografische Inhalte für Kinder und Jugendliche insbesondere über das Internet leichter zugänglich sind als jemals zuvor.

Sendungshinweis:

„Focus“, 3.5.2012

Dies gilt zum einen für eine aktive und gezielte Nutzung von Pornografie, zum anderen erhöht sich durch das Internet aber auch das Risiko der ungewollten Konfrontation mit entsprechenden Inhalten, zum Beispiel über Pop-ups oder unverdächtig wirkende Link-Empfehlungen, sagt Petra Grimm.

Wie die Studie auch zeigt, gehört Pornografie mittlerweile zum Internetalltag vieler Jugendlichen; wobei Jungen Pornografie häufiger und eher gezielt rezipieren als Mädchen.

Porno-Konsum ist Alltäglichkeit geworden

Problematisch wird ein früher, regelmäßiger Pornokonsum der Jungen vor allem dann, wenn sie unerfahren sind, mit solchen Inhalten allein gelassen werden und sie deshalb als normal und realistisch einstufen. Das führe zu einem Leistungsdruck, so Grimm, und es halte die Jugendlichen davon ab, spielerisch und neugierig ihre Sexualität entdecken zu können. Porno müsse deshalb im Schulzimmer eingebracht werden: „Wir sollten die Erziehung unserer Kinder nicht der Pornoindustrie überlassen.“ Die Aufklärung an der Schule übrigens bezeichneten die meisten der befragten Jugendlichen als fad und langweilig; kein Wunder, wenn man bedenkt, was sie übers Internet bereits mehrfach gesehen haben.

Tatort Internet: Cyber-Mobbing

Chatrooms, Foren, soziale Netzwerke und auch Videoplattformen werden gezielt genutzt, um andere zu beleidigen, lächerlich zu machen oder sogar massiv zu bedrohen und zu erpressen oder Cyber-Bulling heißt die Form des virtuellen Fertigmachens.

Sexuelle Gerüchte und Demütigungen, manipulierte Fotos und üble Beleidigungen gehören zum Alltag einer wachsenden Zahl von Jugendlichen. Jeder dritte Schüler in Deutschland, so eine Studie der Universität Münster, wurde schon einmal Opfer von Mobbing im Internet. In 80 Prozent der Fälle kennen sich Täter und Opfer aus der Schule.

Dass Mitschüler belästigt, bloßgestellt, systematisch an den Rand gedrängt, verleumdet und gedemütigt werden, ist kein neues Phänomen. Mobbing hat es auch in Vor-Internet-Zeiten gegeben. Psychologin Catarina Katzer, die die ersten Studien im deutschsprachigen Raum zum Thema Cyber-Mobbing veröffentlicht hat, beschreibt das gefährlich Neue von Mobbing im Internet so: „Cyber-Mobbing ist für Hunderttausende sichtbar. Cyber-Mobbing ist endlos. Was einmal an Gemeinheiten oder peinlichen Bildern und Videos im Netz steht, bleibt drin - ein Leben lang.“ Selbst wenn die Täter ermittelt werden können, bleiben die Bilder und Filme im Umlauf und lassen sich nicht zurückholen.

Die Folgen von Mobbing im Internet

Die Folgen für die Opfer sind oft schwerwiegend. Sie reichen von Scham und hilfloser Wut über Isolation und Lernschwierigkeiten, bis hin zu Stress und psychischen Problemen. Sogar Fälle von Suizid sind mittlerweile bekannt.

Ähnlich wie beim „normalen Mobbing“ sind häufig solche Jugendliche Opfer und Zielscheibe, die kein hohes Selbstbewusstsein haben und ohnehin am Rande stehen. Auffällig sei auch, so Catarina Katzer, dass viele Opfer keine gute Beziehung zu ihren Eltern haben. Wenn Eltern ihre Kinder von klein auf befähigen, selbstbewusst für die Wahrung ihrer Grenzen einzutreten, könnte das der beste Schutz vor Mobbing sein.

Die Anonymität im Netz

Gar nicht selten ist, dass Opfer selbst zu Tätern werden. Die Anonymität des Internets macht es leicht, sich zu rächen. Fachleute beobachten, dass auch Opfer von herkömmlichem Mobbing im Netz zum Täter werden. Im Internet sehen sie die Möglichkeit, selbst einmal das Gefühl von Überlegenheit zu entwickeln und unerkannt zu bleiben.

Links:

  • www.juuuport.deJuuuport ist eine Selbstschutz-Plattform von Jugendlichen für Jugendliche im Web
  • www.clicksafe.de Seit 2004 setzt klicksafe in Deutschland den Auftrag der EU-Kommission um, Internetnutzern die kompetente und kritische Nutzung von Internet und Neuen Medien zu vermitteln.

Zur Person: Prof. Dr. Petra Grimm

Arbeitsschwerpunkte: Gewalt in und via Medien, Handy- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen, Medienethik, Privatheit und Medien. Von 2006 bis 2010 Dekanin der Fakultät Electronic Media (Hochschule der Medien Stuttgart).

Zur Person: Dr. Catarina Katzer

Katzer absolvierte ein Studium der Volkswirtschaft, Soziologie und Sozialpsychologie an der Universität Köln. Durch ihre mehrjährige Tätigkeit als Assistentin am Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Köln, erwarb sie umfangreiche Kenntnisse in Forschung und Lehre.

Ihre Schwerpunktthemen sind „Cyberpsychologie, Medien- und Jugendforschung“. Catarina Katzer zählt zu den führenden Forschern Europas auf dem Gebiet „Cyberbullying und sexuelle Viktimisierung in den interaktiven Medien bei Kindern und Jugendlichen“.

Literaturhinweis:

Porno im Web 2.0. Die Bedeutung sexualisierter Web-Inhalte in der Lebenswelt von Jugendlichen, Petra Grimm, Stefanie Rhein und Michael Müller, Visatas Verlag.

Musik:

Nur noch kurz die Welt retten: Tim Bendzko, Universum: Ich und Ich