Wilfried Brüning: „Papa, du bist so gemein“

Der deutsche Medienpädagoge Wilfried Brüning weiß als Vater nur zu gut, wie schwer es ist, seinen Kindern beizubringen, dass sie nicht dauernd "online“ sein sollen. Die aktuelle „Focus“-Sendung widmet sich Wilfried Brüning.

Sendungshinweis:

„Focus“, 23.8.2012

Wilfried Brüning schildert eingangs wie er sich mit seinem Sohn fast täglich ein Schreiduell liefert, weil dieser die mit ihm vereinbarte Bildschirm-Medienzeit nicht einhalten will.

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Audio: Hier hören Sie die komplette Sendung nach.

Mediennutzung und Medienkonsum

Hinweis:

Diese Sendung ist eine Wiederholung vom 22.4.2012

Zur Mediennutzung sagt Brüning ein uneingeschränktes „Ja“, zum Medienkonsum ein „leider“ eingeschränktes „Ja“. Unter Mediennutzung von Kindern versteht er die Lieblingssender von Kindern und Jugendlichen im Radio, Zeitschriften, Bücher, Hörspiele, auch der Computer dürfe bedenkenlos genutzt werden, für die Recherche im Internet, die mittlerweile schon im Kindergartenalter losgehe und später in der Schule für Wissenswertes zu Rate gezogen werde. Das Problem bestehe später einfach darin, dass die Kinder „online“ sind.

„Wir können unseren Kindern den Umgang mit dem Computer nicht verbieten, sie brauchen ihn als tägliches Werkzeug. Man muss den Kindern aber auch einen ‚Muskel‘ antrainieren, dass sie nicht den ganzen Tag online sein dürfen.“

Computer auf schulische Arbeit fokussieren

Der Vortrag:

Wilfried Brüning hielt diesen Vortrag im Rahmen der Montafoner Familiengespräche in Schruns.

Sie müssten ihre Arbeit mit dem Computer auf die schulische Arbeit fokussieren. Kinder sollen natürlich Word- und Lerndokumente anlegen bzw. E-mails versenden können, das stehe außer Frage, so Wilfried Brüning. Er empfiehlt aber auch den schöpferischen Umgang mit Bild-, Schnitt- und Tonprogrammen. Kindern und Jugendliche könnten am Computer Fotobücher entwickeln oder selbst gedrehte Videos anfertigen.

Kindern könne auch ohne Play-Station groß werden

„Täglich drei bis vier Stunden mit der Play-Station zu spielen, das ist zu viel. Das Geld, das man für Play-Stations und Fortsetzungsspiele ausgibt, gibt man besser für wertvollere Dinge für Kinder aus,“ bestärkt Brüning Eltern. Eltern müssten sich fragen, ergänzt der Medienpädagoge, wie viel Zeit an Nichtentwicklung sie ihren Kindern zumuten wollen? Hier lernen die Kinder nichts, womit sie im richtigen Leben etwas anfangen könnten.

Der Glücksbotenstoff Dopamin und das Computerspiel

Wilfried Brüning hebt die Bedeutung des Glücksbotenstoffs Dopamin hervor, wenn er sagt: „Wenn unser Gehirn etwas Neues lernt, dann belohnt sich unser Gehirn mit körpereigenen Drogen: dem Dopamin. Dopamin berauscht und macht uns glücklich. Das Dopamin sorgt dafür, dass wir uns das Neugelernte gut einprägen und eine Sache immer weiterverfolgen. Hier wirkt Dopamin wie ein Dünger. Dank Dopamin lernen Kinder, schnell, effektiv und nachhaltig“.

Dopamin-Duschen kennen wir aus der Schule: wenn wir eine Denkaufgabe richtig erledigt haben. Mit den neuen Medien haben sich die Dopamin-Ausschüttungen grundlegend gewandelt, ergänzt Brüning. „Sobald Kinder vor dem Computer sitzen, steigt die Dopamin-Frequenz um 50 Prozent. Sie bekommen sofort eine Belohnung, noch bevor sie etwas getan haben. Bei Gewaltspielen steigt die Dopamin-Ausschüttung um 100 Prozent, weil das Belohnungszentrum noch vielmehr Dopamin ausschüttet. Das Gehirn kann nicht zwischen einem realen und einem virtuellen Lernerfolg unterscheiden. Das Gehirn belohnt bei Erfolg.“

Diese Erfahrung haben sich die Spiele-Programmierer zu eigen gemacht. Sie wüssten, wann die Dopamin-Duschen nötig seien: Der Kampf zwischen Mathematik, in dem das Kind vielleicht schlecht sei, trete in eine innere Auseinandersetzung mit dem Nintendo, der daneben liege, umschreibt Brüning die Schwierigkeit für das Kind, sich zu entscheiden. Beim Nintendo sind dem Kind Glücksgefühle sicher. Beim Nintendo hat das Kind sofort Erfolgserlebnisse.

Zur Person: Wilfried Brüning

Wilfried Brüning kommt aus Detmold in der Nähe von Bielefeld. Er ist schon viele Jahre in der offenen Jugendarbeit tätig, er ist Regisseur und Medienpädagoge und realisiert seit über 30 Jahren Filmprojekte zu Kinder- und Jugendthemen, wie Drogen, Alkohol, Gewalt an Schulen, Rechtsextremismus wie auch Freundschaft und Sexualität.

Musik

CD Kruder und Dorfmeister - The K&D sessions