Arno Dalpra: Sich gegen Gewalt entscheiden lernen

In der aktuellen „Focus"-Sendung spricht Arno Dalpra - Sozialarbeiter, Psychotherapeut und Leiter der Gewalt-Beratungsstelle „Klartext“ des Institutes für Sozialdienste - „...über das Lernen, sich klar gegen Gewalt zu entscheiden“.

Die Sendung zum Nachhören:

Als Gewalt kann jede Form von körperlicher Beeinträchtigung oder deren Androhung bezeichnet werden. Gegen Gewalt zu handeln, setze einen klaren Gewaltbegriff voraus, leitet Arno Dalpra ein. Dass man Gewalt benennen, sie von der Aggression bzw. Gewalt von Psychoterror unterscheiden kann, ist Dalpra in seiner therapeutischen Arbeit sehr wichtig.

Sendungshinweis:

„Focus“, 17.3.2012

Bei der Aggression seien alle Grundebenen der Kommunikation vorhanden; dabei sei der Einzelne mit jemand anderem bzw. mit Anderen in Kontakt und er zeige sich mit seiner Grenze und er gehe bis an „seine“ Grenze. Gewalt löst sich aus der Aggression heraus, unterstreicht der Gewaltpräventionsexperte Dalpra; sie führe zum Kontaktabbruch und sei eine Grenzüberschreitung.

" Nur auf das, für das ich Verantwortung übernehme, habe ich Einflussmöglichkeiten", umschreibt Dalpra einen weiteren therapeutischen Ansatz.

90 Prozent der Gewalttaten von Männern ausgeübt

Gewalt wird von Männern ausgeübt und ist eine Folgeerscheinung der männlichen Sozialisation. Mehr als 90 Prozent aller Gewalttaten werden von Männern ausgeübt. Über 60 Prozent aller Gewaltopfer sind wiederum Männer.

Der Gewaltbegriff erfordere eine Differenzierung, sagt Arno Dalpra.
Massive Grenzverletzungen geschehen durch Manipulation, zerstörerische Kritik durch Worte, durch Einschüchterung, Macht-und Vertrauensmissbrauch sowie durch Respektlosigkeit. Der Gewalt zuzuordnen sind Androhungen körperlicher Gewalt, die Zerstörung von Sachgegenständen, das Tragen von Waffen sowie körperliche wie auch sexuelle Gewalt.

Gewalt braucht eine Werthaltung

Gewalt benötigt eine Stellungnahme und eine geschlechtsspezifische Sichtweise. Wenn man den Gewaltkreislauf durchbrechen wolle, müsse man das Schweigen durchbrechen, so Dalpra.

Es gebe dabei Hilfen durch die Pädagogik bzw. - wenn nötig - durch Beratung und letztlich auch durch eine entsprechende Therapie. Nur das Nicht-Schweigen führt zum Durchbrechen des Gewaltkreislaufs.

Täter begründen ihr Zuschlagen oft mit ihrer Ohnmacht: Scham und Reue nach der Tat schließen allerdings noch nicht mit ein, dass es zu keiner Wiederholung der Gewaltanwendung kommen muss.

Zur Person: Arno Dalpra

Leiter der IfS(www.ifs.at)-Gewaltberatungsstelle „KLARTEXT“; Diplomsozialarbeiter, Psychotherapeut, Familientherapeut, Leiter der IFS-Jugendberatungsstelle Mühletor

Musik:

CD Anderscht Saitenflug