„Die zweite Halbzeit entscheidet“

Dr. Markus Hofer, Leiter des Männerbüros der Diözese Feldkirch, spricht über die zweite Lebensphase des Mannes - darüber, wie sich die Midlife-Crisis äußert und wie man ihr begegnen kann.

Die Sendung zum Nachhören

„Es ist wie im Fußball - die zweite Halbzeit entscheidet" - mit diesem Statement leitet Markus Hofer über zum Thema Älterwerden: „Damit tun sich die Männer (manchmal auch die Frauen) nicht immer leicht“, ergänzt er mit dem Hinweis, dass das Älterwerden nichts für Feiglinge sei. Zuerst laute das Gebot, Leistung zu erbringen, sich Erfolg und Anerkennung zu erarbeiten sowie jung, stark und immer gut drauf zu sein. Dann komme das beste Mannesalter und das entpuppe sich als die schwierigste Lebensphase, auf die wir überhaupt nicht vorbereitet seien.

Sendungshinweis: Focus - Samstag, 15. Dezember, 13.00-14.00 Uhr

„Zuerst lässt sich das noch kaschieren, aber irgendwann wird man knallhart darauf gestoßen, dass wir älter werden“, führt er aus und liefert ein humvorvoll angefügtes Beispiel aus eigener Praxis. Dieses berichtet davon, wie er sich selbst und einer jüngeren Dame – „nordisch walkend" beweisen wollte, wie gut er noch „mithalten könne“.

Nach der Heldenphase

Nach der Heldenphase im jugendlichen Alter kommen Männer nach der Sturm und Drang-Periode, ab 30 in die Phase der Identitätsfindung, sagt Markus Hofer – und keiner möge meinen, dass es so weitergehen wird: „So spielt unser Männerleben nicht, denn die nächste Phase, die kommt, ist wahrscheinlich die mühsamste, eine Krise der Begrenztheit, die sich im Alter zwischen 40 und 55 bemerkbar macht." Er sei überzeugt gewesen, dass er vor jeder Phase der Midlife-Krise verschont bleibe.

Biologischer Knick ab 36

Die Lebensmitte beginnt beim Mann nicht in der Pension, sondern mit 38. In der biologischen Kurve läge der Knick bei 36, danach könnten wir die Leistungsfähigkeit nicht mehr steigern. Damit wir dieselbe Leistung bringen können, brauchen wir mehr Training, mehr Übung als vorher. Die Sportlerwelt belege diese These - weil alle großen Sportler in diesem Alter abtreten. Ausnahmen wie Michael Schumacher und Thomas Muster belegten das Gegenteil. Die Phase der Midlife-Krise ist oft jene nach der Familiengründung, nach dem „Nestbau“ und der Kindererziehung; auch im beruflichen zeichnen sich Veränderungen ab: man hat vielleicht einen jüngeren Chef, man wird nicht mehr zur Fortbildung eingeladen.

Spirituelle Auseinandersetzung ist gefragt

Gefragt und unausweichlich sei eine neue Standortbestimmung. Die Frage nach „meiner Wichtigkeit“ stellt sich. Das Geheimnis des Alpenvereins wird bemüht, denn der Abstieg zur Weisheit, zur Tiefe des Lebens, stehe am Ende der Besteigung des Gipfels. Es verlangt nach einer spirituellen Sichtweise, nach Zeiten der Stille und Orten des Rückzugs, „damit sich die Seele wandeln kann“,schreibt Markus Hofer.

Literatur:

Markus Hofer. Die zweite Halbzeit entscheidet. Stratgien für Männer ab 40. Tyrolia Verlag Innsbruck.

Zur Person:

Markus Hofer. Jg.1957; studierte Philosophie, Theologie, Germanistik und Kunstgeschichte und war 9 Jahre Leiter des Katholischen Bildungswerkes in Vorarlberg. Hofer ist Leiter des Männerbüros der Diözese Feldkirch, Redakteur der Männerzeitung Von Mann zu Mann, und Sprecher der samstäglichen Hörfunksendung Radio Vorarlberg Männersache - Gedanken zum Mannsein.

Internetseite:

www.maennerbuero.info;
Online-Beratung: www.maennernet.at

Musik:

CD Saitenschnitte
osm ostrachtaler saitenmusik