„Wir sind nicht die Marionetten unserer Gene“

Diesen Vortrag hat Peter Spork im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wertvolle Kinder“ im ORF Landesstudio Vorarlberg gehalten.

Die Sendung zum Nachhören:

Peter Spork: Auszug aus einem Artikel in der „Frankfurter Rundschau“, vom 13. März 2009.

"Zum Glück sind Menschen verschieden. Dass daran auch die Gene schuld sind, gehört inzwischen zum Allgemeinwissen. Doch es ist nur die halbe Wahrheit: Umwelteinflüsse entscheiden mit. Sie bestimmen darüber, welche Gene in einer Zelle an- und welche ausgeschaltet werden. Wie das genau funktioniert, ist indes noch lange nicht im Detail erforscht.

Sendungshinweis:

„Focus“, Sendung vom 1. Dezember 2011.

Damit sich das ändert, verabschiedete die US-Gesundheitsbehörde NIH jetzt ein 190 Millionen Dollar teures, auf fünf Jahre angelegtes Programm zur Unterstützung einer jungen Wissenschaft: der Epigenetik. Bei dem Programm handelt es sich um das sogenannte Epigenomprojekt, das biochemische Schalter an der Erbsubstanz DNA analysieren soll. Diese Schalter sind Methyl- oder Acetylgruppen, die sich direkt an die DNA anlagern oder die Eiweiße verändern, die den DNA-Faden umhüllen. Sie bestimmen letztlich, welches Gen einer Zelle zu welchem Zeitpunkt ihrer Entwicklung gerade aktiv ist und welches nicht.

Forscher nennen Gesamtheit der Schalter das Epigenom

Die Gesamtheit der Schalter nennen Forscher das Epigenom, was in etwa Übergenom bedeutet. Ein treffender Begriff, denn erst die Schalter geben dem Gentext einen Sinn. Sie ordnen und katalogisieren seine Informationen. “Einzelne Zellen können sich dank ihres Epigenoms erinnern”, sagt der Molekularbiologe Renato Paro, Leiter des Departments Biosysteme der ETH Zürich in Basel.

Literatur:

Der zweite Code. Epigenetik - oder wie wir unser Erbgut steuern können, Rowohlt Verlag.

Mit diesem „Gedächtnis der Zellen“ kann man heute erklären, warum es in jedem Menschen so verschiedene Zellen wie zum Beispiel Nerven-, Haar- und Leberzellen gibt, obwohl sie identische Genome haben.

Auch dass die Ernährung, Sport, extremer Stress, Vergiftungen oder ein gewandelter Lebensstil dauerhafte Veränderungen in Körper und Geist bewirken, scheint Folge der epigenetischen Programmierung von Zellen zu sein."

Musik:

CD HDV Trio-Helbock Dietrich Vogel Celebrating Modern Genius

Zur Person: Peter Spork

Peter Spork wurde 1965 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte in Marburg und Hamburg Biologie, Anthropologie und Psychologie. Unterstützt von einem Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes promovierte er im Bereich der Neurobiologie am Zoologischen Institut in Hamburg. Seit 1991 veröffentlicht Spork populärwissenschaftlicher Artikel für viele große deutschsprachige Zeitungen und Magazine, unter anderem für „Die Zeit“, „Geo Wissen“, „Bild der Wissenschaft“ und die „Süddeutsche Zeitung“. Eine Zeit lang arbeitete er als Wissenschaftsredakteur beim Nachrichtenmagazinprojekt „Ergo“, nach dessen Einstellung wechselte er zum freien Wissenschaftsjournalismus.