Ein „Focus“ zum Welthospiztag

Dr. Amrei Wittwer spricht in der aktuellen Focus-Sendung über das Thema"Helden und Feiglinge. Rollen im Schmerz." und Prof.Dr.Stein Huseboe über das Thema „Alt, krank, allein - in Würde?“.

Die Sendung zum Nachhören:

Die aus Bludenz stammende Schmerzforscherin Wittwer hat in Zürich Pharmazie studiert und präsentierte auf Einladung der Hospizbewegung Vorarlberg
die Ergebnisse einer Studie über die subjektive facettenreiche Empfindung: den Schmerz.

„Helden und Feiglinge. Rollen im Schmerz.“ Dr.Amrei Wittwer

Niemand, der sich im akuten Schmerz befindet, wird seine Objektivität leugnen. Doch es ist schwierig, die Schmerzempfindung in ihrer subjektiven und emotionalen Qualität zu messen, um darauf zu reagieren und sie zu behandeln. Besonders benachteiligt sind Menschen, die sich aufgrund von Demenz oder Behinderung sprachlich nicht gut ausdrücken können", gibt Dr. Amrei Wittwer einen ersten Einblick.

„Erstaunlich ist auch, dass Frauen in der Regel nicht die gleich gute Schmerzbehandlung wie Männer erhalten. Wissenschaft und Praxis der Schmerzbekämpfung haben große Fortschritte gemacht. Das betrifft auch die schwersten und unheilbaren Erkrankungen. Und noch immer sucht die Wissenschaft nach Ursachen, nach besseren medizinischen Schmerzmitteln und nach psychologischen Strategien. Ein Ansatz zur Linderung ist die Stärkung des Selbstbildes und Sinngebung im Leben", erläutert die Expertin weiter.

Sendungshinweis

„Focus“, Sendung vom 13. Oktober 2011.

„Alt, krank, allein-in Würde?“ Prof.Dr.Stein Huseboe

In den Augen von Professor Huseboe gehört die Altenfürsorge zu den bereits anerkannten globalen Herausforderungen, wie Frieden, Menschenrechte, Armut und Umwelt. Wie gehen wir mit der immer älter werdenden Bevölkerung um, lautet für Huseboe die Testfrage an die Menschheit? Die Grundlage für den Umgang mit Menschen am Lebensende sind Kommunikation und Ethik. Huseboe versteht darunter die vorbereitenden Gespräche über Leben und Tod.

Wenn Politiker ihn fragten, wozu man Palliativabteilungen für sterbende Patienten benötige, dann sei es die liebevolle Begleitung von Menschen am Lebensende. " Oft kann man mit einem freundlichen, lieben Satz den Tag
eines/-er Patienten/-in retten ," betont Huseboe.

Das informierte Einverständnis

Die Ärzteschaft sei leider im Umgang mit Patienten in Kommunikation wenig ausgebildet;
das führe oft zu ganz großen Problemen. Die Begegnung zwischen Arzt und Patient müsse auf Augenhöhe erfolgen. Eines dieser Prinzipien sei das "informierte Einverständnis: Arzt und Patient besprechen die Diagnose und die zu setzenden medizinischen Schritte.

„Wenn man eine Familie z.Bsp. zerstören wolle, müsse man als Arzt an unterschiedliche Familienmitglieder unterschiedliche Botschaften unterschiedliche Botschaften weitergeben.“ Huseboe tritt dafür ein, die Familie gemeinsam über die Maßnahmen und Schritte eines kranken Familienangehörigen zu informieren. Diese Gesprächsergebnisse sollten auch in der Krankenakte festgehalten werden.

Sinnlose Therapien an sterbenden Patienten

Wenn der Arzt weiß, dass eine neue Chemotherapie dem schwerkranken Patienten nicht hilft, dürfe der Arzt das nicht anbieten, unterstreicht Prof. Huseboe eine seiner Leitlinien. „In Österreich würden Millionen Euro durch sinnlose Therapien an sterbenden Patienten aus dem Fenster geschmissen“, beklagt Huseboe, um dazu zu sagen, damit man mit dem Patienten nicht sprechen muss.

Zur Person:

Dr.Amrei Wittwer, geboren 1980 in Bludenz. Bundesgymnasium Bludenz. Studium der Pharmazie. Schmerzforschung am Collegium Helveticum Zürich.

Prof.Dr.Stein Huseboe, geboren 1944 bei Bergen ist ein norwegischer Mediziner. Momentan ist er Leiter der Abteilung für Schmerztherapie und Palliativmedizin am Universitätsklinikum im norwegischen Bergen. Huseboe studierte Medizin in Graz. Er ist verheiratet hat 6 Kinder und wohnt in Bergen.

Musik:

Live-Musik des Jazz-Pianisten Peter Madsen