Drohende Abschiebung: Klasse kämpft um Kamil

Der 18-jährige Kamil soll nach Russland abgeschoben werden, obwohl seine Familie dort angeblich politisch verfolgt wird. Seine Klasse an der Handelsschule Lustenau kämpft jetzt für den Verbleib des Jugendlichen und seiner Familie.

Seit 2012 lebt Kamil Magomedov mit seiner Familie in Vorarlberg. Sein Vater sei von der Staatspolizei in Dagestan verhaftet und gefoltert worden. Er habe seinen Vater halb tot aufgefunden und fürchtet sich bei einer Abschiebung vor einer Wiederholung. „Er wurde schon ein paarmal mitgenommen und geschlagen“, sagt Kamil. Jetzt, da er selbst volljährig sei, glaube er nicht, dass er von den Behörden in Ruhe gelassen werde.

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Drohende Abschiebung

Einem 18-Jährigen droht die Abschiebung. Seine Schulklasse will das verhindern.

Kamils Schulkameraden verstehen die nun drohende Abschiebung nicht und haben den Fall daher an die Öffentlichkeit gebracht. „Kamil ist so ein fleißiger Junge und er gehört eigentlich nach Österreich“, sagt etwa Mitschüler Metin Keskin. Lehrer Bernd Stadelmann sekundiert, dass Kamil ein sehr gut integrierter und höflicher Schüler sei. Dass der Jugendliche ein halbes Jahr vor seinem Schulabschluss abgeschoben werden soll, gibt dem Lehrer Rätsel auf: „Das verstehe ich persönlich nicht.“

„Die wohl unruhigste Region in Russland“

„Dagestan ist heute die wohl unruhigste Region ins Russland“, analysiert die Vorarlberger ORF-Russland-Korrespondentin Carola Schneider die Situation in Kamils Heimat. Immer wieder gebe es Terroranschläge mit vielen Opfern. Dahinter würden islamistische Untergrundkämpfer stecken, die ein unabhängiges kaukasisches Emirat errichten wollten, so Schneider. „Oft werden Menschen auch ohne Tatverdacht verfolgt, gefoltert, verhaftet und manchmal verschwinden solche Verhaftete auch spurlos.“

Besonders die Salafisten, eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islam, würden im Visier der Behörden stehen. „Die stehen quasi unter Pauschalverdacht, Terroristen zu sein“, sagt Schneider.

Verstoß gegen Kinderrechte?

Peter Mennel vom Verein „Vindex - Schutz und Asyl“ kann die Gründe nicht nachvollziehen, warum für das Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl die Abschiebung zulässig ist. Man glaube den Ausführungen der Familie Magomedov nicht, ist im seitenlangen Befragungsprotokoll nachzulesen. Man nehme der Familie damit aber die Chance, die in Österreich erworbene Bildung auch hierzulande umzusetzen, kritisiert Mennel.

„Für mich verstößt das gegen die Kinderrechte“, so der Experte. Kinder würden nämlich ein Recht auf Bildung sowie auf Schutz und Sicherheit vor Verfolgung haben. Außerdem hätten sie das Recht auf Gesundheit: „Und ich weiß, dass Kamil und Ahmed (Kamils Bruder, Anm.) jahrelang in Therapie waren aufgrund von posttraumatischen Belastungsstörungen, die sie aufgrund ihrer Erlebnisse in Dagestan hatten“, so Mennel.

Beten für humanitäres Bleiberecht

Der Vater von Kamil hat sich nun in Wien einen Anwalt genommen und hofft, auf europäischer Ebene die drohende Abschiebung doch noch verhindern zu können. Das Innenministerium kommentiert Einzelfälle grundsätzlich nicht. Klar ist aber: Von knapp 8.000 Rückführungen insgesamt in diesem Jahr betrafen 400 russische Staatsbürger. Der 14-jährige Bruder Ahmed hofft, wie Kamil, dass sie beide und ihre Eltern nicht die nächsten sind. Sie beten - sagen sie - für ein humanitäres Bleiberecht.