Filzmaier: Viele Gründe für Wechselwähler-Trend

Nirgendwo in Österreich ist der Trend zum Wechselwählen so ausgeprägt wie in Vorarlberg. 2013 haben ÖVP und SPÖ hierzulande nur noch 40 Prozent der Stimmen bekommen. Politologe Peter Filzmaier sieht mehrere Gründe.

Die Tageszeitung „Der Standard“ hat zuletzt Berechnungen für die Nationalratswahlen zwischen 1986 und 2013 durchgeführt. Die Zahl der Wechselwähler ist in Vorarlberg verhältnismäßig am höchsten. „Ein Hauptgrund ist überhaupt das schwierige Verhältnis der Traditionsparteien ÖVP und SPÖ zwischen Land und Bund“, sagt Experte Filzmaier im Gespräch mit dem ORF Vorarlberg.

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Die SPÖ sei im Land schwach, man kümmere sich aber auch zu wenig darum. Das fördere die Wechselwählerschaft, so Filzmaier. Umgekehrt sei die ÖVP in Vorarlberg zwar stark, wolle aber nicht mit jedem Bundeswahlkampf identifiziert werden. Bundespolitik sei in Vorarlberg unpopulärer als Landespolitik. Einer Landespartei gelinge es daher oft, das Landesergebnis auf die Bundesebene zu tragen. Andererseits sei die Verlockung groß, sich in den Wahlkampf weniger einzubringen, wenn die Bundespolitik besonders unpopulär ist.

„Banale“ Unterschiede zwischen den Ländern

Darüber hinaus gebe es auch ganz „banale Unterschiede“ zwischen den Bundesländern, etwa die Tatsache, dass es sich bei Wien um eine Millionenstadt handelt, die es in Vorarlberg eben nicht gibt. Damit sei auch die Wählerschaft anders strukturiert, ebenso sei der Organisationsgrad der Partei zwangsläufig ein anderer. Bei großen Industriebetrieben sei die gewerkschaftliche Organisation beispielsweise stärker, was dann eher der SPÖ zugutekomme.

Peter Filzmaier im Gespräch mit ORF-Redakteur Jürgen Peschina